Sigmund-Freud-Preis

Der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa wird seit 1964 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen. Ausgezeichnet werden Wissenschaftler, die in deutscher Sprache publizieren und durch einen herausragenden Sprachstil entscheidend zur Entwicklung des Sprachgebrauchs in ihrem Fachgebiet beitragen. Der Preis wird von der ENTEGA Stiftung gefördert und jährlich während der Herbsttagung der Deutschen Akademie in Darmstadt vergeben. Seit 2013 beträgt die Dotation 20.000 Euro.

Preisträger

Arnold Esch

Arnold Esch

Historiker
Geboren 28.4.1936

Sigmund-Freud-Preis 2011
Laudatio von Gustav Seibt
Dankrede von Arnold Esch
Urkundentext

Arnold Esch, dem präzisen Quellenforscher, Erzähler und Essayisten, der in seinen Büchern und Abhandlungen die glanzvolle Tradition einer vor dem Hintergrund Roms in deutscher Sprache verfassten Gelehrtenprosa lebendig erhält...

Jurymitglieder
Juryvorsitz: Präsident Klaus Reichert
Vizepräsidenten Heinrich Detering, Peter Hamm, Ilma RakusaBeisitzer Peter Eisenberg, Wilhelm Genazino, Joachim Kalka, Per Øhrgaard, Gustav Seibt, Werner Spies

Laudatio auf Arnold Esch

LAUDATOR
Gustav Seibt
Geboren 10.3.1959
Historiker, Literaturkritiker und Journalist

Im Nachruf auf seinen Göttinger Lehrer Hermann Heimpel hat Arnold Esch dessen hohe Kunst des historiographischen mot juste gerühmt, der treffenden Formulierung, die »Schauen und Denken, Denken und doch Schauen« verbindet, die Fähigkeit, im klug ausgewählten Detail immer auch ein Ganzes zu erfassen. Ein Beispiel für solche Anschaulichkeit bietet die Beobachtung, dass die vor der Reformation im nordostdeutschen Raum eingesammelten Gelder für den päpstlichen Ablass »leibhaftig – in anfassbarer Münze – über weite Strecken sozusagen zu Fuß nach Rom abwanderten«. Warum taten sie das? Weil dieser wirtschaftlich zurückgebliebene Raum nicht an die untergründigen Kanäle des damals schon entwickelten bargeldlosen Zahlungsverkehrs angeschlossen war, weil zwischen Ostsee und Elbe Filialen der florentinischen Papstbankiers fehlten, die Wechselbriefe ausgestellt hätten.

So mussten die mit Eisenreifen umschmiedeten Geldkisten über Hunderte Kilometer, von bewaffneten Eskorten begleitet, durch die deutschen Lande verbracht werden, zum Staunen des Volkes am Wegrand. »Um es pointiert zu sagen«, fährt Arnold Esch, von dem dieses Beispiel selbstverständlich stammt, fort: »der banktechnische Rückstand potenzierte den Eindruck, die Papstfinanz beute vor allem die Deutschen aus, presertim ipsos Germanos ...« Altmodisch zu Fuß nach Rom wanderndes Geld, das durch Sichtbarkeit zu einer Ursache des Epochenbruchs Reformation wird – das ist eines jener mots justes, deren Kunst Esch bei Heimpel gelernt haben mag, die er selbst aber zur höchsten Entfaltung gebracht hat.

Ich könnte es mir nun leichtmachen und die nächste Viertelstunde mit einer Perlenkette solcher Beispiele füllen, um unwiderleglich zu machen, was jeder hier weiß, dass Arnold Esch ein grandioser Empfänger für den Sigmund-Freud-Preis ist. Ich könnte in dieser Beispielreihe mit einem Papst beim Picknick aufwarten – Pius II. –, mit Berner Söldnern, die nach Italien ziehen, mit den Abenteuern spätmittelalterlicher Jerusalem-Reisender, mit Luthers Wohnviertel in Rom, mit dem Sacco di Roma von 1527, mit italienischen Kaufleuten in der Diaspora – Multikultur im Spätmittelalter also mit dem, was römische

Zoll-Listen über heilige Jahre und kurialen Konsum verraten, mit einer populären stadtrömischen Heiligen, die man bei Depressionen anruft – und hätte Sie hoffentlich glänzend unterhalten.

