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Hans Heinz Stuckenschmidt

Hans Heinz Stuckenschmidt

Musicologist and Music critic
Born 1/11/1901
Deceased 15/8/1988
Member since 1977
Johann-Heinrich-Merck-Preis

Self introduction

Herr Präsident, meine Damen und Herren,

für die Ehre, in Ihren Kreis aufgenommen worden zu sein, danke ich Ihnen aufrichtig. Gestatten Sie mir, diese Danksagung mit einem kurzen Selbstbildnis zu verbinden. Ich bin am 1. November 1901 in Straßburg geboren und evangelisch getauft worden. Mein Vater war preußischer Artillerieoffizier. Meine Mutter, Clara, geborene Cerf, war eine Enkelin des Kommissionsrates Friedrich Cerf, der 1822 in Berlin das Königstädtische Theater gründete und leitete. Sie studierte Klavier bei Karl Klindworth und brachte es als Chopinspielerin zur Konzertreife. Mein Vater wurde 1907 an das Kriegsministerium nach Berlin versetzt, wo ich meine ersten Schuljahre am Werner Siemens-Realgymnasium verbrachte. Später besuchte ich Schulen in Ulm und Magdeburg. Musik beschäftigte mich von Kindheit an. Ich lernte geigen und autodidaktisch Klavier spielen und komponieren.

Mit zwanzig Jahren verließ ich das Haus meiner nach Bremen übersiedelten Eltern und schlug mich als Komponist in Hamburg durch. Damals erschienen meine ersten Aufsätze über Musik in Hermann Scherchens Melos und anderen Zeitschriften. Meine Bühnenmusiken zu Gerstenbergs Ugolino und Grillparzers Der Traum, ein Leben wurden in Hamburg und Bremen gespielt. Mit einem Hamburger Stipendium ging ich 1924 nach Wien, um bei Arnold Schönberg zu studieren. Er nahm aus privaten Gründen keine Schüler an. So arbeitete ich bei Josef Rufer Zwölftontechnik. 1925 lebte ich als Gast des amerikanischen Komponisten George Antheil von März bis November in Paris. Dann übersiedelte ich nach Berlin und schrieb als free lancer für die Vossische Zeitung und andere Blätter. 1927 heiratete ich die Altistin Thea Silbermann-Silten. 1928 engagierte mich die Prager Bohemia als Musikkritiker. Ich hörte nun auf zu komponieren und verhinderte Aufführungen meiner Musik. Als Nachfolger Adolf Weißmanns wurde ich im Herbst 1929 Musikkritiker der B. Z. am Mittag. Nach Scheidung von meiner ersten Frau heiratete ich 1932 die Sopranistin Margot Hinnenberg-Lefebre. Wegen meines Eintretens für atonale und – ich zitiere – »jüdischerseits stark beeinflußte Musik« wurde ich im Dezember 1934 von der Berufsliste der Schriftleiter gestrichen. 1937 engagierte mich das Prager Tagblatt, für dessen Nachfolgezeitung Der Neue Tag ich trotz Goebbelsschem Verbot schreiben konnte, solange Neurath Reichsprotektor in Böhmen und Mähren war. Dem Zugriff der Nazis entzog ich mich nach Neuraths Sturz 1941 durch Meldung zum Wehrdienst und wurde Dolmetscher eines Divisionsstabes in Frankreich und Italien.

1946 nach Berlin zurückgekehrt, übernahm ich das Ressort Neue Musik am Rias, wurde 1947 Musikkritiker der Neuen Zeitung und gab mit Josef Rufer die Monatsschrift Stimmen heraus. 1949 verpflichtete mich die Technische Universität Berlin zum Aufbau eines musikgeschichtlichen Lehrstuhls, den ich bis zu meiner Emeritierung 1966 geleitet habe. 1957 wurde ich Musikkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, für die ich Aufführungen in Europa und vielen außereuropäischen Ländern besprach und noch bespreche.

Mit einem kleinen, später erweiterten Schönbergbuch für den Zürcher Atlantis Verlag begann 1951 meine Tätigkeit als Buchautor. Auf Wunsch Peter Suhrkamps ließ ich eine größere Arbeit Neue Musik zwischen den beiden Kriegen folgen. Mit Biographien Maurice Ravels, Ferruccio Busonis, Boris Blachers und Johann Nepomuk Davids sowie Sammlungen von Aufsätzen und Opernkritiken wuchs meine Produktion auf den heutigen Stand von zwölf Bänden. Viele der Arbeiten wurden in die Weltsprachen übersetzt. Meine letzten Veröffentlichungen waren das große Schönbergbuch zum 100. Geburtstag für den Atlantis Verlag, das nichts mit dem kleinen von 1951 zu tun hat, und die Sammlung Die Musik eines halben Jahrhunderts bei Piper in München, für den ich gerade meine Autobiographie schreibe.