Sigmund-Freud-Preis

Der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa wird seit 1964 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen. Ausgezeichnet werden Wissenschaftler, die in deutscher Sprache publizieren und durch einen herausragenden Sprachstil entscheidend zur Entwicklung des Sprachgebrauchs in ihrem Fachgebiet beitragen. Der Preis wird von der ENTEGA Stiftung gefördert und jährlich während der Herbsttagung der Deutschen Akademie in Darmstadt vergeben. Seit 2013 beträgt die Dotation 20.000 Euro.

Preisträger

Angelika Neuwirth

Angelika Neuwirth

Kulturwissenschaftlerin und Arabistin
Geboren 4.11.1943

Sigmund-Freud-Preis 2013
Laudatio von Navid Kermani
Dankrede von Angelika Neuwirth
Urkundentext

... die dadurch das Gründungsdokument des Islam als einen auch europäischen Text verständlich werden lässt und für die heute immer wichtiger werdende Fähigkeit wechselseitiger Wahrnehmung zwischen Orient und Okzident ein erneuertes Fundament legt.

Jurymitglieder
Juryvorsitz: Präsident Heinrich Detering
Vizepräsidenten Aris Fioretos, Gustav Seibt, Nike Wagner, Beisitzer Peter Hamm, Joachim Kalka, Navid Kermani, Per Øhrgaard, Michael Stolleis, Jan Wagner