Und aus all diesen Beispielen würde sich das Bild eines überwältigend vielseitigen Sozialhistorikers, Kirchenhistorikers, Kunsthistorikers, Alltags- und Mentalitätshistorikers, ja eines zum Historiker verwandelten klassischen Archäologen formen, der den weltgeschichtlichen Übergang von der Antike zum Mittelalter an wiederverwendeten römischen Steinen und Reliefbruchstücken sichtbar machen kann. Ein Ausflug würde dazu noch in die Familiengeschichte des Preisträgers führen, nämlich zu einem pietistischen Vorfahren am Niederrhein, der um 1830 ein »Mechanicus« der Frühindustrialisierung wurde. Und so würde sich eine Geschichte runden, die den 1936 in Westfalen geborenen Pfarrersohn über akademische Stationen in Göttingen und der Schweiz nach Rom führt, wo seine wissenschaftliche Laufbahn in der unendlich reizvollen Lebensform des Deutschrömers ihr glanzvolles Ziel findet.

Aber dann hätten wir doch nicht verstanden, was dieses bunte, reiche, einfallsreiche und immer innovative, übrigens meist in Abhandlungen, die erst später zu Büchern wurden, vorliegende Werk zusammenhält. Wenn man aber nicht nur Forscherfleiß und wissenschaftliches Ingenium, sondern eine Lebensarbeit begreifen will, muss hier doch dieser »große, schreckliche Name Rom« (wie Italiener im 19. Jahrhundert sagten) in den Mittelpunkt rücken. Mit Rom nämlich sind durch irgendeinen Faden fast alle Themen Arnold Eschs verbunden, und sei es der unsichtbare Faden des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.

Rom aber, so hat Esch es gesagt, steigt als Erinnerungsort aus der »Grundsuppe des Gemüts«; und wenn in der Schule von Rom die Rede war, sei ihm, so hat er bekannt, »buchstäblich ein Fieber« gekommen, obwohl er noch nicht da gewesen war. Wie Generationen deutscher Bildungsbürgerkinder, seit Goethe und noch über Sigmund Freud hinaus, war der junge Esch nämlich doch schon dort gewesen, bevor er die Basaltsteine der Urbs selbst betrat, nämlich in lateinischen Texten und dicken Büchern. Ausdrücklich hat er sich zur heute selten gewordenen Lektüre von Felix Dahns Ein Kampf um Rom bekannt, mit dem Zusatz: Gut, dass es wenigstens ein Kampf um, und nicht gegen Rom war.

Und hier ist wieder ein Zitat fällig.

»Der düstere Reiz dieser Stadt (...) wurde durch die Lage inmitten einer eigenartigen Landschaft noch erhöht. Begrenzt von den Tuff-Einbrüchen im Nordwesten, von Sabiner- und Albanergebirge im Osten und Süden, war die Campagna, seit den Tagen der Spätantike aufgelassen, nur noch ein Feld extensiver Weidewirtschaft – eine öde Fläche, durch die der Tiber ohne Ufer träge zum Meer schlich, düstere Türme und verfallene Aquädukte zwischen Tümpeln und Gebüsch, aus dem die Wölfe bis in die Straßen der Stadt streiften: Man wusste sie vor dem Haus, wenn nachts die Hunde anschlugen, und am Morgen fand man Leichen ausgescharrt auf dem Friedhof neben Sankt Peter. Rings eine Wüstenei, die durch die gebrochenen Mauern Aurelians in die Stadt eindrang und erst vor dem Südhang des Kapitols Halt machte.«

Das ist nicht Felix Dahn, denn die Spätantike ist hier ja schon vorbei, sondern Arnold Esch, der uns das Rom des späten 14. Jahrhunderts vor Augen stellt, und zwar in seiner 700 Seiten dicken, für ein Jugendwerk bestürzend gelehrten Doktorarbeit über Papst Bonifaz IX. und den Kirchenstaat, eigentlich einer Strukturgeschichte Mittelitaliens um 1400.

