Kerstin Preiwuß
Über Frieden
Schon seit einiger Zeit sind mir Paarformeln nicht mehr geheuer. Sie machen klar, was nicht klar ist. Dabei wirken sie so, als sei das unabänderlich, als folgten sie unweigerlich aufeinander, als vervollständigten sich automatisch und erfüllten ihre Vorannahmen. Darin sind sie floskelhaft und wirken darum doppelt etabliert. Das ist bedenklich, denn dann erheben sie Raumforderung. Krieg und Frieden etwa. Als hänge Frieden immer vom Krieg ab, als gäbe es ihn sonst gar nicht. Kein Gedanke daran, dass Frieden dem Krieg sowohl vorausgeht als auch gleichzeitig neben ihm bestehen kann. Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor, ist da präziser. Vielleicht auch, weil es keine Paarformel ist, sondern über die Syntax geht. Sofort gibt es Abzweigungen, Ausweichräume, sind Erwägungen möglich.
Mittlerweile sehe ich sogar Paarformeln, wo es keine gibt. So wie man Gesichter in Wolken sieht. Das liegt womöglich an der gegenwärtigen allgemeinen Anspannung. So geschehen im Spätsommer beim Spazieren gehen. Viele reife Mirabellen lagen auf dem Weg unter einem Baum, lauter gelbe Früchte. Schöne Mirabelle, duftende Myrobalane, wunderbare Mirabilis – etwas Erstaunliches also in den Mündern der Menschen. Aber ich kam nicht umhin, in den Früchten plötzlich nicht nur den Krieg zu sehen, sondern auch den Frieden: Mira-Bellum. Dass das keine Übersetzung der Mirabellen ist, ist mir klar, aber ist es ein falsches Freundespaar? Im Slawischen bedeutet Mir Frieden, Ruhm, Gemeinschaft, es hat sich verfestigt in Russki Mir, die russische Welt, mittlerweile die Paarformel für ein sich ausweitendes Imperium, das seinen Interessen überall dort nachgeht, wo es sie gefährdet sieht. Für diesen Gedankengang sind Ländergrenzen obsolet. Ein Frieden, der über souveräne Staatsgrenzen hinweg hergestellt werden muss, erlaubt einem Krieg als Schlussfolge. Der russische Friede ist daher etwas seltsam und die Mirabellen sind vielleicht doch nicht so falsch. Schließlich, um auch in den englischen Sprachraum zu wechseln, kann der Revolver als peacemaker Totenstille herstellen. Krieg und Frieden, Siegfrieden, Friedenskrieg. Das Deutsche braucht dafür oft nicht einmal ein Und.
Ich will niemanden überzeugen, schließlich bestimmt die persönliche Sicht oft das Vokabular. Ich habe immer in Frieden gelebt und zugleich wurde mir schon als Kind der Frieden als Siegesgewissheit beigebracht.Für Frieden und Sozialismus seid bereit: Immer bereitwardie Paarformel meiner Kindheit, zu der ich mich in der leicht militaristisch angehauchten Organisation der Jungpioniere noch auf Fahnenappellen, bei denen wir Klasse für Klasse in Riegen standen, deren Ordnung wir vorher im Sportunterricht geübt hatten, bekannt habe. Frieden war eine Vokabel in meiner Kinderenzyklopädie, zwischen dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund und Frost konnte ich nachlesen: „In einer großen, die ganze Welt umspannenden Friedensbewegung haben sich Menschen zusammengeschlossen, die alles tun, damit es den Imperialisten nicht gelingt, neue Kriege auszulösen. Vor allem sind es die sozialistischen Länder, darunter auch unsere Republik, die beharrlich für den Frieden eintreten.“