Singe den Koran sangeweise

LAUDATOR
Navid Kermani
Geboren 27.11.1967
Schriftsteller und Orientalist

Vor einiger Zeit kündigte eine Gruppe von rechtgläubigen Muslimen an, jedem Deutschen eine allgemein verständliche Ausgabe des Korans zu schenken. Um ihre Mitmenschen einzuladen, den Koran zu lesen, wollten die Rechtgläubigen sich in Fußgängerzonen stellen und ebenso an Haus- oder Wohnungstüren klingeln. Zugleich planten sie eine Plakataktion, die unter dem Motto stehen sollte: »Lies!«
Lies! – das ist im Koran der Anfang der 96. Sure und nach Auffassung der Rechtgläubigen das erste Wort überhaupt, das Gott an den Propheten gerichtet habe: iqraʾ bi-smi rabbika lladhῑ chalaq / chalaqa l-insāna min ʿalaq – »Lies! im Namen deines Herrn, der erschuf / Den Menschen schuf aus einem Klumpen Blut.«
Die Ankündigung sorgte für beträchtliches Aufsehen, ja Unruhe in der deutschen Öffentlichkeit. Die Rechtgläubigen brachten es auf den ersten Platz der Nachrichtensendungen, auf die Titelseiten der überregionalen Zeitungen und in die Talkshows des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Auch der deutsche Innenminister äußerte sich besorgt, und die Sicherheitsorgane gaben bekannt, die Rechtgläubigen genau zu beobachten. Diese wiesen jeden Verdacht von sich, extremistisch gesinnt zu sein, und verwiesen darauf, dass die Bibel doch ebenfalls in allgemein verständlichen Übersetzungen verschenkt werde. Überhaupt sei ihre Aktion nicht als Mission zu verstehen – den Begriff gebe es im Islam nicht –, sondern als daʿwa, als bloße Einladung. Was spreche dagegen, den Koran zu lesen, wie man eben auch die Bibel lese?
Ja, was spricht eigentlich dagegen?
Wie so viele Debatten, die sich durch die Vielfachbeschallung heutiger Meinungsbildung zu kleinen Hysterien steigern, verlor sich auch die um die Koranschenkung rasch. Die rechtgläubigen Muslime hatten gar nicht ausreichend Geld, um achtzig oder fünfzig Millionen oder auch nur eine Million Exemplare ihres Korans zu drucken, und Freiwillige fanden sich schon gar nicht, die bundesweit zur Lektüre eingeladen hätten. Am Ende stellte sich heraus, dass der Koran nur in jenen Fußgängerzonen verteilt worden war, in denen auch Fernsehkameras standen. Und doch blieb die Frage im Raum, im öffentlichen Raum stehen: Was spricht dagegen, den Koran zu lesen, wie man eben auch die Bibel liest?
Es gab die Antworten der Zeitungen und Talkshows, des Innenministers und der Sicherheitsorgane. Spannender, schlüssiger, sogar politisch relevanter können die Antworten der Philologie sein – jedenfalls einer Philologie, wie Angelika Neuwirth sie zum Vorbild gibt. Wollte man ihre Forschung auf einen Nenner bringen, auf eine einzige Aussage, ein Grundmotiv, dann wäre es ebendies: Der Koran selbst spricht dagegen, ihn wie eine Bibel zu lesen. Es beginnt schon mit der Datierung der 96. Sure, die bei genauer Lektüre kaum die früheste sein kann, und setzt sich mit dem bloßen arabischen Wortlaut fort, den die rechtgläubigen Muslime offenbar nicht verstanden haben: iqraʾ bedeutet im koranischen Arabisch nicht »Lies!«, sondern »Trag vor!«, »Rezitiere!« oder auch »Sprich nach!« Der Koran selbst verneint ausdrücklich, dass dem Propheten ein Schriftstück vorgelegen habe, vergleichbar dem Dekalog Mose. Als Modus der Offenbarung wird immer wieder das laut gesprochene, kantilenenartig vorgetragene oder sogar gesungene Wort genannt: rattili l-qurʾāna tartīlā, wie es in Sure 73 : 4 heißt. »Singe den Koran sangeweise«, wie der Dichter Friedrich Rückert die Stelle zugleich schöner und genauer als alle Rechtgläubigen übersetzt hat.
