Johann-Heinrich-Voß-Preis

The »Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung« (Prize for Translation) has been awarded by the German Academy for Language and Literature since 1958 for the »outstanding achievements in translation,« with a particular emphasis on the translation of literature into German.
The prize is awarded annually at the spring conference of the German Academy.
The Johann Heinrich Voß Prize has been endowed with €15,000 since 2002.

Awardees

Anne Weber

Anne Weber

Writer and Translator
Born 13/11/1964

Johann-Heinrich-Voß-Preis 2016
Laudatory Address by Wolfgang Matz
Acceptance Speech by Anne Weber
Diploma

... für ihre Übertragungen aus dem Französischen [...] von außergewöhnlicher stilistischer Sicherheit ...

Jury members
Kommission: Iso Camartin, Elisabeth Edl, Aris Fioretos, Zsuzsanna Gahse, Daniel Göske, Per Øhrgaard und Ilma Rakusa

Mitglieder des Erweiterten Präsidiums

Gegenverkehr

LAUDATOR
Wolfgang Matz
Born 1955

Hoch oben der Himmel ist groß und licht, und wenn er will, ist er von verschwenderischer Pracht. Aber die Menschen reichen bekanntlich nicht an den Himmel, und deshalb müssen sie sich begnügen, begnügen mit der kargen Erde, mit einem Acker, einem Dorf, einer Hütte, mit einem einzigen Leben. Antoine Péluchet, von seinem Vater im Streit aus dem Haus gewiesen, verschwindet auf immer, und keiner weiß, endete er als reicher Mann in Amerika oder als Zuchthäusler auf der Île de Ré; der alte Foucault, der Bauer, erwartet im Provinzkrankenhaus seinen Tod, denn als Analphabet will er sich nicht mehr den Kliniken der Großstadt Paris ausliefern und der erbarmungslosen Herrschaft der Schrift; hier Eugène und Clara, ein Paar, dessen Altwerden jede Philemon-und-Baucis-Romantik zum Mythos macht; dort Georges Bandy, Landpfarrer, Leidensmann in einer armen, fast unchristlichen Welt.
Noch heute gibt es dies unbekannte Frankreich, dort, wo kein TGV und keine Autobahn sich blicken lässt, im Cantal, in der Corrèze, auf dem Plateau de Millevaches, und in manchem Dorf ist zwar kein Bäcker mehr zu finden, aber den Bahnhof, den können Sie kaufen, die letzte Bimmelbahn ist stillgelegt seit Jahren. Jeder kennt diese lange Tradition der französischen Literatur, diese Romane aus einer kargen, einfachen Welt, über einfache, wortkarge Menschen, und weil sie dann auch in einer ebensolchen, einer einfachen kargen, wortkargen Sprache geschrieben sind, braucht Anne Weber sie nicht zu übersetzen. Unser Buch aber ist etwas ganz anderes, weder einfach noch, erst recht, wortkarg, und um das zu verstehen, zu entdecken, um das auch auf Deutsch lesen zu können, dafür brauchte es Anne Weber unbedingt.
Im Jahre 2004, zwei Jahrzehnte nach dem Original, ist ihre Übersetzung der Vie minuscules als Leben der kleinen Toten erschienen, und erst durch dieses Buch ist Pierre Michon, der in Frankreich längst als Meister der Prosa galt, auch in Deutschland entdeckt worden. Dass Michon 2010 dann mit dem berühmten Petrarca-Preis geehrt wurde, ist ganz besonders auch Anne Webers Verdienst, denn ohne ihre Übersetzungen hätte die kluge, aber deutschsprachige Jury kaum ihre großartige Entscheidung treffen können; damals – diese persönliche Anmerkung sei gestattet – hatte ich die Ehre, die Laudatio auf Pierre Michon halten zu dürfen, und so tue ich nichts lieber, als heute das entsprechende, längst überfällige Lob auf Anne Weber anzustimmen.
Anne Weber ist ein Phänomen. Ich lobe sie heute für etwas, dessen Möglichkeit ich seit Jahr und Tag bestreite: Sie übersetzt vom Französischen ins Deutsche und sie übersetzt vom Deutschen ins Französische und, um das Maß vollzumachen, sie übersetzt schließlich noch ihre eigenen Bücher von hier nach dort. Doch so vielseitig in dieser Hinsicht, so überaus wählerisch ist sie in jeder anderen. Von Anne Weber übersetzt zu werden ist selbst schon eine Art Preisverleihung, und wer sie einmal auf dieses oder jenes Werk hingewiesen hat, das hierzulande alle über den grünen Klee loben, der muss sich dann trotzdem auf eine höchst kritische Antwort aus Paris gefasst machen. Indem sie nur das von einer Sprache in die andere trägt, was sie wirklich schätzt, ist sie eine zwar sehr selektive, aber gerade dadurch bedeutende Vermittlerin wirklicher Literatur zwischen den beiden Kulturen geworden.