Ich weiß, dass ich damit meiner erst noch folgenden Argumentation eine Prägung vorausschicke, aber ich tue das auch als Gegengewicht zu dieser schlagringartigen Paarformel, die ähnlich gewirkt hat wie Bildung und Erziehung. Sich auf die jeweilige Erfahrung zu berufen im Sinne einer gefühlten Wahrheit reicht nicht, um nicht dem Trugschluss aufzusitzen, man wisse aufgrund dessen Bescheid. Und mal ernsthaft: an die Stelle dieser Erfahrung treten genug andere Friedensbewegungen und Protestmärsche. Da die Welt von heute nicht mehr ihrer bisherigen Ordnung entspricht, ist überall Umdenken nötig. Ich möchte daher der Frage nachgehen, was die Rede vom Frieden alles bedeuten kann, inbegriffen die Frage, ob das Wort nicht auch eine Suggestionskraft entfaltet, wenn es gut genutzt wird. Auf welche Art und Weise er als ein Argument in den Kampf geführt werden kann, das über alle Zweifel erhaben ist, dem man nicht widersprechen darf. Frieden als Totschlagargument. Aber ist Frieden immer Frieden? Ist er überhaupt, was er sagt: friedlich? Place to be ist wieder eine Welt, deren Ordnung man sich herausnimmt, in der man sich nimmt, was man will, sei es mit Geld, sei es mit Gewalt. Alte Konflikte und Begehrlichkeiten tauen plötzlich wieder auf und ihre Sprengkraft ist wie auf Knopfdruck da. Das betrifft auch alte Theorien wie etwa die Dominotheorie. Was ist, wenn dieses Beispiel Schule macht?
Frieden erscheint dagegen immer in Lichtgestalt, als wäre er in weiße Gaze gehüllt. Frieden ist dann eine Utopie, ein Zustand, in dem die Welt sich nicht mehr bekriegt. Demzufolge darf man über den Wunsch nach Frieden nicht im Dissens sein, seine Vorannahme ist ja geradezu, dass der Dissens sich erledigt hat. Nichts wünscht man sich so sehr wie Frieden, so dass „ich wünsche mir den Weltfrieden“ lange Jahre die Standardantwort der Teilnehmerinnen von Misswahlen war, um neben den körperlichen Vorzügen auch eine gewisse Intelligenz und ethische Grundhaltung zu betonen. In den Neunzigern, die heute verklärt werden als friedliche Zeit, in der alle an das Ende der Geschichte geglaubt haben, genügte für die Anmeldung der ersten Loveparade als Demonstration der Slogan „Friede, Freude, Eierkuchen“. Das warhedonistisch gemeint und erscheint von heute aus betrachtet dennoch erstrebenswert, denn eine sich selbst feiernde Gesellschaft ist gelassener.
Als die Voyager-Raumsonden sich auf den Weg machten, gab man ihnen auf goldenen Datenplatten für etwaige Zusammenkünften mit außerirdischem Leben Grußbotschaften in fünfundfünfzig Sprachen mit: „Als Generalsekretär der Vereinten Nationen, einer Organisation von 147 Mitgliedsstaaten, die beinahe alle menschlichen Bewohner des Planeten Erde repräsentiert, sende ich Grüße im Namen der Völker unseres Planeten. Wir treten aus unserem Sonnensystem ins Universum auf der Suche nur nach Frieden und Freundschaft, um zu lehren, wo wir darum gebeten werden, um zu lernen, wenn wir Glück haben. Wir sind uns ganz und gar bewusst, dass unser Planet und alle seine Bewohner nichts als ein kleiner Teil des uns umgebenden, immensen Universums sind und wir machen diesen Schritt mit Demut und Hoffnung.“ (Kurt Waldheim)
Auf Erden war da eigentlich schon klar, wie eine außerirdische Zivilisation reagieren wird: „Lebe lange und in Frieden“ (auf vulkanisch „Dif-tor heh smusma“, auf Englisch: „Live long and prosper“,als AkronymLLAP, woraufhin sich mit dem Akronym PALL antworten ließe: „Peace and long life“, ein Palindrom also) ist der ikonische Gruß des Vulkaniers Spock aus Star Trek, begleitet von einer Handgeste mit gespreizten Fingern. Die Geste, basierend auf dem jüdischen Priestersegen, steht für Frieden, Logik und das Wohl der Vielen. Frieden ist also ein Segen.