Der Koran ist keine Bibel. So einleuchtend, ja banal diese Aussage klingt, so eklatant wurden ihre Implikationen ignoriert – nicht nur in der breiten Öffentlichkeit, sondern lange Zeit auch von der Orientalistik, die aus der christlichen Theologie und besonders der alttestamentlichen Wissenschaft hervorging. Es ist nicht zuletzt den frühen Forschungen von Angelika Neuwirth zu verdanken, dass sich die Erkenntnis seit den 1980er Jahren zumindest in der westlichen Fachwissenschaft durchgesetzt hat: Der Koran ist weder Predigt über Gott noch geistliche Dichtung oder prophetische Rede im Sinne des althebräischen Genus. Schon gar nicht hat der Prophet seine Verkündigung als Buch komponiert, das man im Normalfall allein und im Stillen liest und studiert. Der Koran ist seinem eigenen Konzept nach die liturgische Rezitation der direkten Rede Gottes. Er ist ein Vortragstext. Das geschriebene Blatt ist sekundär, bis ins 20. Jahrhundert hinein für die Muslime kaum mehr als eine Erinnerungsstütze. Gott spricht, wenn der Koran rezitiert wird, sein Wort kann man genaugenommen nicht lesen, man kann es nur hören.
Angelika Neuwirth spricht in diesem Zusammenhang vom sakramentalen Charakter der Koranrezitation: Obwohl der Islam die Begrifflichkeit nicht verwendet, ist es dem Wesen nach eine sakramentale Handlung, Gottes Wort im Munde zu führen, durch die Ohren es aufzunehmen, es auswendig zu lernen; das Göttliche wird nicht nur erinnert, es wird vom Gläubigen – ähnlich Jesu Christi im Abendmahl – physisch in sich aufgenommen, ja einverleibt (weshalb der Sänger sich übrigens die Zähne putzen soll, bevor er den Koran vorträgt).
Und nun treten im deutschen Fernsehen also Rechtgläubige auf und kündigen an, den Koran unaufgefordert in Fußgängerzonen und an Haus- und Wohnungstüren zu verteilen. Man muss nur ein Buch, einen einzigen Aufsatz der nichtmuslimischen Wissenschaftlerin Angelika Neuwirth über den Koran gelesen haben, um die Anmaßung zu begreifen, mit der sich die Rechtgläubigen über die sprachliche Struktur des Textes und seine Rezeptionsgeschichte hinwegsetzen – um das Sakrileg zu erfassen, das sie in ihrem Eifer begehen.
Man denke nur daran, dass bis heute in muslimischen Haushalten der Koran an höchster Stelle, eingewickelt in ein kostbares Tuch, aufbewahrt wird. Schon das bloße Vortragen, Hören, Berühren des Korans – sei es durch Muslime selbst und wie erst durch Andersgläubige – setzt, wenn schon keine rituelle Reinheit, so für die gesamte islamische Tradition doch einen Zustand der Ehrfurcht, der Demut und der Besinnung voraus. Denn ein Muslim erlebt im Rezitieren oder Hören des Korans nicht weniger als den Akt der initialen Offenbarung nach – es ist nicht eine menschliche Stimme, es ist Gott selbst, der zu ihm oder ihr spricht. So haben es muslimische Heerführer in früheren Zeiten vermieden, Manuskripte des Korans mit in die Schlacht zu nehmen, damit die Rede Gottes nicht in ungläubige Hände fällt, und Andersgläubigen wurde in Einzelfällen gar das Erlernen der arabischen Sprache mit dem Argument verwehrt, dass sie dann den Koran aufsagen könnten. Das sind kuriose, vielleicht sogar extreme Beispiele, und doch deuten sie die Skrupulosität an, die Muslime seit jeher im Verhältnis zum Koran bewahrt haben. Indes die Rechtgläubigen wollen den Koran wie ein Flugblatt oder eine Warenprobe verteilen – ohne Skrupel, dass die Koranexemplare dann wie alle Flugblätter oder Warenproben in der nächsten Mülltonne landen würden.
Und was für eine Ausgabe, was für eine rechtgläubige, aber fade, allzu leicht verständliche und damit den Kern des Korans verfälschende deutsche Ausgabe des Korans, die die Rechtgläubigen verteilen wollten! Schon der Anfang der 96. Sure, den sie auf den Plakaten zitierten, die angebliche Aufforderung an den Propheten, zu lesen – das ist im Arabischen ein Reim: iqraʾ bi-smi rabbika lladhī chalaq / chalaqa l-insāna min ʿalaq. Das ist ein Reim, wie sich ohne Ausnahme alle Verse des Korans reimen. Der Koran ist gebundene, rhythmisierte und lautmalerische Sprache. Man kann ihn nicht einfach lesen, wie man eine Geschichte oder einen Gesetzestext liest. Wer ihn unvorbereitet aufschlägt, der ist erst einmal verwirrt, dem erscheint der Koran unzusammenhängend, der stört sich an den vielen Wiederholungen, den abgebrochenen oder mysteriösen Sätzen, den Anspielungen, deren Bezüge rätselhaft bleiben, den rabiaten Themenwechseln, der Uneindeutigkeit der grammatischen Person und den vieldeutigen Bildern.
