1Anja Utler
Zur Verwendung von „rational“ und „emotional“, und was sie bedeuten könnte
Gefühle sind Schurken, am besten man verjagt sie umstandslos von Hirn und Hof. Dies scheint mir im Moment Konsens in unseren politischen und gesellschaftlichen Diskussionen. Dabei verorten diejenigen, die so sprechen, die Gefühle in der Regel bei anderen, während sie sich selbst wundersam emotionsfrei und damit gleichsam automatisch rational wähnen. Diese Position ist bequem. Die „anderen“ sind in dieser Argumentation meist die Anhängerinnen und Anhänger rechter bis rechtsextremer Parteien, deren Überzeugungen so zugleich verharmlost werden. Wenn der Wunsch nach einer Politik, die irgendwie unpassende Menschen deportiert, Schulpflicht wie öffentlichen Rundfunk abschafft und eine Kultur anstrebt, die die Hymne auf den deutschen Wald singt, während wir den real existierenden deutschen Wald weiter unverdrossen wegverbrennern, wenn der Wunsch nach einer solchen Politik also als lediglich emotionaler Reflex gelten darf, dann müssen diese Positionen und die mit ihnen verbundenen Gefahren auch nicht so richtig ernst genommen werden. In meinem Essay „Es beginnt, immer in Begleitung. Ein Plädoyer, auch die haarigen Gefühle zu denken“ (aus: „Es beginnt. Trauerrefrain“, Edition Korrespondenzen, Wien 2023) habe ich versucht, ausgehend von den häufigsten Nachbarwörtern von „emotional“ und „rational“ das Bild in den Blick zu bekommen, das wir uns in dieser Sprachgemeinschaft von Emotionalität und Rationalität machen. Damit werden auch die Vorstellungen sichtbar, nach denen wir uns als denkende und handelnde Individuen entwerfen. Da diese Vorstellungen auf mich, milde gesagt, verbesserungswürdig wirken, macht mein Essay auch einen Vorschlag zu ihrer Modifikation. Der folgende Text ist ein leicht angepasster Ausschnitt aus diesem Essay. Dem hier zitierten Abschnitt geht in meinem Buch die Beobachtung voraus, dass sich literarische Texte immer wieder mit der Erwartung konfrontiert sehen, sie könnten Gewalt und Aggression zum Verschwinden bringen, sobald sie die Sprache nur richtig anpacken. Dass sie sich also der – einigermaßen irrationalen – Erwartung gegenüber finden, wie Zaubersprüche zu wirken. Darin vermute ich eine Parallele zu unserer Einstellung zu den Gefühlen:
[…] Und weg! Diese Bewegungserwartung bestimmt auch unseren Umgang mit Emotionen, insbesondere mit den schwierigen. Nur sind die Vorzeichen verdreht: Während die Literatur durch ihre bloße sprachliche Existenz das Gewaltsame aus der Welt schaffen möge, sollen die Emotionen gerade durch ihren Ausschluss aus der Sprache verschwinden. In beiden Fällen überschätzen wir uns: Unsere Sprache auszusprechen, und sei sie noch so bezaubernd arrangiert, wird nichts unmittelbar Materielles für uns hervorbringen. Unsere Emotionalität und Verwundbarkeit in ihr nicht anzusprechen, wird uns nicht vor uns selbst beschützen. Womöglich aber ist das zu ‚ohnmachtsselig‘ gedacht. Denn mit gleichem Recht ließe sich sagen: Da unterschätzen wir uns doch. Wenn wir glauben, es brauche schon Magie, um die von uns selbst ausgeübte Gewalt zu stoppen. Und wenn wir meinen, unsere Emotionen seien etwas so Schädliches und wir ihrer Macht so hilflos ausgeliefert, dass das Ziel nur sein kann, sie aus unserem Sprechen, unserem gemeinsamen Raum, letztlich aus uns selbst hinauszudrängen. Als sei Kooperation keine Tätigkeit, sondern eine Utopie. So sehr, dass wir sie nicht mal mit uns selbst hinkriegen können.
