Johann-Heinrich-Voß-Preis

Der Johann-Heinrich-Voß-Preis wird seit 1958 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung »für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Übersetzung«, verliehen. Vor allem werden Übersetzungen literarischer Werke in die deutsche Sprache ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich während der Frühjahrstagung der Deutschen Akademie vergeben. Seit 2002 beträgt die Dotation 15.000 Euro.

Preisträger

Sabine Stöhr

Sabine Stöhr

Übersetzerin
Geboren 17.3.1968

Johann-Heinrich-Voß-Preis 2014
Laudatio von Helmut Böttiger
Dankrede von Sabine Stöhr
Urkundentext

...der engagierten Vermittlerin zwischen der ukrainischen und der deutschen Kultur...

Jurymitglieder
Kommission: Ralph Dutli, Elisabeth Edl, Aris Fioretos, Joachim Kalka, Per Øhrgaard, Ilma Rakusa

Mitglieder des Erweiterten Präsidiums

Es geht um den Text, nicht um einzelne Zeichen

Herzlichen Dank, Helmut Böttiger, für Ihre Worte! Und herzlichen Dank für die Zuerkennung des Johann-Heinrich-Voß-Preises für Übersetzung. Dass sich die Jury dafür entschieden hat, meine Übertragungen aus dem Ukrainischen auszuzeichnen, freut mich auch deshalb, weil damit das Augenmerk auf die ukrainische Literatur und auf die Ukraine selbst gelenkt wird. Nun fehlt es derzeit ja nicht an Erwähnung der Ukraine im öffentlichen Raum: Kaum ein Abend, an dem das Land nicht an vorderster Stelle in der Tagesschau genannt wird, kaum ein Tag, an dem uns nicht neue traurige Nachrichten aus Kiew, Charkiw, Odessa, Mariupol oder von der Krim erreichen, ganz zu schweigen von Slowjansk und Donezk. Kaum eine Woche, in der in Talkshows nicht so genannte »Russlandversteher« auf so genannte »Ukraine-Experten« treffen. Offen bleibt dabei, wie viel wir wirklich von der Ukraine – und übrigens auch von Russland – verstehen. Von ihren Kulturen und Mentalitäten, wobei ich den Plural ganz bewusst für beide Länder setze.
Wie gesagt, es fehlt nicht an Berichterstattung und Diskussion zur Ukraine, aber es mangelt an Verständnis für dieses Land, das Europa im Jahr 2004 das Geschenk der friedlichen, farbenfrohen »Revolution in Orange« gemacht hat und das wir dann doch ziemlich alleingelassen haben mit seiner Korruption, seinen Banditenclans, seinem sowjetischen Erbe und seinem Nachbarn Russland. Nun ist die Ukraine plötzlich wieder »da«, doch mit ganz anderen Bildern.
Ich glaube nicht, dass angesichts der schwierigen Situation in der Ukraine die Literatur oder die Literaten Rat wissen. Aber ich glaube, sie können uns helfen, besser zu verstehen. Literatur weitet den Blick für die Vielfalt und den Reichtum, für Tragisches und Komisches, für Schicksale. Sie kann uns davor bewahren, bloß und ausschließlich das »blutige Land« zu sehen. Wer die Welt verstehen will, darf nicht zu schnell Kurzschlüssen unterliegen, muss immer offenbleiben, seine Eindrücke überprüfen und neu ordnen. Leider fordert die schiere Masse der Information Zuspitzung und Reduktion, so funktioniert der Medienbetrieb. Und wir alle erliegen nur allzu leicht der Versuchung, Sachverhalte mittels griffiger Formulierungen in eine Schublade zu packen, wonach wir uns beruhigt zurücklehnen, weil wir glauben, wir hätten verstanden – und den Applaus derer genießen, die ihrerseits glauben, wir hätten ihnen etwas erklärt. Dies beginnt in der Ukraine schon ganz elementar mit dem Etikett »pro-russisch« und dem Etikett »pro-westlich«. Was erklären sie? Geht es um kulturelle Zugehörigkeit? Oder eher um politische Systeme? Um Autokratie gegen Demokratie? Imperium gegen Unabhängigkeit? Um Faschismus und Antifaschismus? Um Wendeverlierer und solche, die in der Lage sind, neue Chancen zu ergreifen? Oder letztlich doch nur darum, wie regionale Eliten versuchen, ihre Macht und ihre Pfründe zu bewahren? »Pro-russisch« und »pro-westlich« – es ist schon erstaunlich, wie leicht wir ein Narrativ übernehmen, das nicht ins Europa des 21. Jahrhunderts passt. Und wie wenig wir den Ukrainern selbst zuhören.
