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Felicitas Hoppe erhält den Georg-Büchner-Preis 2012

15. Mai 2012

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2012 der Schriftstellerin Felicitas Hoppe. Der Preis wird am 27. Oktober 2012 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury
Mit dem Band „Picknick der Friseure“ (1996) brach die Schriftstellerin Felicitas Hoppe in ihr vielstimmiges Werk auf. Seither hat sie in Romanen, Erzählungen und Essays die Welt der Abenteurer und der Hochstapler, der Entdecker und der Taugenichtse erkundet. In einer lakonischen und lyrischen, eigensinnigen und uneitlen Prosa hat sie ein erzählerisches Universum erfunden, in dem Grundfragen eines ‚postmodernen’ Daseins mit freier und befreiender Phantasie durchgespielt werden.
Das Reisebuch „Pigafetta“ (1999), der pikareske Roman „Paradiese, Übersee“ (2003), die Porträtgalerie „Verbrecher und Versager“ (2004), die moderne Legende von der heiligen „Johanna“ (2006), die Neuerzählung des Ritterromans von „Iwein Löwenritter“ (2008) und jüngst die fiktive Biographie „Hoppe“ (2012) unterlaufen virtuos die Grenzen von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel. Felicitas Hoppe fragt nach Möglichkeiten der Ich-Werdung, nach den Wundern und Verstrickungen der Sehnsucht, und lässt unaufdringlich metaphysische Horizonte aufscheinen. In einer Zeit, in der das Reden in eigener Sache die Literatur immer mehr dominiert, umkreist Felicitas Hoppes sensible und bei allem Sinn für Komik melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität: „Denn auf welchen Namen wir wirklich getauft sind, wer kann das schon wissen.“

Kurzbiographie
Felicitas Hoppe wurde am 22. Dezember 1960 in Hameln an der Weser geboren. Ab 1980 studierte sie Literaturwissenschaften, Rhetorik, Religionswissenschaften, Italienisch und Russisch an Universitäten in Hildesheim, Tübingen, Eugene/Oregon (USA), sowie in Berlin und Rom. Seit 1996 lebt sie in Berlin als freie Schriftstellerin. Zuvor hatte sie als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache u.a. für das Goethe-Institut gearbeitet; auch schrieb sie für verschiedene Feuilletons. 1996 erschien ihr Debüt, der Kurzgeschichtenband „Picknick der Friseure“; 1999, nach einer Weltreise auf einem Frachtschiff, folgte der Roman „Pigafetta“. Bis heute hat sie fünf Romane, Essays und mehrere Erzählbände vorgelegt, außerdem einige Veröffentlichungen zusammen mit Künstlern der Berliner Handpresse. Zuletzt erschien Anfang 2012 die Autobiographiefiktion „Hoppe“. Ihre Bücher sind u.a. ins Niederländische, Französische, Russische und Schwedische übersetzt worden. Für ihr Werk wurde sie vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem aspekte-Literaturpreis (1996), dem Heimito von Doderer-Literaturpreis (2004), dem Rattenfänger-Literaturpreis ihrer Heimatstadt (2010) sowie durch zahlreiche Förderungen: 1993 Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, 1994 Alfred-Döblin-Stipendium, 2001/2003 und 2011 Stipendium des Deutschen Literaturfonds e.V., 2012 Stipendium der Villa Aurora in Los Angeles u.v.m. Zudem war sie Writer in Residence in Innsbruck (2007), New York (2007) und Washington D.C (2008 und 2010) und hatte bereits mehrere Gastprofessuren inne, etwa am Dartmouth College in New Hampshire (2006), an der Georg-August-Universität Göttingen sowie derzeit an der Universität Hamburg.
Seit 2007 ist Felicitas Hoppe Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Veröffentlichungen

• Picknick der Friseure. Geschichten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1996
• Das Richtfest. Zus. mit Ingrid Jörg, Berlin: Berliner Handpresse, 1997
• Drei Kapitäne. Zus. mit Ingrid Jörg, Berlin: Berliner Handpresse, 1998
• Pigafetta. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999
• Vom Bäcker und seiner Frau, Berlin: Berliner Handpresse, 1999
• Die Torte. Zus. mit Ingrid Jörg, Berlin: Berliner Handpresse, 2000
• Fakire und Flötisten. Zus. mit Wolfgang Jörg, Berlin: Berliner Handpresse, 2001
• Paradiese, Übersee. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003
• Die Reise nach Java. Zus. mit Ingrid Jörg, Berlin: Berliner Handpresse, 2003
• Verbrecher und Versager. Fünf Porträts. Hamburg: Marebuchverlag, 2004
• Johanna. Roman. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2006
• Ingrids Affen. Zus. mit Ingrid Jörg, Berlin: Berliner Handpresse 2006
• Iwein Löwenritter. Nach einem Roman von Hartmut von Aue. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2008
• Die weiße Frau. Zus. mit Ingrid Jörg, Berlin: Berliner Handpresse 2008
• Sieben Schätze. Augsburger Vorlesungen. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2009
• Der beste Platz der Welt. Erzählung. Zürich: Dörlemann, 2009
• Abenteuer – Was ist das? Göttingen: Wallstein-Verlag, 2010
• Der begnadigte Truthahn. Zus. mit Ingrid Jörg, Berlin: Berliner Handpresse 2010
• Hoppe: Roman. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2012