Ganz in diese Richtung weisen die Einträge für ‚emotional‘ und ‚rational‘ im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS). Unter der Rubrik „Wortprofil“ listet das DWDS jene Wörter, mit denen ein Eintrag besonders oft gemeinsam anzutreffen ist. Das – digital abgescannte – gedankliche Umfeld, gewissermaßen das Milieu eines Worts erhält so seinen Auftritt. In diesem Wortprofil wirkt ‚emotional‘ auf den ersten Blick etwas sprunghaft und konfus. Es erscheint als Begleiter von ‚Bindung‘ ebenso wie von ‚Moment‘, ‚Intelligenz‘, ‚Wochenende‘, ‚Ausbruch‘, ‚Rede‘. Vor der Folie des Wortprofils von ‚rational‘ aber gewinnt es rasch an Kontur. Denn die Orientierung von ‚rational‘ ist klarer. Eindeutig wird es dem Bereich des Denkens, Planens und Handelns zugeordnet. Als Adjektiv charakterisiert es vor allem einen bedeutungsmäßig schmalen Streifen von Substantiven: ‚Argument, Diskurs, Kalkül, Denken, Überlegung, Kern, Argumentation, Begründung, Erwägung, Handeln, Erklärung‘, in dieser Reihenfolge. Gleichzeitig wird sichtbar, dass ‚rational‘ etwas Normatives ist. ‚Rationales‘ Verhalten ist anzustreben, und oft wird es, so das Wortprofil, nur ‚vermeintlich‘, ‚scheinbar‘ oder ‚halbwegs‘ erreicht. Oder das Ziel ‚rational‘ wird glattweg verfehlt, sodass ‚sondern emotional‘ zu seinen häufigsten Verbindungen zählt. Dabei beansprucht ‚rational‘ Universalität – ‚Mensch‘ gehört deshalb zu seinen gebräuchlichsten Nachbarn, und, in einer durchkapitalisierten Welt vielleicht nicht überraschend, auch der ‚Markt‘. Demgegenüber ist das ‚Emotionale‘ einerseits eingeschränkter – es erfasst, laut Wortprofil, weniger den ‚Menschen‘ als die ‚Frau‘. Andererseits muss es, weil Mitte und Maß der Rationalität zugeordnet sind, zu den Rändern ausweichen. ‚Emotional‘ kommt exzessiv daher, es ist ‚höchst‘, ‚sehr‘, ‚unglaublich‘, ‚äußerst‘, mit ihm wird die ‚Stimmung‘ ‚aufgeladen‘ und ‚aufgeheizt‘, wir befinden uns auf dem ‚Höhepunkt‘ oder in der ‚Tiefe‘, oder mit ‚Wucht‘ auf einer ‚Achterbahnfahrt‘. ‚Emotional‘ hat etwas Tektonisches, mit ihm wird es ‚bewegend‘ und ‚instabil‘, die Emotion ist eine ‚Reaktion‘. ‚Rational‘ hingegen betont die menschliche Handlungsfähigkeit. Allerdings bleibt diese abstrakt, da sie nicht an den Körper, sondern exklusiv an die gedankliche Sphäre gekoppelt wird: Gedanke, Wort und Handeln streben in unserem alltäglichen Sprechen aufeinander zu, um sich zu einer magisch-passiven Verantwortungsdiffusion kurzzuschließen – das ist es, was wir ‚rational‘ nennen.
