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Fokus Lyrik

8. Februar 2019

Pressemitteilung der Stadt Frankfurt a.M. und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung

Fokus Lyrik
Festivalkongress zur Gegenwartslyrik
vom 7. bis 10. März 2019 in Frankfurt am Main

Die Lyrik gehört zu den gegenwärtigsten Kunstformen unserer Zeit. Sie ist klug und divers wie lange nicht mehr. Das zeigt sich über alle Generationen hinweg. Dennoch scheint dies abseits einer größeren Öffentlichkeit vorzugehen. Entsprechend prekär ist die ökonomische Situation vieler Dichterinnen und Dichter sowie der Lyrikverlage. Der Festivalkongress Fokus Lyrik (7.–10. März 2019) in Frankfurt am Main zieht nach zehn Jahren Lyrikboom Bilanz und bietet Akteuren erstmals ein Forum zum Austausch und zur Vernetzung. 126 Mitwirkende sowie zahlreiche Gäste aus dem gesamten deutschsprachigen Raum nehmen teil. In 18 Podien werden Fragen der Produktion, Förderung und Rezeption von Lyrik diskutiert. In den Gesprächen mit Lyrikerinnen und Lyrikern und Repräsentanten aus Verlagen, Universitäten, Medien und Fördereinrichtungen sollen Ideen und Konzepte für die Zukunft entwickelt werden. Ein künstlerisches Rahmenprogramm bietet zudem hochkarätige Lesungen und Performances. Das Programm wird von zwei wichtigen Vertretern der deutschsprachigen Lyrik, Monika Rinck und Tristan Marquardt, kuratiert. Veranstalter sind das Kulturamt der Stadt Frankfurt und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Fokus Lyrik wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Umfassende Lagebesprechung der Dichtung

„In der Lyrik verdichtet sich die Sprache auf einzigartige Weise, die oft an Musik grenzt. Diese Verschmelzung zu erfahren, ermöglicht das Glück der Poesie auf kleinem Raum, was gerade in so schnell getakteten Zeiten wie diesen von Bedeutung ist. Dass nun von Frankfurt aus, der Stadt der Bankentower und des harten Businesstalks, Impulse für ein neues Verständnis über die Stellung und den Wert der Poesie in der Gesellschaft ausgehen, ist ein starkes Signal“, so die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, Dr. Ina Hartwig.

Friederike Tappe-Hornbostel, Leiterin Kommunikation der Kulturstiftung des Bundes, ergänzt: „Eine solche umfassende Lagebesprechung der Lyrik sucht ihresgleichen. Die zeitgenössische Lyrik gehört zum Bemerkenswertesten, zum Aufregendsten und Avanciertesten, was die Künste im deutschsprachigen Raum zu bieten haben. Der Festivalkongress, den die Kulturstiftung des Bundes maßgeblich fördert, bietet der Lyrikszene Gelegenheit, deutlich wahrnehmbar ihren berechtigten Anspruch zu artikulieren, dass die Lyrik nicht länger als arme oder introvertierte Verwandte der Belletristik behandelt werden darf. Es geht um eine ihrer künstlerischen Bedeutung angemessene Würdigung der Kunstform Lyrik und ihrer Akteure in Kultur, Bildung und Politik.“

Die Festivalleiterin Dr. Sonja Vandenrath unterstreicht: „Die Wahrnehmung der Gegenwartslyrik changiert zwischen Euphorie und Krise. Der Glücksfall der deutschsprachigen Literatur und die Niederungen der finanziellen Ebene: das sind die beiden Narrative, die den Lyrikdiskurs bestimmen. Der Festivalkongress Fokus Lyrik fragt danach, wie diese Kluft geschlossen werden könnte. In Panels und auf Podien werden tagsüber zentrale Aspekte des Lyrikbetriebs auch im europäischen Kontext diskutiert. Täglich erwartet das Publikum zudem ein hochkarätiges Rahmenprogramm, das Räume vom MMK bis zum Mousonturm bespielt. Ein solches Feuerwerk an Ideen und Veranstaltungen rund um das Gedicht hat es in Frankfurt noch nicht gegeben.“
„Den lebendigen, kreativen Szenen aktueller Dichtkunst gelingt es nur selten, ihrem Nischendasein und den damit verbundenen prekären Existenzbedingungen zu entkommen. Das muss sich ändern und der von Fokus Lyrik eröffnete Austausch kann hierzu beitragen“, so Dr. Bernd Busch, Generalsekretär der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Öffentliches Tagungs- und Rahmenprogramm