Die Schwierigkeit, den Koran über längere Passagen hinweg verstehend zu lesen, stellt sich nicht nur in Fußgängerzonen. Bis in unsere Zeit bestritten westliche, von der Bibelwissenschaft geprägte Forscher die Authentizität des Korans mit Hinweis auf seine chaotisch, ja zufällig anmutende Struktur. Der Koran in der vorliegenden Form sei erst das Produkt einer späteren Zeit und verdanke sich vielen verschiedenen Autoren, deren Erzeugnisse willkürlich zusammengesetzt worden seien. Von Muslimen wird das natürlich bestritten, denn mit einer späteren Entstehungszeit und einer anonym-kollektiven Autorenschaft würde die Grundlage des Islams obsolet.
Allen Rechtgläubigen sei empfohlen, Angelika Neuwirth zu lesen. Als Wissenschaftlerin ist sie überhaupt damit bekannt geworden, mit ihrem ersten großen Werk, den Studien zur Komposition der mekkanischen Suren, dass sie durch die mikroskopisch genaue Lektüre die poetische Geschlossenheit, die in sich schlüssige Bildmatrix und weitgehende textliche Unversehrtheit des Korans nachwies. Eben das, was dem bloßen Leser, erst recht dem Leser einer allgemein verständlichen Übersetzung, rätselhaft, unzusammenhängend, ermüdend erscheint, die Wiederholungen, Anakoluthe, der plötzliche Wechsel der grammatischen Person oder surreal wirkende Metaphern, macht für den arabischen Hörer die Qualität der koranischen Sprache aus – oder ist der Grund, warum James Joyce vom Koran fasziniert war. So bestätigt die historisch-kritische Textwissenschaft, von der Rechtgläubige oft meinen, dass sie gegen den Islam gerichtet sei, in großen Zügen das überlieferte Bild der islamischen Heilsgeschichte. Der Koran ist in seinen wesentlichen Bestandteilen das Werk einer Zeit und eines ingeniösen, sprachlich hochbegabten Geistes. Allein, wer ist dieser Geist?
Die Antwort, die Angelika Neuwirth auf diese Frage gibt, ist für Rechtgläubige schon sehr viel unbequemer. Denn in den Arbeiten, die nach den Studien zur Komposition der mekkanischen Suren entstanden, nimmt sie den mündlichen Charakter des Korans in den Blick und weist seine performativen Elemente nach. Das heißt, der Koran ist nicht nur ein Text, der vorgetragen werden muss und sich, vergleichbar einer Partitur, erst in der Aufführung verwirklicht. Nein, der Text selbst, wie er uns vorliegt, ist in Teilen die Mitschrift, das nachträgliche, sicher bearbeitete Protokoll einer öffentlichen Rezitation, einer Aufführung. So besteht der Koran nicht aus den Aussagen eines Sprechers, sondern nimmt die Einwürfe eines gläubigen oder ungläubigen Publikums auf – sowie die spontanen Reaktionen auf diese Einwürfe, die immer wieder auch zu abrupten Themenwechseln führen.
Damit jedoch haben die ersten Hörer des Propheten, hat die Gemeinde einen substantiellen Anteil am koranischen Text und vollzieht sich bereits im Koran selbst der Übergang von einer mündlichen zu einer schriftlichen Kultur. Liest man den Koran so genau, wie Angelika Neuwirth es zum Beispiel gibt, dann wird deutlich, dass er kein Diktat, sondern ein Gespräch ist, ein Für und Wider, Frage und Antwort, Rätsel und Auflösung, Warnung und Furcht, Verheißung und Hoffnung, die Stimme eines Einzelnen und der Refrain eines Chors. Dass Gott im Koran spricht – daran muss man glauben. Aber zu erkennen, dass der Mensch im Koran antwortet – dafür genügt Philologie.
Dieses Gespräch, das der Koran ist, findet nicht nur mit den unmittelbaren Zuhörern des Propheten auf der Arabischen Halbinsel des 7. Jahrhunderts statt. In ihren jüngeren Arbeiten, die in der Propädeutik ihres vielbändigen Korankommentars münden, legt Angelika Neuwirth die Einbettung der islamischen Offenbarung in die Kultur der Spätantike offen – in dieselbe Zeit und denselben Kulturraum also, in denen sich auch die jüdische und christliche Theologie herausgebildet haben.