Was Anne Weber vor allem reizt, das ist offensichtlich die Sprache. Und deshalb ausschließlich solche Autoren, die eine eigene Sprache haben, einen eigenen Wortschatz, einen Rhythmus, kurz: ein ausgeprägtes Bewusstsein von Stil. Dass sie sich damit aufs schwierige Register beschränkt, versteht sich, doch auch dass Pierre Michon, von dem sie drei Bücher übersetzt hat, für sie der ideale Autor ist. Nichts von neorealistischer Prosa aus dem einfachen, harten Leben, nein, im Gegenteil; und jemand, der die gut 230 Seiten vom Leben der kleinen Toten übersetzt, der liefert damit den Beweis seines Könnens für einen Reichtum an Tempi, Tonlagen, Klangfarben, Stilebenen, für die es gewöhnlich fünf oder sechs Romane von vier oder fünf Autoren braucht, denn Michon ist zugleich und abwechselnd Realist und Fabulierer, ist hart und pathetisch, grotesk, egozentrisch, sentimental, selbstzerstörerisch, mitfühlend, tragisch, untröstlich, komisch, dramatisch, elegisch, ist minimalistisch wie Samuel Beckett und rhetorisch wie Victor Hugo, treibt die Suche nach dem einzig richtigen Wort so weit wie sein Bruder im Wahnsinn Gustave Flaubert und den Überschwang der Sätze wie der Bruder im Suff François Rabelais, womit en passant ein paar seiner Hausgötter genannt sind, und deshalb ist Michon natürlich einer, der Grammatik und Syntax seiner eigenen Sprache hochbewusst bis an die Grenzen treibt, genau weiß, wie er über Proustsche Kaskaden hinweg den Leser sicher durch vier Nebensätze und zwei Partizipialkonstruktionen schickt, den Rhythmus im ersten Nebensatz steigert, im zweiten abbricht, und am Ende trotz allem genau hinauskommt auf die eine Wendung, den einen Satz, das eine Wort, das dem Ganzen seinen Sinn verleiht, seine Kraft, seinen grandiosen, zuweilen verstörenden Abschluss. Und jeder sollte wissen, welche Herausforderung es ist, einen so forcierten Stil aus dem Französischen hinüberzuschaffen in unser Deutsch, dessen Schwerkraft fast sämtliche Worte zwangsläufig an Stellen befördert, wo sie nun wirklich nichts zu suchen haben (und in vielen Übersetzungen stehenbleiben bis zum jüngsten Gericht).
Was hätte ein andrer Autor wohl aus der Geschichte des armen Landpfarrers Georges Bandy gemacht – und was ein anderer Übersetzer aus Michons unerhörter, hochartistischer Leidensmoritat dieses quasi-franziskanischen Heiligen unserer Zeit, Narr Gottes auf dem klapprigen Moped, halb Bernanos, halb Fernandel, dessen Leben Michon vorantreibt bis zu jenem aberwitzigen Gottesdienst in einer Heilanstalt, dem der geschundene Autor selbst als Insasse beiwohnt und dessen dennoch genau ausgezirkelte Satzdramaturgie in Anne Webers Worten kongenial (nur im Irrenhaus genieße ich einmal das extraplatte Adjektiv), kongenial irr-präzise überkippt in einen wahrhaft irrsinnigen Hexensabbat: »Raben und Wildschweine bewegten die Gemüter der Idioten. Sie brachen in Gelächter aus, schnappten ein beliebiges Wort des Pfarrers auf, wiederholten es in verschiedenen Variationen; der Krankenpfleger schnauzte sie an; in diesem Tohuwabohu hielten wie immer ein paar nicht aus der Ruhe zu bringende Schizos Andacht, versunken in Abwesenheit und Rätselhaftigkeit, ihren engelgleichen Attributen. Neben mir betrachtete Thomas mit grausam-verzückten Gesicht die Ecke Himmel, die an dem schwarzen Balken hing. Von dort aus stürzte mit den wirr durcheinanderfliegenden Spatzen der Engel einer Dürerschen Anbetung auf ihn herab, oder die ekelerregenden Larven der Versuchung. Auf alldem lag etwas Schändliches, nicht Bekennbares, vom Schlimmsten nicht weit Entferntes. Der Pfarrer nahm die Messe wieder auf; er weihte das Brot, der Sohn erschien, die Bekloppten zappelten; die Kirchentür öffnete sich krachend: auf der Schwelle betrachtete schwer atmend ein aztekischer Gott den wahren Leib.«