Das Tagesprogramm hat Tristan Marquardt konzipiert, es bietet am Freitag, den 8. März, und Samstag, den 9. März, öffentliche Podien zur Lage und zu Perspektiven des Lyrikbetriebs. Zahlreiche Expertinnen und Experten diskutieren zum einen die Fragen und Visionen, aber auch die ökonomische Situation der verschiedenen Bereiche, die die Lyrik prägen: von den Verlagen und Zeitschriften über den Buchhandel und die Veranstaltungsorte bis hin zu Schulen und Universitäten. Zum anderen geht es um die Gegenwärtigkeit der Lyrik: „Was verstehen wir heute überhaupt unter Lyrik? Wie verändert sie sich im Wandel von Gesellschaft und Umwelt? Und wie verhält sich die poetische Sprache zur vielerorts grassierenden sprachlichen Gewalt? Das sind einige der wichtigen und drängenden Fragen, denen wir nachgehen wollen", so Tristan Marquardt.

Monika Rinck verantwortet das Abend- und Matineeprogramm. „Bedeutung entsteht nicht im luftleeren Raum, sie steht in einem gesellschaftlichen Kontext. Das Gedicht ist da ein Labor, in dem sich der Vorgang der Signifikation beobachten lässt. Manche davon sind sehr schön und machen von sich hören. Der Vortrag eines poetischen Textes steht in einem wechselseitigen Verhältnis zu dem Raum, in dem er stattfindet. Doch die Räume sind das Problem, sie werden unbezahlbar, unpassierbar oder aufgegeben", so die Kuratorin.

Der Auftakt des Festivalkongresses – „Die ideale Eröffnung“ – findet statt am Donnerstag, den 7. März, mit Stephen J. Fowler, Barbara Köhler, Christiane Voss, Magnus William-Olsson und Angelika Niescier (20 Uhr, Evangelische Akademie). Am Freitag, den 8. März, befasst sich eine eigens für Fokus Lyrik zusammengestellte Jury mit den Bedingungen der Entscheidungsfindung, den Kriterien, Dynamiken und Schwierigkeiten einer Preisvergabe (10–18 Uhr, Haus am Dom). Am Abend finden bei „Funkverbindung Lyrik“ Lesungen von Nico Bleutge, Brigitta Falkner, Simone Kornappel und Charlotte Warsen im MUSEUMMMK FÜR MODERNE KUNST statt; mit Kopfhörern ausgestattet können die Besucherinnen und Besucher die Live-Lesung mit in die aktuelle Ausstellung „Cady Noland“ nehmen (20 Uhr). Ebenfalls am 8. März richtet der Frankfurter gutleut verlag und das Kollektiv Salon Fluchtentier unter dem Titel „Nachtblende Lyrik“ einen Frankfurter Abend aus (21 Uhr, frankfurtersalon). Am Samstag, den 9. März, halten renommierte Literaturwissenschaftler eine ganztägige Ringvorlesung durch die Geschichte der deutschsprachigen Lyrik (10 bis 18 Uhr, MUSEUMMMK), am Abend stellen bei „TELEPORTATION. Bewegung im Raum“ die Lyriker und Herausgeber Federico Italiano und Jan Wagner ihre Anthologie GRAND TOUR mit junger europäischer Poesie vor (20 Uhr, jugend-kultur-kirche sankt peter). Ebenso findet dort die Präsentation des deutsch-griechischen Projekts zu Dichtung und Politik „Constellation of Debt“ sowie eine Uraufführung fotografischer Weltansichten der Reisenden Ingeborg Loh statt. Der Festivalkongress endet am Sonntag, 10. März mit einer Matinee: „Eine Frage der Zeit – Lyrik zwischen Dystopie und Utopie“ im Künstlerhaus Mousonturm (11 Uhr).

Tickets und Programmübersicht

Neben einem Festivalpass für alle Tage (30 €/ erm. 25 €) sind auch Tagestickets für die Festivaltage buchbar und im Vorverkauf bei Frankfurt Ticket erhältlich (www.frankfurtticket.de). Das Programm ist online auf www.fokuslyrik.de zu finden und in Frankfurter Buchhandlungen sowie den teilnehmenden Institutionen erhältlich.

Fokus Lyrik kommuniziert den Festivalkongress in den sozialen Medien unter #fokuslyrik.

Pressetermin

Sonntag, 10. März, 13 Uhr, Hessisches Literaturforum im Mousonturm: Vorstellung der Ergebnisse der nicht-öffentlichen Roundtables zur Lage und Zukunft der Lyrik.
Pressevertreter können sich mit Interviewanfragen und Akkreditierungen im Vorfeld per E-Mail an aino.kelle@stadt-frankfurt.de und während des Festivalkongresses an den Pressestand im
Festivalzentrum wenden (Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt).

Weitere Informationen:

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Aino Kelle, Kulturkommunikation und -veranstaltungen, Kulturamt Frankfurt am Main,
Tel. 069 212 35435, E-Mail aino.kelle@stadt-frankfurt.de