Das also ist der Raum, in den man sich wagen muss, wenn man Rom-Historiker wird: Landschaft und Wegzeichen gemahnen an Jahrtausende; der Ton des Erzählens ist längst gesetzt, und zwar von der imposantesten epischen Tradition auch der deutschen Historiographie, durch Ranke, Mommsen, vor allem Ferdinand Gregorovius, jenen Autor, der sagte (und Esch zitiert es gern), der Blick über Rom mache einen »mehr zum Philosophen als hundert Winterabende über dem Aristoteles«. Und wenn es nur das wäre! Aber Rom ist eben längst auch die Stätte des höchsten Professionalisierungsgrades moderner Einzelforschung geworden – spätestens seit der Öffnung der Vatikanischen Archive 1881. Im 19. Jahrhundert entstanden hier, vorangetrieben von Instituten aller europäischen Nationen, auch Deutschlands, jene umfassenden Unternehmungen – Inschriftencorpora, Regesten- und Urkundensammlungen –, »die wie riesige Mähdrescher wirken, die ganze Überlieferungslandschaften flächig abfraßen und gleich anschließend wohlsortierte, dichtgepresste Bündel erfasster Überlieferung ausstießen« – die Formulierung stammt von Arnold Esch.

Man ist heute in Rom also Erbe von zwei übermächtigen Traditionen, in zwei Namen: von Gregorovius, dem selbstforschenden und -denkenden Erzähler, und von Paul Fridolin Kehr, dem Großorganisator und Wissenschaftsgeneral, der erzählende Darstellungen für Journalismus hielt, unmöglich im Zeitalter filigraner handwerklicher Arbeitsteilung. Eine wahrhaft erschreckende Bürde, die schwächere Geister zum Verstummen bringen kann. Und Arnold Esch wurde als Direktor des »Deutschen Historischen Instituts« seit 1988 ja ganz buchstäblich ein Nachfolger vor allem der Stil und Ton aller Rom-Historie so leicht erstickenden positivistischen Tradition, jener Mähdrescher-Forschung, die er nun sogar amtlich zu leiten hatte. Da ist nun wichtig, dass Esch schon kurz nach seinem Amtsantritt durch den großen Gregorovius-Kongress seines Instituts 1991 auch die vorpositivistische Rom-Tradition wieder in ihr Recht setzte, unter anderem durch den von ihm selbst geführten Nachweis, wie gründlich und neuartig als Forscher der so phantasievoll erzählende Gregorovius gearbeitet hat.

Doch vor allem hat Esch auf die beiden historiographischen Rom-Traditionen, die ja für das Bild der Geschichtswissenschaft in Deutschland insgesamt stehen, ganz grundsätzlich reagiert, in zwei Abhandlungen, die jeder kennen sollte, der über Geschichte nachdenkt. Zeitalter und Menschenalter heißt die eine, 1984 entstandene, Überlieferung-Chance und Überlieferungs-Zufall die andere von 1985. Die erste stellt an Dutzenden brillant gewählter Beispiele aus allen Epochen den Abstand zwischen erfahrener und gewusster Geschichte dar, also den Zwiespalt in jedem Leben, das, mit Kierkegaard, nach vorne gelebt und nach rückwärts verstanden wird.