Ein Hammerwort, einfach unschlagbar. Gern auch zusammen mit healing, nourishing, authentic love. Der innere Frieden, das innere Gleichgewicht sind für Yoga Retreats Standardprogramm. In der Bundesrepublik kam er 1984 (!) in einem Schlager von Roland Kaiser vor: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben/Wenn ihm die schöne Nachbarin gefällt/Und ihm das Schicksal vor der eigenen Haustür/solche schönen Beine stellt. (…) Ich bin versucht, der Versuchung nachzugeben/Wenn nebenan die Sünde wohnt.“ In dezenter Abwandlung von Schillers Wilhelm Tell Frieden also im Ermessensfeld von Versuchung und Sünde.
Lass mich in Frieden: Lass mich in Ruhe. Beunruhige mich nicht, indem du mir etwas mitteilst, was mich beunruhigen könnte. Das geht mich nichts an. Noli me tangere also. Bleib mir vom Leib. Bleib mir vom Hirn. Frieden ist in dem Fall eine Komfortzone. Dennoch bleibt immerhin eine sprachliche Geste, die den Zustand der friedlichen Koexistenz versucht zu verteidigen, indem sie den anderen auffordert, von einem abzulassen. Das tut der aber nicht, und was dann? Nenn es offener Konflikt, Überfall, Angriff, Invasion. Nenn es bloß nicht Krieg. Give peace a chance. Make love not war. Besser wäre wohl make peace not war. Frieden wird einem nicht geschenkt und er fällt auch nicht vom Himmel. Es wäre gut, würde man ihn so nüchtern betrachten, wie man es aus der Perspektive der Kriegsführung tut: „Die Kunst des Krieges“ ist ein Longseller – „Die Kunst des Friedens“ ist auch ein Buch über Kampfkunst. „Vom Kriege“ – „Vom Frieden“, aber bitte genau so nüchtern und ohne Sehnsucht. Von einer Heilserwartung kann schließlich keiner überleben, wenn die Drohnen fliegen. Frieden in allgemein politischem Sinn ist schließlich Abwesenheit von Krieg und Freundschaft der Völker.
Die Erfindung der Plansprache „Esperanto“ durch Ludwik Leijzer Zamenhof geht auf einen solchen Wunsch zurück. Wenn die Menschen durch das Erlernen einer einfachen Sprache für alle imstande wären, einander überall auf der Welt zu verstehen, dann beförderte das den Frieden. Zamenhof lebte in Polen, seine Kinder wurden im Holocaust ermordet.
Hitler bei der Besetzung des Rheinlandes, infolge der Wiederaufrüstung und nach Austritt aus dem Völkerbund: Deutschland wünscht den Frieden und es braucht den Frieden.
Die Appeasementpolitik der Anderen, etwa bei beim Münchner Abkommen 1938: Geben wir ihm neben dem, was er sich schon geholt hat, auch das, was er noch will, für den Frieden.
Ein gerechter Friede war der Wunsch deutscher Wehrmachtsoffiziere angesichts der bevorstehenden Niederlage im Zweiten Weltkrieg.
Himmler glaubte gar an einen erneuten Hubertusburger Friede und ließ für eine bessere Verhandlungsposition die Maschinerie der Vernichtungslager stoppen, was für die, deren Vernichtung noch ausstand, die sog. „Todesmärsche“ bedeutete.
Bei einem Siegfrieden braucht es nicht viel Phantasie, man muss nur ein wenig kontrafaktisch denken und sich vorstellen, wie das Dritte Reich nach Gewinn des Krieges seine Pläne zum Abschluss gebracht hätte. Es war ja alles durchgeplant.
Bei einem Diktatfrieden entstehen Dolchstoßlegenden, auch das ist bekannt.