Auszeichnungen

1990 Stiftung Künstlerdorf Schöppingen
1991 Arbeitsstipendium des Berliner Senats
1993 Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf
1994 Alfred-Döblin-Stipendium
1995 Foglio Preis für Junge Literatur
1996 aspekte-Literaturpreis
1996 Ernst-Willner-Preis (Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb)
1996 Esslinger Bahnwärter
1997 Hermann-Lenz-Stipendium
1997 Rauriser Literaturpreis
1998/99 Niedersächsischer Förderpreis für Literatur
1998/99 Stipendium der Stiftung Laurenz Haus in Basel
2002 Heinrich-Heine-Stipendium Lüneburg
2002/03 Stipendium des Deutschen Literaturfonds e.V.
2004 Heimito von Doderer-Literaturpreis
2004 Spycher: Literaturpreis Leuk
2004 Kunstraum Syltquelle auf Sylt
2004 Nicolas-Born-Preis des Landes Niedersachsen
2005 Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau
2007 Literaturpreis der Stadt Bremen
2007 Roswitha-Preis
2007 Writer in Residence Deutsches Haus New York
2007 Writer in Residence an der Universität Innsbruck
2008 Writer in Residence Georgetown University Washington D.C.
2010 Rattenfänger-Literaturpreis der Stadt Hameln
2010 Comburg-Literaturstipendium Schwäbisch Hall
2010 Writer in Residence Georgetown University Washington D.C.
2011 Stipendium des Deutschen Literaturfonds e.V.
2012 Stipendium in der Villa Aurora – Los Angeles

Gastprofessuren

2005 Poetikdozentur an der Fachhochschule Wiesbaden
2006 Max Kade Distinguished Visiting Professor/Dartmouth College, Hanover, New Hampshire
2008 Bertolt-Brecht-Gastprofessur an der Universität Augsburg
2009 Poetikdozentur an der Georg-August-Universität Göttingen
2012 Gastprofessur für interkulturelle Poetik an der Universität Hamburg


Der Georg-Büchner-Preis

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht seit 1951 den Georg-Büchner-Preis an herausragende Schriftsteller.

Bisherige Preisträger

1951 Gottfried Benn | 1952 nicht verliehen | 1953 Ernst Kreuder | 1954 Martin Kessel | 1955 Marie Luise Kaschnitz | 1956 Karl Krolow | 1957 Erich Kästner | 1958 Max Frisch | 1959 Günter Eich | 1960 Paul Celan | 1961 Hans Erich Nossack | 1962 Wolfgang Koeppen | 1963 Hans Magnus Enzensberger | 1964 Ingeborg Bachmann | 1965 Günter Grass | 1966 Wolfgang Hildesheimer | 1967 Heinrich Böll | 1968 Golo Mann | 1969 Helmut Heißenbüttel | 1970 Thomas Bernhard | 1971 Uwe Johnson | 1972 Elias Canetti | 1973 Peter Handke | 1974 Hermann Kesten | 1975 Manès Sperber | 1976 Heinz Piontek | 1977 Reiner Kunze | 1978 Hermann Lenz | 1979 Ernst Meister | 1980 Christa Wolf | 1981 Martin Walser | 1982 Peter Weiss | 1983 Wolfdietrich Schnurre | 1984 Ernst Jandl | 1985 Heiner Müller | 1986 Friedrich Dürrenmatt | 1987 Erich Fried | 1988 Albert Drach | 1989 Botho Strauß | 1990 Tankred Dorst | 1991 Wolf Biermann | 1992 George Tabori | 1993 Peter Rühmkorf | 1994 Adolf Muschg | 1995 Durs Grünbein | 1996 Sarah Kirsch | 1997 H.C. Artmann | 1998 Elfriede Jelinek | 1999 Arnold Stadler | 2000 Volker Braun | 2001 Friederike Mayröcker | 2002 Wolfgang Hilbig | 2003 Alexander Kluge | 2004 Wilhelm Genazino | 2005 Brigitte Kronauer | 2006 Oskar Pastior | 2007 Martin Mosebach | 2008 Josef Winkler | 2009 Walter Kappacher | 2010 Reinhard Jirgl | 2011 F.C. Delius