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Auszeichnungen für Ernest Wichner und Tatjana Baskakowa

5. Februar 2020

Auszeichnungen für Ernest Wichner und Tatjana Baskakowa

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den »Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung« an Ernest Wichner für seine Übertragungen rumänischer Literatur ins Deutsche. Den »Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland« erhält die russische Übersetzerin und Kulturvermittlerin Tatjana Baskakowa. Die Preise sind jeweils mit 15.000,- Euro dotiert und werden im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen, die vom 21. bis 23. Mai 2020 in Essen stattfindet.

Mit Ernest Wichner, geboren am 17. April 1952 in Guttenbrunn, Banat/Rumänien, wird ein virtuoser Übersetzer und Sprachkünstler mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis geehrt. Wichner, der seit 1975 in Deutschland lebt und von 2003 bis Ende 2017 das Literaturhaus Berlin leitete, ist Autor von Gedichtbänden und Erzählungen, Herausgeber, Literaturkritiker und Übersetzer vor allem aus dem Rumänischen. Seit 1990 erscheinen in stetem Rhythmus von ihm ins Deutsche übertragene große Werke der rumänischen Literatur, etwa der Bücher von M. Blecher: »Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit« (1990), »Vernarbte Herzen« (2006), »Beleuchtete Höhlen« (2008). Aber auch die Werke von Daniel Bănulescu, Norman Manea, Nora Iuga, Liliana Corobca, Varujan Vosganian sind mit Wichners präziser, sprachschöpferischer Arbeit verbunden. In letzter Zeit beeindruckten vor allem seine Übertragung von Cătălin Mihuleacs »Oxenberg & Bernstein« (2018) und zuletzt »Solenoid« (2019) von Mircea Cărtărescu. Ernest Wichner entdeckt nicht nur Autoren, er begleitet sie auch über Jahrzehnte hinweg und hilft ihnen, einen Platz im deutschsprachigen Literaturkosmos zu finden. Zu seinen bisherigen Auszeichnungen zählen der Preis für Europäische Poesie der Stadt Münster (zusammen mit Daniel Bǎnulescu) 2005 sowie der Anerkennungspreis des Zuger Übersetzerstipendiums 2007.

Tatjana Baskakowa, geboren am 26. Mai 1957 in Moskau, wird für ihre großen Verdienste um die Vermittlung deutschsprachiger Literatur in Russland mit dem Friedrich-Gundolf-Preis ausgezeichnet. Nach dem Studium der Ägyptologie an der Staatlichen Universität Moskau und der sich anschließenden Promotion arbeitete sie zunächst am Orientalischen Institut in Moskau. Erste Übersetzungen deutschsprachiger Literatur ins Russische erschienen im Jahr 1999. Bis heute liegt eine beeindruckend umfangreiche Liste ihrer Übertragungen vor: Werke von Hans Henny Jahnn, Arno Schmidt, Reinhard Jirgl, des frühen Döblin und der deutschen Expressionisten, ebenso von Ingo Schulze, Elfriede Jelinek und Christian Kracht. Zu ihrer Vermittlungstätigkeit gehört auch ihre langjährige Arbeit als Lektorin bei der Zeitschrift »Inostrannaja Literatura« [Ausländische Literatur] von 2004 bis 2012. Ohne das große und beharrliche Engagement von Tatjana Baskakowa, oft ohne jeden institutionellen Rückhalt, wäre ein großer Teil der anspruchsvollen, auch experimentellen deutschsprachigen Literatur in Russland nicht vorhanden. Zu ihren bisherigen Auszeichnungen zählen: Andrei-Bely-Preis 2008, Schukowski-Preis 2010, Deutscher Übersetzerpreis im Rahmen des Jahres der deutschen Sprache und Literatur in Russland 2014/2015.


Der Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung wird vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst getragen.
Nähere Informationen zu den Preisen und ihren Preisträgern:
Johann-Heinrich-Voß-Preis
Friedrich-Gundolf-Preis


Corinna Blattmann
Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung
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