In der Zeit nach der bedingungslosen Kapitulation Nazideutschlands gibt das Potsdamer Abkommen den Deutschen auf, ihr „Leben auf einer demokratischen und friedlichen Grundlage von neuem wieder aufzubauen“. (Potsdamer Abkommen 1945, S. 480). Frieden wird nachweislich zu einem Schlüsselwort. Beschrieben wird es in einer Untersuchung von Heidrun Kämper zum Schulddiskurs beider deutscher Staaten für die Zeit von 1945-55 in seinem Gebrauch als Universalie, Bekenntnisvokabel, Hochwertwort, Vehikel, Platzhalter, Bezugskategorie im Kalten Krieg, Leitvokabel beider Systeme, politisches Handlungskonzept, Selbstidentifikation unter Ausschluss der anderen Seite, Kategorie zur Bezeichnung eines historischen Anspruchs im Osten, als Gleichung Frieden = Sozialismus/Kommunismus, als Hauptbedingung für die Errichtung der sozialistisch-kommunistischen Gesellschaft, als Zielbegriff in der Nationalhymne der DDR, als aus westdeutscher Perspektive Identifikationskategorie des politischen Gegners, als Gleichung Frieden = Nichtkommunismus, Frieden = Freiheit und damit als eher unpolitische, besser überpolitische Universalie; wer es auffällig oft verwendet, galt als kommunistisch, wer so nicht gesehen werden wollte, hielt sich mit dem Wort zurück.
Gerade die deutsche Angst vor Krieg ist begründet, schließlich stellt über einen Krieg ein Volk am leichtesten seinen Zusammenhalt wieder her, das führt auf Deutsch in die Hitlerzeit mit ihrem tausendjährigen Reich zurück, dieser Weg eines übergreifenden Zusammenhalts über die Konstellation eines Feindbildes ist versperrt und bleibt es hoffentlich immer. Wir fürchten uns also vor uns selbst.
Wie gut sich diese Strategie dagegen für lange Zeit aufrechterhalten lässt, zeigt das imperiale Russland. Gemäß Swetlana Alexijewitschs „Secondhand Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ ist seit Ende des Zarenreichs das russische Volk nur durch Krieg sozialisiert, was fehlt, sei die Zivilgesellschaft. Gegen den Feind zu kämpfen geht immer, man muss sich mit dem Ende des Vaterländischen Krieges und des Kalten Krieges nur immer wieder einen suchen, um nicht am Fehlen der Konfrontation von außen zu zerbrechen.
Frieden im Kommunismus bedeutete schließlich Frieden in Zukunft. Heute müsse man die Opfer bringen für eine Welt von morgen. Heute baue man nur auf. Heute ist man verzichtbar. Die Transhumanisten drehen das noch ein bisschen weiter. Für eine Welt von morgen braucht es auch den Menschen von morgen, er entsteht aus der technischen Verbesserung des Menschen von heute. Dies könne man erreichen, wenn lediglich die besten sich weiterentwickeln, indem sie jede neueste technische Errungenschaft an sich selbst anwenden und sich so weit, von denen, die dazu nicht imstande sind, entfernen, dass diese irgendwann verzichtbar sind. Kranke, bestimmte Volksgruppen und Schwache wären für die verbessernde Reproduktion (ergo: Zucht, Auslese) unbrauchbar. Aber das lohnt sich am Ende, denn die Zukunft, in der die neuen Menschen mit übermenschlicher Kraft das Weltall kolonisieren, wird friedlich. Lang lebe longevity.
Frieden als Vokabel ist durchaus korrumpierbar. Sie wurde immer schon gern benutzt und sie zu benutzen heißt nicht automatisch, dass man reinen Herzens ist und daher sakrosankt, selbst wenn man sich nach Frieden sehnt. Frieden als Vokabel framt auch mal eine Drohung, erweist sich bei entsprechender Verwendung zudem als sehr geeignet für Gaslighting:
Bist du etwa nicht für den Frieden?
Du bist doch auch für den Frieden?
Oder bist du etwa ein Friedensverweigerer, gar Kriegstreiber?
Wenn man für den Frieden ist, ist man gegen den Krieg. Der wird dann der Gegenseite zugeordnet. Verhält sich nun aber die Gegenseite nicht friedlich, wie kommt man aus der Nummer wieder raus? Die Nummer gegen Kummer? Telefonseelsorge? Ehrenamtlich?
Ein weiteres Wort in diesem Geflecht ist Verteidigung, auch ein zweischneidiges Schwert. Es kann auch benutzt werden als Legitimation für Angriffe. Also die Kehrseite von „leiste keinen vorauseilenden Gehorsam“: Eile mit deiner Handlung voraus und zwinge andere in den Gehorsam. Leichte Verschiebung auch hier.
