Presse­mitteilungen

2016
2015
2014
2013
2012

Appell an die Bundesregierung

31. Januar 2014

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,
sehr geehrter Herr Außenminister Steinmeier,
sehr geehrte Frau Staatsministerin Grütters,

die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung unterhält seit mehreren Jahren intensive Beziehungen zu Schriftstellerinnen und Schriftstellern in der Ukraine. Nach Begegnungen in Czernowitz und Lviv 2008, an denen Juri Andruchowytsch und andere ukrainische Freunde maßgeblich beteiligt waren, hat die Akademie die besorgniserregende politische und kulturelle Entwicklung in der Ukraine bereits 2012 zum Thema einer weithin beachteten öffentlichen Tagung gemacht. Schon damals haben Autorinnen wie Oksana Sabuschko uns eindringlich vor Augen geführt, welche bedrohlichen Dimensionen die Konflikte annehmen könnten. So hat die Akademie denn auch in diesem Jahr Juri Andruchowytsch zu einer Veranstaltung nach Deutschland eingeladen, gemeinsam mit unseren Kollegen in der Berliner Akademie der Künste.
Angesichts dieser engen Verbundenheit ist die Akademie zutiefst beunruhigt und entsetzt über die gewaltsamen Repressionen, denen sich unsere Kollegen und Freunde in der Ukraine in diesen Tagen ausgesetzt sehen. Wir appellieren darum mit größtem Nachdruck an die Bundesregierung, alles in ihren Kräften Stehende zu unternehmen, um den Schutz der ukrainischen Schriftsteller und Intellektuellen vor physischer Unterdrückung und Behinderung ihrer Äußerungsfreiheit zu gewährleisten und damit zum überfälligen demokratischen Dialog und zum Wandel einer politischen, sozialen und kulturellen Situation beizutragen, die längst unerträglich geworden ist.
Die Akademie schließt sich der Solidaritätsbekundung an, die von österreichischen Autoren um Elfriede Jelinek und Robert Menasse initiiert worden ist. Es geht uns um die Unversehrtheit und Meinungsfreiheit unserer Freunde, und es geht uns damit auch um die Glaubwürdigkeit der europäischen und der deutschen Politik.
Ich bitte Sie herzlich um Verständnis dafür, dass wir dieses Schreiben auch der Presse zugänglich machen.

Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Heinrich Detering