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Heinz Ludwig Arnold

Heinz Ludwig Arnold

Publicist
Born 29/3/1940
Deceased 1/1/2011
Member since 1999

Self introduction

 

Ich bedanke mich herzlich für meine Aufnahme in Ihre Akademie, die nun auch die meine sein soll, und nachdem Sie mich aufgenommen haben, wollen Sie natürlich auch gern wissen, wen Sie denn da aufgenommen haben.

Ich bin geboren am 29. März 1940 in Essen. Mein Vater war Jurist und Beamter, und auch ich sollte Jurist und Beamter werden. Das wurde verhindert von einer Begegnung mit einem Schriftsteller, von dem ich früh gelernt habe: Ernst Jünger. Gelernt habe ich in den wenigen Jahren meiner jugendlichen Sekretärszeit, die ich in den Ferien in Wilflingen verbrachte, zum Beispiel, daß Schriftsteller, und seien sie noch so berühmt, auch nur Menschen sind, die mit Tinte schreiben. Gelernt habe ich auch, mich eindringlich mit einem großen und umstrittenen literarischen Werk auseinanderzusetzen, und das im wörtlichen Sinne: mich, indem ich mich daran abarbeitete, davon auch abzustoßen: literarisch, moralisch, historisch und, ja, auch politisch. Unter dem Eindruck solcher Anschauung konnte ich studieren, was »Größe« bedeutet, und auch erkennen, was sich hinter der Außenansicht von »Größe«, von Ruhm also, wirklich befindet.
Und schließlich habe ich dort in effigie gelernt, was Unabhängigkeit ist: Freiheit und Risiko einer Existenz.

Damals wollte ich vor allem Schriftsteller werden.
Und so habe ich einige Zeit an einem Roman gearbeitet, den ich »Hoffmanns Zwiebel« nannte. Seine Struktur dachte ich mir so: Ein männliches Erzähler-ICH, das sich für leer und eigenschaftslos hält, setzt sich mit allem auseinander, was es umhüllt wie die sieben Häute einer Zwiebel: die das Ich umstellende vielschichtige Welt. Dieser Erzähler beschreibt:
im DU das Gegenüber der innigsten Beziehung,
im ER die allgemeineren Beziehungen zum eigenen und
im Singular-SIE die allgemeineren Beziehungen zum anderen Geschlecht;
das WIR als Ausdruck seiner engeren Gemeinschaft,
das IHR als sein gesellschaftliches Gegenüber,
das Plural-SIE als die umgebende Welt und Natur –
und inmitten all dieser Häute und Lebensschichten als siebte die Reflexe
jenes Erzähler-ICH, das sich für leer hielt und eigenschaftslos.

Ich denke, daß viele, die Schriftsteller werden wollen, so allgemein und zugleich unmittelbar mit sich selbst anfangen. Aber nur wer aus der allgemeinen Geschichte, die mehr oder weniger die meisten haben, die besonderen Geschichten zu destillieren vermag, die aufs Allgemeine wiederum verweisen, hat wirklich das Zeug zum Schriftsteller. Bei mir wurde aus der allgemeinen Geschichte keine besondere. Ich wurde kein Schriftsteller. Aber ich habe meine Heimat inmitten von Büchern und ihren Autoren gesucht und häufig gefunden. Und als Kritiker suche ich hinter dem öffentlichen Bild von Autoren gern das wirkliche.

Am meisten gelernt habe ich in meinem Leben von Friedrich Dürrenmatt: in Gesprächen, denen es ums Fragen ging, nicht ums Besserwissen. Mit Humor, der über sich selbst zu Lachen vermag. Entdeckt habe ich hinter dem Ruhm wirkliche Größe. Und erfahren, daß Freundschaft keine Einbahnstraße ist. Ja, gelernt habe ich bei ihm auch den Genuß von Bordeaux,

Ich danke Ihnen dafür, daß Sie mich in Ihren Kreis aufgenommen haben.