Über den Bildern von Gewalt, Zerstörung und Hass sollten wir nicht vergessen, dass die Proteste im November 2013 friedlich und kreativ begannen, mit öffentlichen Vorlesungen und einer »Künstlerkolonie« auf dem Maidan. Die aktuellen Nachrichten vor allem aus den östlichen, an Russland grenzenden Regionen sollten nicht den Blick darauf verstellen, dass die Ukraine ein großes Land ist mit vielfältigem historischen und kulturellen Erbe und einer aktiven und kreativen Gesellschaft.
Ich habe das große Glück, zwei der wichtigsten zeitgenössischen ukrainischen Schriftsteller und Dichter zu übersetzen, Freunde, Gleichgesinnte und doch Antipoden: Juri Andruchowytsch und Serhij Zhadan. Der eine, Andruchowytsch, 1960 in Iwano-Frankiwsk ganz im Westen der Ukraine geboren. Der andere, Serhij Zhadan, 1974 im ukrainischen Osten, im Gebiet Luhansk nahe der Grenze zu Russland. Er lebt heute in Charkiw. Zwischen Andruchowytsch und Zhadan liegen nicht nur vierzehn Lebensjahre, fast eine Generation, und über 1300 Kilometer Territorium, sondern auch die vielen »Grenzen«, die es in der Ukraine angeblich gibt: die Grenze Österreich-Ungarns, die angebliche »Grenze der Aufklärung«, der Dnipro als Grenze zum »Wilden Feld«, die Grenze zur von Putin postulierten und definierten so genannten »russischen Welt« ... Andruchowytsch und Zhadan: Beide sind ukrainische Dichter und Schriftsteller (die beide ukrainisch schreiben), und beide eröffnen uns Einblicke, die uns helfen können, die Ukraine als Subjekt von Kultur und Geschichte zu erkennen und zu respektieren.
Juri Andruchowytsch steht am Anfang der Literatur der unabhängigen Ukraine. Seine Gedichte, die seit Ende der 1980er Jahre erschienen, und seine Romane Rekreationen, Moscoviada, Perversion und Zwölf Ringe sind und bleiben Bezugspunkte für die ukrainische Literatur und Sprache. Trotz oder gerade wegen des oft clownesken Habitus des Erzählers sind es sensible, hellsichtige Tiefenbohrungen in Geschichte und Gesellschaft, deren prophetische Qualität atemberaubend ist. Nehmen Sie die Schluss-Szene der 1992 entstandenen Moscoviada, in der in den Eingeweiden der Moskauer Metro ein »Inkognito, das nach altem kriminellen Brauch einen schwarzen Strumpf über den Kopf gezogen hat«, über die Strategie zur Wiedererrichtung des Imperiums doziert. Es wird Ihnen kalt den Rücken hinunterlaufen, wenn Sie lesen, wie Marionettenregierungen eingesetzt werden und wie alles getan werden soll, damit Korruption und Misswirtschaft die neuen unabhängigen Staaten von innen zersetzen, bis sie reumütig fast von alleine wieder zurück in Moskaus Schoß kriechen.
Juri Andruchowytsch protestiert gegen das spät- und postsowjetische Grau wie gegen den imperialen Anspruch mit karnevalesk-überbordender Phantasie, die auch und vor allem in seiner sprachlichen Gestaltungskraft zum Ausdruck kommt. Es ist erstaunlich, wie oft mir in der Ukraine gesagt wird, der Roman Perversion sei doch unübersetzbar. Wieso glauben die Ukrainer das? Weil es sich zuallererst und vor allem um ein großes sprachliches Experiment handelt und weil Perversion bewiesen hat, dass auch in der ukrainischen Sprache alles möglich ist. In einem Land, in dem die kulturelle Emanzipation immer schon eng mit der politischen Emanzipation verbunden war – man denke an Taras Schewtschenko –, ist das auch ein politisches Manifest.
Anhand einiger Beispiele möchte ich zeigen, welche sprachlichen Schätze – und also auch welche übersetzerischen Herausforderungen – Perversion birgt. Es handelt sich um eine Sammlung von Texten, der Fiktion nach aus unterschiedlichen Federn stammend, ein Album mit Einladungen, Notizen, Tagebucheinträgen, Vortragsmanuskripten, Fernsehinterviews, einem Opernlibretto, Gedichten, einer Gruselgeschichte und IM-Protokollen. Jedes Textstück (Kapitel?) ist in einem anderen Stil gehalten. Einige Textsorten, wie der Kanzleistil der höllischen Behörde, haben mir Beamtin natürlich wenig Probleme bereitet. Aber der Drogenrausch des Ukraino-Jamaikaners John Paul Oschtschyrko hat mich tatsächlich an meine Grenzen gebracht.
Schon ganz zu Anfang des Romans gab es eine ähnliche Herausforderung – den Sprechgesang der ungewollten Illegalen in einer geheimnisvollen Münchner Wohnung:

»blumengarten germanisch walhall steh vor uns und sei mit uns, lass durch uns durch und sättige all uns – jung und frisch groß blau fisch, geist und zauber, zauber und geist, mit blut und eisen ins ohr ihr eilen, heile meine wunden und seine und ihre und noch mal ihre, wachs uns wie kraut im biere wie bier im kraute gegrüßet vater ess uns und wir golden ins sonnenloch jenseits er kroch und doch fleisch gib uns fleisch und schnaps und eier und jaja den großen fisch«.

Das Original hat seinen Rhythmus, der natürlich auch in der Übersetzung beibehalten werden muss. Der Charakter eines Gebets darf nicht verlorengehen. Schlüsselwörter müssen fallen. Anspielungen auf »typisch Deutsches« muss es geben. Aber Reim und Lautmalerei können nur durch freies Dichten nachgebildet werden. So gibt es im Original kein »walhall« und auch nicht »blut und eisen«.
Typisch für Andruchowytschs Literatur sind auch die überbordenden Aufzählungen und Reihungen, bei denen es immer mindestens genauso sehr auf den Klang wie auf den Inhalt ankommt.

»Was folgt, ist ein Mirakel, kein Toast! Eine ungeklärte Unklarheit, danach Ächzen und Krächzen, Halbflüstern, Halbplätschern, Schnattern und Knattern, das übergeht in Schnüffeln und Schnaufen, Rascheln und Rauschen. Wörter sind irgendwie Wörter, irgendwie aber auch bloß Murmeln und Munkeln, Schlurfen, Stampfen, Dumpfen und Mampfen.«

Gut, dass Stanislaus Perfezki, der Held der Perversion, selbst Schriftsteller ist und quasi eine Handlungsanweisung zum Übersetzen mitgeliefert hat – es gehe um den Text, nicht um einzelne Zeichen, sagt er. Was geschieht, wenn sich einer daran nicht hält oder halten kann, wird an dem Einladungsschreiben deutlich, das der ewige Venezianer Baron Casallegra persönlich, unter Zuhilfenahme von 44 Wörterbüchern über 44 Brückensprachen ins Ukrainische übersetzt hat und aus dem ich hier einen kleinen Ausschnitt zitieren möchte:

»Hochgeehrt Pan Perfucki! Uns gemeinsam Bekannt und gut Kumpel, ein Seelendoktor Frank Asche (Lausanne, Helvetia) Sie hat recommendiert als potentiell Einheit von Blatten Ukrajina für Participation international Seminar pro Kultur- und Geistercreatoren, das organisiert unser Fundation ›La morte di Venezia‹ in Union mit paar intellektuell, kommerziell und sakral Zirkel.«