Mir geht es dennoch wie der Mehrheit der Benutzerinnen des Deutschen, die wir gemeinsam diese digital auswertbaren Wortwolken erzeugen: Ich habe Sympathien für die geradezu utopische Klarheit des Rationalen. Nur bezweifle ich, dass diese Sympathien mehr sind als Erlösungssehnsucht und dass die simple Opposition zwischen schlanker Rationalität und ausschlagender Emotionalität eine durchdachte und zukunftsweisende Antwort auf die Wirklichkeit enthält. Die französische Philosophin Corine Pelluchon äußert in ihrem Buch „Das Zeitalter des Lebendigen“ Vorbehalte vor allem gegenüber der Körperlosigkeit gängiger Rationalitätskonzepte. Sie argumentiert, nicht ohne Schärfe, gegen den
Gegensatz von Geist und Materie und die Verachtung des Körpers. Erinnern wir uns daran, dass dieser Dualismus und das Vergessen der Körperlichkeit auch Schwachpunkte oder Mängel der früheren Aufklärung waren; sie erklären, dass die Moderne sich nicht vor der Barbarei zu schützen verstand und die Vernunft sich selbst zerstörte, zur Berechnung verkam und zugleich jeden Bezug zur Lebenswelt sowie die Fähigkeit verlor, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Die Dualismen Geist/Körper und Kultur/Natur bilden die Haupthindernisse für den Übergang zu einem ökologisch nachhaltigen, gerechteren und weniger gewaltsamen Entwicklungsmodell. Das Vergessen der Körperlichkeit und die Verachtung der Verletzlichkeit sowie die Ablehnung der Alterität, die damit einhergeht, sind Mängel unserer Zivilisation, das Übel, das es auszumerzen gilt, um zu verhindern, dass sie sich selbst zerstört. Denn die Verachtung der Körperlichkeit und Materialität unseres Daseins geht immer Hand in Hand mit der Ablehnung unserer gemeinsamen Verletzlichkeit und der Obsession, ihrer Herr zu werden.1
Die Besessenheit davon, der Verletzlichkeit ‚Herr werden zu wollen‘, erzeugt für Pelluchon eine Welt, in der „das Herrschaftsschema allen Lebensbereichen die Mittel und Zwecke des Krieges auf[zwingt]“.2 Unsere also. Um das zu ändern, schlägt Pelluchon ein anderes Verständnis des menschlichen Subjekts vor. Sie plädiert dafür, seine „individualistische Konzeption“ aufzugeben und stattdessen ein „durchweg relationales Subjekt, das durch seine Existenz immer Auswirkungen auf die anderen und auf die Umwelt hat, zur Grundlage des Rechts zu machen“.3 Wenn ich dieses ‚relational‘ nun wiederum im DWDS nachschlage, komme ich zu ‚Relation‘ und zu seinen Synonymen ‚Beziehung‘, ‚Bezug‘, ‚Verhältnis‘, ‚Verbindung‘. Letzteres bringt mich zurück zu den Listen, die das Wort ‚emotional‘ begleiten: Bei derjenigen, die alle Kombinationsmöglichkeiten zusammenfasst, steht an der allerersten Stelle ‚Bindung‘. Kein Lebewesen ist ungebunden, und (Ver-)Bindungen und Emotionen sind ohne einander nicht zu haben. Schon unentrinnbar in einen verwundbaren Körper gebunden zu sein, ist für die Betroffenen nicht gleichgültig, sondern emotional ‚aufgeladen‘. Denn diese Körperlichkeit bedeutet ja nicht nur, dass eine Person einwirkt auf ihre Umgebung. Sie bedeutet auch, dass diese Umgebung einwirkt auf ihren Körper, sie von gedeihlichen Beziehungen zu dieser Umgebung in der radikalsten denkbaren Weise abhängig ist. Dass sie also, in diesem ganz konkreten Sinn, nicht frei ist. Sie nicht, die Person oder Frau. Und er, der Mensch oder Mann, auch nicht. Und niemand darüber hinaus. Ein Fakt, der sich nicht wegimponieren lässt, nicht wegbomben, nicht wegquälen, nicht wegmorden. Und der sich mit keinem Gedankenzauber der Welt rückstandsfrei in einer ‚Rationalität‘ verstauen lassen wird. Denn die Emotionalität ist nicht nur eine unausweichliche Begleiterscheinung, ein Effekt unserer körperlichen Verwundbarkeit. Sie ist maßgeblich mit dafür verantwortlich, den Punkt des Zerbrechens, Kollabierens eines Körpers in die Zukunft zu verschieben. Funktionierende Emotionen und die Fähigkeit, sie zu lesen, sind Gelingensbedingung. Denn sie geben Auskunft über die Wirklichkeit, darüber, in welchen Beziehungen zur Welt eine Person gerade steht, wie gut oder schlecht die Bedingungen für sie sind. Sie gruppieren die Wirklichkeit in nah und ferner, in wichtig und weniger wichtig, sie setzen Handlungsimpulse, oder versuchen das zumindest. Es ist, als würde die Verletzlichkeit auf unserer Emotionalität reiten. Als lasse sie, erneut im ganz konkreten Sinn, dem zerstörbaren Körper Fühler wachsen. [...]