Wohlgemerkt, hier geht es nicht um eine der üblichen Auflistungen, wo überall arabisches Denken auf die westliche Wissenschaft eingewirkt hat. Dass ein Hauptstrang der europäischen Aufklärung in die arabische Kultur zurückführt, insbesondere in die judeo-islamische Philosophie, wusste man in Deutschland spätestens seit der Wissenschaft des Judentums, wenn es auch der amtierende Innenminister noch nicht weiß. Angelika Neuwirth geht es um etwas anderes: Sie macht deutlich, dass bereits der Koran selbst, das Gründungsdokument des Islams, ein europäischer Text ist – oder umgekehrt Europa schon seiner Entstehung nach auch zum Islam gehört. Den Sprengstoff dieser Forschung wird kein Sicherheitsorgan entschärfen können. Er wird unsere geistige Landschaft grundlegend und sehr anhaltend erschüttern.
Wie bereichernd diese Erschütterung sein könnte, das lässt Angelika Neuwirths allerjüngste Arbeit erahnen, der erste Band ihres Korankommentars. Indem sie die vielfältigen biblischen, platonischen, patristischen und talmudischen genauso wie die altarabischen und innerkoranischen Bezüge aufspürt, indem sie vor allem die sprachliche Struktur des Korans als eines poetischen Texts, als Partitur für den gesungenen Vortrag ernst nimmt, wird erkennbar, wie sehr der Koran die gesamte Kultur des östlichen Mittelmeeres eingeatmet hat. Und wie sehr sein Ausatmen wiederum diese unsere Kultur durchdringt. Wenn nur ein Text in der Geschichte der Weltreligionen, dann ist der Koran jenes von unserer Akademie so oft zitierte Gespräch, das wir sind. Und ist doch jetzt schon Musik.
Erschienen sind ihre Bücher zum Koran übrigens im Verlag der Weltreligionen, und aus dem Anlass, den jeder von Ihnen kennt, möchte ich an dieser Stelle auch ausdrücklich die Verlegerin würdigen, Ulla Berkéwicz, die ein so phantastisches Programm wagt.
Nun bin ich in meiner Laudatio nur auf Angelika Neuwirths große und großartige Arbeiten zum Koran eingegangen. Ihre zahlreichen Aufsätze zur klassischen und modernen arabischen Poesie, etwa zum bedeutenden palästinensischen Dichter Mahmud Darwish zu würdigen, bedürfte es einer weiteren Rede. Ich habe Angelika Neuwirth auch nicht als Anstifterin vorgestellt, die sie ebenfalls ist, als Anstifterin nicht nur des umfassenden Projektes zur Textgeschichte des Korans an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, sondern unzähliger kleiner Forschungsprojekte. So gut wie jeder, der in Deutschland zum Koran oder zur klassischen arabischen Poesie arbeitet, auch der Laudator, ist durch ihre Schule gegangen, ist von ihrer Begeisterung angesteckt und von ihrer Loyalität getragen worden. Zugleich lebt sie viele Monate des Jahres im Nahen Osten, hat ein Schlafzimmer in Beirut und eines in Jerusalem, betreut eine ganze Schar von frommen Studenten aus der islamischen Welt und hält Vorträge eben nicht nur in Harvard und Princeton, sondern an vielen arabischen Universitäten und an den wichtigsten islamischen Institutionen.
Seit ich sie kenne, habe ich mich gefragt, wie sie das bewerkstelligt. Die Zeit ist das eine – dass so viel Arbeit in ein einziges Leben passt. Aber weshalb hört man ihr, obwohl ihre Forschungen die Grundlagen des islamischen Glaubens berühren oder sogar ins Wanken bringen können, gerade in den Zentren der islamischen Gelehrsamkeit so genau zu? Ich glaube, das hat mit ihrem Gestus zu tun, ihrer empathischen Treue zum Text, ihrer Ernsthaftigkeit und wohl auch eigenen Religiosität. Und das wäre vielleicht etwas, was von dieser Philologin insgesamt für das Verhältnis der säkularen Öffentlichkeit zur Religion zu lernen wäre: Man darf in Frage stellen, was anderen heilig ist, man darf die Grundsätze eines jeden Glaubens selbstverständlich kritisieren – aber man sollte ernst nehmen und auch respektieren, dass es für andere Menschen heilige Grundsätze sind.
Ich gratuliere Angelika Neuwirth zum Sigmund-Freud-Preis und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.