Es geht beim Übersetzen um den Text, nicht um einzelne Wörter. Und das hat Baron Casallegra hier nicht bedacht. Der Brief kommt bei Juri Andruchowytschs Lesungen immer gut an, und meine Übersetzung wird viel gelobt. Aber, ehrlich gesagt, wäre gerade dieses Textstück vielleicht genauso gut geworden, hätte ich es einfach in Google Translate oder Babel Fish eingegeben.
Aber natürlich besteht der Text doch aus Wörtern. Und bevor man entscheiden kann, ob Inhalt oder Klang wichtiger sind und welche Konnotationen unbedingt in der Übersetzung aufscheinen sollen, muss man das Wort in all seinen Facetten verstehen. Wenn ich bei der Übersetzung der Perversion manchmal aus Verzweiflung einen Begriff – weil ich ihn nicht kannte und auch in keinem der verfügbaren Wörterbücher finden konnte – in eine Online-Suchmaschine eingegeben habe, gab es oft nur wenige Treffer, die alle auf ebendie Textstelle von Andruchowytsch verwiesen, die ich gerade übersetzen wollte ... Es ist also nicht übertrieben zu sagen, dass Juri Andruchowytsch die ukrainische Sprache intensiv befruchtet hat. Vor allem hat er ihr Selbstbewusstsein gegeben. Selbstbewusstsein und Leichtigkeit.
Selbstbewusstsein und Leichtigkeit – beides sind, finde ich, Schlüsselbefindlichkeiten beim Übersetzen von Literatur, wenn das Resultat nicht steif, akademisch oder manieriert wirken soll. Es gilt, den Ursprungstext und den ganzen dahinterstehenden Kosmos zu durchdringen und zu verstehen, um dann – wie Umberto Eco schreibt – »quasi dasselbe mit anderen Worten« zu sagen. Ich sprach schon vom Glück, Andruchowytsch und Zhadan zu übersetzen. Es ist auch deshalb ein Glück, weil beide Zeitgenossen sind und es mir erlaubt haben, sie selbst und ihren jeweiligen Kosmos gut kennenzulernen und mit ihnen intensiv an den Texten zu arbeiten. Und Juri Andruchowytsch macht es sogar manchmal Spaß, aktiv mitzudichten – so ist die Übersetzung der »Ode an Ada« in Perversion entstanden.
Hier möchte ich auch drei anderen Menschen danken, die mich bei meinen Übersetzungen unterstützt haben: Sofia Onufriv, die das erste Buch, Zwölf Ringe, akribisch gegengelesen und mir viele wertvolle Hinweise gegeben hat. Juri Durkot, mit dem zusammen ich die meisten Texte von Serhij Zhadan übersetze. Und vor allem Katharina Raabe, die mit mir ein Wagnis eingegangen ist, die die Übersetzungen so engagiert betreut und mit der man so wunderbar – und stundenlang – über Wörter streiten kann, zum Beispiel ob man eine Karpaten-»Chata« ins Deutsche mit »Kate« übersetzen kann oder nicht.
Sind Juri Andruchowytschs karnevalesk-überbordende Texte vor allem ein Fest der Sprache, manchmal Sprache um der Sprache willen, dann sind die Texte von Serhij Zhadan vor allem ein Fest der Bilder. Seine Literatur stellt die Übersetzer vor völlig andere Herausforderungen. Auf den ersten Blick einfach und fast nüchtern, entfaltet der Text direkt unter der Oberfläche eine eindringliche Poesie. Serhij Zhadan besingt die Schönheit und Melancholie gigantischer, im Zerfall begriffener und zu einem ganz anderen Leben erwachter Industrielandschaften, sowjetische Siedlungen, Sanatorien und Pionierlager, Bahndämme und Landstraßen, die Weite des »Wilden Feldes«, der Steppe. Hier kommt es ganz besonders darauf an, durch präzisen Ausdruck das Bild in ähnlich unaufdringlicher Weise nachzuzeichnen.