Da der Historiker immer auch mehr weiß als der Zeitgenosse, wird er geneigt sein, vergangenes Leben in einen übergreifenden Zusammenhang einzuordnen : »Um 1480 sind alle die großen Entdecker schon geboren, aber sie sind noch keine Entdecker: sondern kleine Küstenschiffer, Handwerker, Offiziere, die nie das Meer sahen«, so Esch, »jeder für sich zulebend auf ein welthistorisches Ereignis, das in Gang zu setzen die wenigsten von ihnen beitragen werden, das voranzutreiben sie aber alle erfüllen wird, und das dann, sie selbst wie uns, glauben machen wird, alles sei auf diesen Augenblick zugetrieben, als sei Pizarro an jedem Punkt seines Lebens bereits der, der das Inka-Reich zerstören wird.« Dieses rückblickende Wissen versuchsweise wieder zurückzunehmen, um die ursprüngliche Blindheit wiederherzustellen, hält Esch nicht nur für einen notwendigen Erkenntnisschritt, sondern geradezu für ein Gebot der Humanität gegenüber den Toten. Denn ihr Wirken und Leiden lässt sich aus dem primären Nichtwissen des Folgenden erst begreifen und gerecht beurteilen. Und das ist ein großer Einspruch nicht nur gegen die epischen Formen des Historismus, sondern auch noch gegen die abstrakten Begriffe moderner Sozialhistorie. So wurde Esch, übrigens ganz unabhängig von der gleichzeitigen Mode jüngerer Fachkollegen, zu einem Historiker der Wahrnehmungen und Erfahrungen.

Der zweite Einspruch kommt von der Seite der Quellen, für den Mittelalterhistoriker besonders heikel, weil es hier nicht ums Wissen, sondern ums Nichtwissen geht. Vielleicht weil Esch auch klassischer Archäologe ist, kann er schriftliche Überlieferungen wie Trümmerlandschaften anschaubar machen: Ihr Zustand ist nämlich nicht einfach ausgedünnt, die Verluste der Zeit betreffen nicht nur den Maßstab, sondern vor allem auch die Proportionen. Wenn in der Überlieferung eines Städtchens zwar über zweihundert Friseure, aber nur ein Bäcker urkundlich bezeugt sind, sieht man gleich, dass das nicht stimmen kann. Aber man stockt auch, wenn man erfährt, dass in der reichen Urkundenüberlieferung der Gewerbestadt Lucca im 12. Jahrhundert fast ausschließlich geistlicher Grundbesitz dokumentiert ist: Das Mittelalter wird agrarischer und geistlicher durch eine Überlieferung, die Handelsverträge nach dem Auslaufen einfach wegwirft oder in weltlicher Hand das Archivieren noch gar nicht gelernt hat. Man muss also, wie Esch sagt, im Dunkeln sehen lernen, sonst gleicht man dem Mann, der seinen verlorenen Schlüssel nur unter der Laterne sucht, weil dort eben Licht ist. Auch dieser Befund ist ein Einspruch der Humanität, zugunsten all der Verlorenen und Verstummten, die wir nicht mehr auferwecken können, an die aber zu denken der Historie aufgegeben bleibt.

Und so wurde dieser eindringlich genaue, ausgreifende, sich in immer neue Themen verwickelnde Archivforscher und Geschichtenerzähler auch zu einem Theoretiker, dessen Grundsatztexte ihren Rang neben den Abhandlungen Reinhart Kosellecks behaupten. Aus diesen Einsprüchen gegen große Zeitbegriffe und voreilige Extrapolationen ist nicht nur Forschungspraxis geworden, sondern vor allem jener nie abstrakte, immer anschauliche Stil, für den wir heute unseren Autor ehren – eine wissenschaftliche Schreibart, die so viel wie möglich von der Handgreiflichkeit der erfahrenen Geschichte in die gewusste Historie herüberretten will. Der begnadete Forscher Esch hat immer wieder da, wo der Überlieferungszufall günstig ist, die Chance ergriffen, das Leben und die Sichtweisen der sonst Namenlosen ans Licht zu heben, beispielsweise in den auf Deutschland bezüglichen Akten der Apostolischen Pönitentiare, die vom Deutschen Historischen Institut Band für Band herausgegeben werden. Die dort angelegten Supplikenregister mit Bittschriften enthalten Hunderte Fallgeschichten aus einem oft wilden Alltag, den Esch zu einem Wimmelbild von Breughel’scher Fülle ausgestaltet hat, in seinem Buch Wahre Geschichten aus dem Mittelalter.