1 Corine Pelluchon, Das Zeitalter des Lebendigen. Eine neue Philosophie der Aufklärung. Übers. v. Ulrike Bischoff. wbg Academic, Darmstadt 2021, S. 229.
2 Pelluchon, Das Zeitalter des Lebendigen, S. 230.
3 Pelluchon, Das Zeitalter des Lebendigen, S. 117.
Zur Autorin:
https://www.deutscheakademie.de/de/akademie/mitglieder/anja-utler
Möchten Sie den Beitrag kommentieren? Schicken Sie uns Ihre Meinung, wir veröffentlichen sie nach redaktioneller Prüfung.
1 Kommentar zu "Zur Verwendung von „rational“ und „emotional“, und was sie bedeuten könnte":

1. Johannes Eckert / 01.10.2026
Sehr geehrte Anja Utler,
herzlichen Dank für ihre Gedanken Zur Verwendung von ‚rational‘ und ‚emotional‘, und was sie bedeuten könnte, die mich stark angesprochen haben. Dabei ist mir das Eine oder Andere in den Sinn gekommen, das die Überlegungen von Ihnen und Corine Pelluchon, das Selbstverständnis des Menschen hin zu einem mehr relationalem Subjekt zu verschieben, unterstützen könnte.
Da ich gerne auf den alt(hoch)deutschen Wegen in unserem Sprachgarten wandle, hatte ich den Einfall, den zentralen Begriffen „Rationalität“, „Emotion“ und „Körper“, die aus dem Lateinischen zu uns kamen, den „Leib“ sowie die „Vernunft“ und den „Verstand“ entgegenzustellen, da sie sprachlich alles andere als körperlos sind.
Das Duden-Herkunftswörterbuch bescheinigt dem „Leib“ (ahd. lib) die durchaus beziehungsfreudige Herkunft als eine alte Hauptwortbildung zu „leben“. Der „Leib“ erscheint so bereits viel munterer als der „Körper“ zu sein. Und kommt ihm das Leben abhanden, kennt die Sprache ihn als eine „Leiche“ (ahd. lih), unter anderem in den Bedeutungen „Fleisch, toter Körper“. Zwischen den Einträgen von „Leib“ und „Leiche“ verzeichnet der Duden auch das Wort „Leich“. Es fußt auf dem althochdeutschen Wort „leih“, was die Bedeutung ‚Spiel, Melodie, Gesang‘ mitbringt und seinerseits mit dem gotischen „lakian“ verwandt ist, was ein ‚hüpfen, springen‘ ausdrückt. In diese sprachliche Beziehung kann sich gut die „Emotion“ einklinken, die mit ihrer lateinischen Herkunft von einem ‚Herausbewegen‘ (ex-movere) erzählt. Zeigt sich der „Leib“ im wahrsten Sinne des Wortes „emotional“, dann ist er keine „Leiche“, sondern trägt Melodie, Spiel und Gesang im Sinne von Bewegung in sich. Gönnt man dem Althochdeutschen dann noch ein wenig Dichtung im Wort, so trennt „Spiel“, „Melodie“ und „Gesang“ von einem „toten Körper“ nur die hauchdünne Winzigkeit eines Selbstlauts - ein schmaler Grat.
