
Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Halberstadt
28.–31. Mai 2026
Halberstadt (Sachsen-Anhalt) ist Ende Mai Tagungsort der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Unter dem Titel „Freundschaft in Zeiten des Streits“ widmet sie sich der Frage nach Bedeutung, Wandel und politischer Dimension von Freundschaft.
Durch Johann Wilhelm Ludwig Gleim wurde Halberstadt zu einem Zentrum des Freundschaftskultes der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Hannah Arendt wiederum knüpfte an den Gleim-Freund Lessing an und entwickelte in ihrer Rede Essay »Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten« (1959) eine Auffassung von Freundschaft, die die politische und öffentliche Dimension dieses Begriffes betont und darin ein aufklärerisches Konzept sieht. Nach Arendt wollte Lessing keines Menschen Bruder sein, aber vieler Menschen Freund. Lessing brauchte Freunde, um sich mit ihnen auszutauschen, um mit ihnen zu streiten.
Die Frühjahrstagung greift diesen Freundschaftsbegriff auf und schlägt einen Bogen bis in die Gegenwart. Wie hat er sich im Lauf der Jahrhunderte verändert? Welche Rolle spielt er heute? Fragen wie diese werden auch die Veranstaltung über das deutsch-jüdische Verhältnis beschäftigen – bis zur NS-Zeit ist Halberstadt ein Zentrum der jüdischen Neo-Orthodoxie gewesen. Sprechen werden Omri Boehm
und Irene Heidelberger-Leonard sowie Elke-Vera Kotowski und Dana von Suffrin unter der Moderation von Natascha Freundel. Darüber hinaus wird der politische Freundschaftsbegriff als Gegenmodell zu autoritärem Denken im europäischen Kontext diskutiert – mit Jeremy Adler, Valentina di Rosa, Michal Hvorecký, Iryna Herasimovich und Ingo Schulze.
Die Tagung war geplant mit dem in Halberstadt geborenen und langjährigen Akademiemitglied Alexander Kluge. Nach seinem Tod am 25. März 2026 steht die Eröffnungsveranstaltung der Tagung im Zeichen seines Gedenkens. Mit Joseph Vogel, Lothar Müller, Ute Pott, Johannes Rieger sowie einigen Mitgliedern der Akademie mit Lesungen aus Kluges Büchern.
Einen Höhepunkt der Tagung bildet die Verleihung des Friedrich-Gundolf-Preises für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland an den japanischen Germanisten Hiroshi Yamamoto sowie die des Johann-Heinrich-Voß-Preises für Übersetzungen an Ulrich Blumenbach. Beide Preise mit jeweils 20.000,- Euro dotiert, würdigen herausragende Leistungen auf ihrem Gebiet und werden alljährlich im Frühjahr von der Akademie vergeben.
Das Veranstaltungsprogramm mit den näheren Anhaben folgt in Kürze.