Einer meiner Lieblingstexte zeigt einen vollkommen anderen, überraschenden Ausschnitt. Denn Esch, der mit leichter Hand auf fünfzehn Seiten die RomErfahrungen von Genies wie Winckelmann, Goethe und Humboldt skizzieren kann, war sich nicht zu schade, zusammen mit Doris Esch, seiner gelehrten Frau, die wir hier nicht vergessen wollen, die Akten eines beim Deutschen Archäologischen Institut auf dem Kapitol angesiedelten evangelischen deutschen Hilfsvereins für die Jahre 1896 bis 1903 zu durchforsten und einmal »Italien von unten erlebt« vorzuführen, aus der Sicht wandernder deutscher Handwerker, Künstler, Kellner oder Vagabunden. Da geht es um Kleider-, Nahrungs- und Geldspenden, Arbeitsvermittlung, Gesundheitsversorgung.

Auch hier werden natürlich erst einmal Proportionen festgestellt – die häufigsten Kunden sind Sachsen, gefolgt von Bayern, aber auch Berliner, was nicht überrasche. Ausnahmsweise wird auch ein katholischer Italiener nicht abgewiesen und vollständig eingekleidet: »Es ist derjenige Junge, welcher alle Bürgersteige Roms mit Kohle- und Kreidezeichnungen vollschmiert«, sagt der Prüfvermerk. Und das ist das Herrliche an diesem Aktenbestand: Auf einmal bekommen wir handtellergroße Lebensbilder von nicht-gebildeten, nicht-reichen Rom-Reisenden, von denen wir sonst nichts wüssten. Ich zitiere: »Um Rom zu sehen«, kommt ein junger Küfer aus Mainz. Ein 33-jähriger Weber »ist aufs Geratewohl nach Italien und bis nach Rom gelaufen, weil er soviel davon gehört hat«, »ohne Absicht auf Arbeit.« »Einem jungen Bäcker aus Sachsen wird anerkennend attestiert, er habe ›Pompeji mit mehr Verständnis angesehen als man ihm Zutrauen sollte‹« Und »ein junger Schlosser ›hat sich bis Messina herumgetrieben‹, ein Bäcker ›in Brindisi und Bari herumgearbeitet‹«, was ja eine fast Robert Walser‘sche Wortprägung ist.

Das also ist auch eine Antwort auf das Rom der Cäsaren und Päpste, der Macht, der Finanz und der Kunst des großen Stiles, das Esch so inständig erforscht, nämlich das ebenfalls ewige Rom der kleinen Leute mit ihren lebenszeitlich ausreichend aufregenden Lebensläufen. Auch diese Menschen haben ihren Kampf um Rom geführt, und dass sie nun eine Stimme erhalten, ist nur gerecht, es gehört auch in den großen Strom der Überlieferung neben Ranke und Gregorovius.

Im Berner Staatsarchiv hat Arnold Esch einen Bestand vorgefunden, der mit »Unnütze Papiere« bezeichnet war, aber doch aufgehoben wurde. Darin fand er nun hochnützliches Material über Bauernsöhne des Berner Oberlandes, die in den norditalienischen Kriegen um 1510 bis 1515 als Soldaten mitkämpften, nicht zuletzt in Mailand. Daran knüpft Esch Betrachtungen über die Schweizer Soldaten in den Kämpfen dieser Zeitenwende, und da wird die Perspektive noch einmal riesenhaft und weltweit. Denn die Berner waren nicht nur in den Italienkriegen des frühen 16. Jahrhunderts dabei, sondern auch schon auf den Weltreisen nach Indien und Südamerika. Da tut sich, Überlieferungsglück, eine nun doch romanhafte Fernsicht auf, die man nicht einmal einem Felix Dahn, fast eher schon Karl May, Zutrauen würde: »Man vergisst leicht«, so Arnold Esch, »dass die, die damals auszogen, die Welt zu erobern, oft vorher schon in Italien gekämpft hatten: dass die, die das Reich der Inka zerschlugen, vorher schon, im Sacco di Roma 1527, das Rom der Renaissance zerschlagen halfen.« Kann man Weltgeschichte spannungsreicher in einen einzigen Satz bringen?