Ich will nur das Augenmerk darauf richten, dass in Frieden leben verschiedene Zustände in sich versammelt: man lebt als Gesellschaft auch dann in Frieden, so lange das eigene Land erfolgreich Krieg gegen ein anderes führt. In dem Falle bedeutete es, man bliebe unbehelligt von dem, was das eigene Land anderen gerade antut. Man kann auch dann noch in Frieden leben, wenn Teile der eigenen Gesellschaft (Minderheiten) nicht mehr sicher sind, jedenfalls so lange es einen nicht betrifft, man das Leid anderer ignoriert. Man lebt den Frieden eines Gegners, nachdem er einen unterworfen hat. Werden Teile eines bekriegten Landes annektiert, bedeutet Frieden allerdings nicht die schon von den Nazis gern benutzte Kollokation Ruhe und Ordnung, sondern Willkürherrschaft und Unterwerfung. Das beinhaltet Repressionen, Verschleppungen, Folterungen, Zwangsrekrutierungen der unterworfenen Zivilgesellschaft und Zerstörung ihrer Kultur, im aktuellen Kontext z.B. als Russifizierungen, damit am Ende Ukrainer gegen Ukrainerinnen kämpfen. Man sollte daher, wenn man an Frieden denkt, nicht nur den Empfänger von Schutz, sondern auch den Beschützer mitdenken, ob es nicht sinnvoller ist, sich selbst zu schützen, damit kein anderer auf die Idee kommt, einen dauerhaft beschützen zu wollen und es mafiös wird. Frieden herrscht schließlich auch dann, wenn jemand sich für mächtig genug hält, ihn zu verordnen, sofern es seinen eigenen Interessen dient. Frieden stiften ist, entgegen dem Bild eines gerechten Kampfes für die Menschheit, nicht selbstlos. Der größte Friedensstifter weltweit ist zur Zeit der amerikanische Präsident. Er hat nach eigenen Aussagen bereits unzählige Kriege beendet und sammelt Friedensschlüsse wie Trophäen, weil er dafür einen Orden erhalten will, den er sich, selbst wenn er ihn nicht bekommt, dennoch überreichen lässt. Frieden kennt also auch eine Währung und ist darüber korrumpierbar.
Vielleicht ist es angebracht, den Zustand, in dem wir uns befinden, nicht mehr mit Frieden gleichzusetzen. Krieg bedeutet schon lange nicht mehr, dass zwei Stämme vereinzelt Speere aufeinander werfen. Oder er am Kabinetts- und jedwedem weiteren Schreibtisch nach Clausewitz verwaltet wird. Krieg verändert ständig sein Gesicht und folglich hat auch der Frieden viele Gesichter. Krieg entwickelt sich und Frieden trügt. Er kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass er mit der Entwicklung des Krieges Schritt hält. Wir sind es zu gewohnt, ihn als unabänderlichen Zustand zu denken, aber Frieden ist kein Paradies. Frieden als Universalsinn und danach ist die Geschichte zu Ende, ist Wunschvorstellung. Wir wollen, das meine ich zumindest als Lebensgefühl zu kennen, friedlich zusammenleben, inklusive aller Auseinandersetzungen und Zwiespalte. Aber mit Krieg ist kein Frieden zu machen. Hat er angefangen, lässt er einen nicht in Frieden. Das ist nicht rückgängig zu machen.
Frieden ist vielleicht dann am größten, wenn man ihn nicht zu schätzen weiß, wenn man vergisst, dass man in ihm lebt. Es ist nicht so gekommen, wir sehnen uns in die friedlichen Zeiten zurück. Frieden wird also wieder zu einer Botschaft: dass man in Frieden gelassen werden kann, wenn man nur … Das hinter dem wenn ändert sich dann je nachdem: wenn man nur glaubt, wenn man nur hart genug an sich arbeitet, wenn man sich nur gut genug anpasst, sich unauffällig genug verhält…
Zur Autorin:
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