Wenn man den Leib in dieser Hinsicht als einen Ort für Bewegung und Beziehung begreift, bieten sich dann auch Anknüpfungspunkte für die „Vernunft“ und den „Verstand“. So schreibt der Duden, dass „firnumft“ im Althochdeutschen eine Bildung „zu dem unter ↑nehmen behandelten Präfixverb vernehmen“ ist, und zwar in dessen veralteter Bedeutung von „erfassen, ergreifen“. Die Vernunft ist so sprachlich zumindest vom Worte her leiblich rege und in Bewegung, wenn sie zu Erkenntnissen kommt. Die „Ratio“ hingegen steht mehr im Zusammenhang mit „Berechnung“ und „Denken“, was bekanntlich vor allem im Kopf angesiedelt ist. Aus ihr speist sich laut Duden auch die „Ration“, unter anderem als „täglicher Verpflegungssatz (besonders der Soldaten)“. Dass der Leib auch in Beziehung zum Verstand steht, ist sprachlich offensichtlich, „verstehen“ (ahd. firstantan) wurzelt direkt im „stehen“ (ahd. stan). Die althochdeutsche Vorsilbe „fir“ sieht der Duden im Zusammenhang mit dem gotischen „faír“, was ‚heraus‘ bedeutet. Das könnte man so deuten, dass sowohl die „Vernunft“ als auch der „Verstand“ etwas aus dem Leib gewinnen oder hervorbringen - und nicht nur allein aus dem Kopf.
Die Leiblichkeit der deutschen Sprache hat George-Arthur Goldschmidt übrigens in seinem Beitrag für das Forum Sprachkritik Deutsch und Französisch angesichts der Realität angesprochen: „Im Deutschen ist alles sozusagen in greifbarer Nähe, es ist eine positive, leibverbundene Sprache, in welcher sich eine anscheinend urwüchsige Beziehung zur Realität ausdrückt, wobei wir wieder bei den alten Begriffen des letzten Jahrhunderts angelangt wären, mit den Konsequenzen die man kennt." Sein Hinweis auf die deutsche Geschichte macht deutlich, dass Sprache und das Sprechen allein noch keine Handlung vollbringen. Die Redewendungen „im Wort zu stehen“ oder „sein Wort zu halten“ zeugen davon, was dafür noch hinzutreten muss. Das Englische bringt diesen leiblichen Zusammenhang mit der Redewendung „walk the talk“ noch genauer auf den Punkt. Hier wird der ganze Mensch, man könnte sagen „mit Leib und Seele“, aufgerufen, sich in Bewegung zu setzen und nicht allein im Wort zu verharren.
Auch in der modernen Wissenschaft zeigt sich mittlerweile, dass Denken viel mehr beinhaltet als Rationalität und der Körper, beziehungsweise der Leib, dabei eine sehr wichtige Rolle spielt. So schreibt beispielsweise Tye S. Farrow, Forscher an der Schnittstelle von Architektur und Neurowissenschaften mit Schwerpunkt auf gesundheitliche Wirkungen der gebauten Umwelt, in Placemaking (Ausgabe 1/2026 von Die Architekt): „Der Geist kann als das Wahrnehmungs- und Erfahrungssystem des Gehirns verstanden werden, das aber nicht auf den Schädel beschränkt, sondern gleichsam verkörpert ist, sich durch das gesamte Nervensystem erstreckt und durch unsere fortlaufenden Interaktionen mit anderen Menschen und unserer Umgebung in die Welt hinauswirkt. Menschen denken buchstäblich mit und durch ihren Körper. Architektur ist so ein Teil unseres Denkapparats und prägt kontinuierlich, was wir wahrnehmen, erinnern und fühlen.“
Da die Rubrik „Wortprofil“ im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache anscheinend das „Emotionale“ weniger mit dem „Menschen“ als mit der „Frau“ in Verbindung sieht, möchte ich diesbezüglich noch den Klassiker von bell hooks The Will to Change. Man, Masculinity and Love erwähnen (Washington Square Press/Atria Paperback 2025). Darin schreibt sie: “Patriarchy demands of men that they become and remain emotional cripples.” (S. 27). “Individually, and as a culture, we must discard the distorted view of boys that ignores or denies their capacity for feelings, the view that colors even boys perception of themselves as above or outside a life of emotions.” (S. 37). Man(n) hat also bezüglich Emotionen gesellschaftlich noch einiges zu lernen.
Johannes Eckert, Frankfurt