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Sigmund-Freud-Preis an Jan Assmann

1. Juli 2016

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet den Ägyptologen und Kulturtheoretiker Jan Assmann mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 2016 aus. Der Preis ist mit 20.000,- Euro dotiert und wird zusammen mit dem Georg-Büchner-Preis am 5. November 2016 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury:
»Jan Assmann hat mit einer an Sigmund Freud erinnernden Kraft des Analysierens und Erzählens, mit weitgespannter Gelehrsamkeit und begrifflichem Scharfsinn die Religionsgeschichte unserer Kultur befragt. Seine Verbindung von Archäologie und Gedächtnisgeschichte und der damit geschaffene neue Begriff von Tradition haben weite Bereiche der kulturwissenschaftlichen Forschung auf neue Grundlagen gestellt. Seine Arbeiten haben damit die geistigen Überlieferungen Europas neu lesbar gemacht, von der altägyptischen Literatur über die jüdisch-christlichen Testamente bis zur Musik Händels und Mozarts und dem Romanwerk Thomas Manns. Die Fülle von Jan Assmanns Forschungsgegenständen sucht ebenso ihresgleichen wie die Konsequenz seines Zugriffs und seine Fähigkeit zur Selbstrevision. Er wurde damit zu einem der bedeutendsten, dabei auch zu einem der am besten schreibenden Kulturtheoretiker unserer Zeit.«

Jan Assmann wurde am 7. Juli 1938 in Langelsheim (Harz) geboren. Von 1976 bis zu seiner Emeritierung 2003 hatte er den Heidelberger Lehrstuhl für Ägyptologie inne. Seit 2005 ist er Honorarprofessor für Kulturwissenschaft und Religionstheorie in Konstanz, wo er heute auch lebt. Zusammen mit der Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann gründete er 1978 das Arbeitsgebiet Gedächtnisgeschichte. Sie prägten den Begriff des »Kulturellen Gedächtnisses«, der zu einem Leitbegriff der Kulturwissenschaften wurde. Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählen: »Exodus. Die Revolution der Alten Welt« (2015), »Die Zauberflöte« (2015) und »Die Gott-Mythologien der Josephsromane« (2013). Jan Assmann wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Max-Planck-Forschungspreis (1996), Prix européen de l’essai Charles Veillon (2007), Thomas-Mann-Preis (2011).

Der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa wird seit 1964 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen. Der Preis wird von der Entega Stiftung gefördert.

Zu den Trägern des Freud-Preises zählen u.a.: Hannah Arendt (1967), Werner Heisenberg (1970), Hans Blumenberg (1980), Reinhart Koselleck (1999), Karl Schlögel (2004), Angelika Neuwirth (2013), Jürgen Osterhammel (2014), Peter Eisenberg (2015).
Siehe auch: www.deutscheakademie.de/de/auszeichnungen/sigmund-freud-preis