»Dann stand ich lange unter dem warmen Himmel, an der leeren Landstraße, die der nächtlichen Metro glich – ähnlich hoffnungslos war alles ringsumher, ähnlich lang erschienen die hier verbrachten Minuten. Hinter der Kreuzung, an der Ortsausfahrt, befand sich eine von unbekannten Passanten akribisch verwüstete Bushaltestelle: die Wände mit schwarzen und roten Mustern bemalt, der erdige Boden dick und gleichmäßig mit Glasscherben übersät, aus der Ziegelmauer wuchs düsteres Gras, in dem Eidechsen und Spinnen hausten.«
(Die Erfindung des Jazz im Donbass)

Außerdem lebt seine Prosa von den meist schrägen Figuren mit noch schrägeren Spitznamen – Lolik und Bolik, der Versehrte, die Gebrüder Ballerlajeschnykow –, von ihrer Wut und ihrer Verletzlichkeit und von der Wärme, Buntheit und Tragik ihrer Beziehungen. Diese Beziehungen entstehen vor allem in den scheinbar simplen Dialogen:

»– Wie geht's dir überhaupt so? – fragte sie plötzlich.
Gut, – antwortete ich. – Und dir?
Auch ganz gut.
Und warum fragst du?
Es interessiert mich, – erklärte sie, – es interessiert mich, wie es dir geht.
Gut geht's mir. Ganz gut.
Prima, – sagte Tamara und wandte sich ab.
Ungefähr eine Stunde später fuhren wir los.«
(Die Erfindung des Jazz im Donbass)

Serhij Zhadan und Juri Andruchowytsch haben sich als Bürger und als Autoren am Protest gegen das korrupte Regime Janukowytsch beteiligt. Serhij Zhadan wurde dabei im März, als die Gewalt plötzlich auch in Charkiw eskalierte, brutal verprügelt. Andruchowytsch und Zhadan versuchen beide, in Texten und Interviews, uns, aber auch den Bürgern des eigenen Landes zu erklären, was vor sich geht. Es sind nüchterne Berichte, die Fakten und Sichtweisen präsentieren. Ohne Sprachspielereien, ohne Augenzwinkern. Die Leichtigkeit hat sich verflüchtigt. In einem ganz aktuellen Essay, Menschen mit Waffen, beschreibt Zhadan die Situation in seiner Heimatregion, im Donbass, wo er geboren ist:

»Dutzende Menschen mit Maschinengewehren in der Hand veranstalten eine Jagd auf Mythen und Gespenster, die ihnen von der Propaganda aufgedrängt werden, und rauben dabei Dutzenden anderer Menschen das Leben – Menschen, denen sie noch vor kurzem auf der Straße, auf dem Markt oder im Bus begegnet sind. Der Bürgerkrieg ist entsetzlich vor allem in seiner Normalität, seinem brutalen Eindringen in die Leitungen und Kanäle des Alltags, seiner starken Verf lechtung mit unserer täglichen materiellen Welt. Du bekommst eine Waffe in die Hand, und dadurch ändern sich die meisten deiner Koordinaten, vor allem aber änderst du, warum auch immer, plötzlich die Einstellung zu deinen Nachbarn auf demselben Stockwerk. Die Waffe schützt dich. Die Waffe gibt dir recht. Allerdings musst du sie früher oder später niederlegen. Und womit willst du dich dann rechtfertigen? Das ist die Frage, auf die dir keine Propaganda eine Antwort gibt.«

Wir wissen heute, am 24. Mai 2014, nicht, wie die Zukunft der Ukraine aussehen wird. Ebenso wenig vorhersehbar ist, wie die ukrainische Literatur sich durch die Ereignisse verändert. Es bleibt die Frage, mit der sich schon Stanislaus Perfezki, der Held der Perversion, in Venedig beschäftigt hat: »Post-karnevalistischer Irrsinn der Welt – was dräut am Horizont?« Herzlichen Dank.