Das Einfache ist nicht leichter zu machen – als wolle sie auch das beweisen, hat Anne Weber zuletzt Georges Perros ins Deutsche gebracht, eine wahre, stille Heldentat für diesen hierzulande fast unbekannten Bretonen. Sein autobiographischer Gedichtroman heißt im Original Une vie ordinaire, ein gewöhnliches Leben, und so ist die Verwandtschaft mit Michon bereits verraten. Doch nichts von der barocken Wortpracht, mit der die schäbige Dorfkirche zur Pyramide des Sonnengottes wird; bei Perros ist alles Zurücknahme, Lakonik, und wo es komisch wird, da nicht mit Pauken und Trompeten und der großen Orgel aus Notre-Dame, sondern mit einem Sprachwitz, der just da zwischen zwei unscheinbaren Worten herausschaut, wo keiner ihn erwartet. Jeder weiß, wie schwer es ist, aus Umgangssprache Literatur zu machen, und Perros gelingt das, indem er ein Parlando erfindet, das wie leichte Alltagsrede klingt, in Wirklichkeit aber ein ganz eigenes Kunstidiom ist, in diesem Roman, der aus nichts als Gedichten besteht. »Paris das sind Provinzstädte / Man kann dort seine Jugend in drei / rangelnden Gassen verbringen / nicht ahnend dass zwei Schritte weiter / die ganze Welt neue Bilanzen zieht / So habe ich zehn Jahre lang / vom großen Paris nur die Ecke / der rue Legendre gekannt / wo ich täglich abbog / zum Schreibenlernengehen / manch einer wird sagen umsonst«. Dies schöne Substantiv »Schreibenlernengehen« findet sich natürlich nicht im Duden, und erst recht nicht in der französischen Sprache, sondern ausschließlich bei Anne Weber. Und es beweist, wie sie bei drohenden Verlustgeschäften Gewinn macht; Einfachheit und Lakonik mit einer gegliederten, betonenden Syntax zu verbinden, das ist eine Qualität der romanischen Sprachen, und will eine das entsprechende Idiom auf Deutsch erfinden, so kann sie es nur, indem sie gerade dessen ganz eigentümliche Qualitäten beim Wort nimmt, beim doppelt zusammengesetzten Substantiv in diesem Fall.

Die Faszination durch die großen Abenteuer des Unscheinbaren ist bei Anne Weber offensichtlich, sie gehört nicht zu denen, die ein großes Buch mit einem dicken verwechseln und nicht mit dem ganzen Crac-boum-hu der Weltgeschichte, und wollen wir ihr also einen deutschen Autor suchen, damit sie ihn ins Französische übersetzt, so müsste er etwa so aussehen: Unprätentiöser Flaneur in einer unprätentiösen Großstadt, natürlich weder München noch Berlin, am besten also in Frankfurt am Main, liebevoller Teilnehmer und bösartiger Beobachter des Straßenlebens zwischen Hauptbahnhof und Würstchenbude, der faulen Tauben ebenso wie der japanischen Touristinnen im Kaufhaus an der Zeil, der Alltagsstrapazen von kleinen Angestellten wie der Liebesblödigkeiten von schlechthin jedermann und jeder Frau, mit einem Wort, man müsste keinen anderen erfinden als den unwahrscheinlichsten aller Autoren, als Wilhelm Genazino, doch weil es zu unserem Glück diesen Autor bereits gibt, versucht Anne Weber Buch um Buch französische Leser für ihn zu gewinnen, und eines Tages werden die, so glaube ich fest, schon sehen, wen sie da zwischen Michon und Perros noch entdecken können. Und ich glaube fest, dass etwas in diesen Büchern vielleicht noch nicht den französischen Lesern zutiefst verwandt ist, aber doch der französischen Sprache, und das zeigt uns Anne Webers Arbeit. So manches deutsche Buch ist durch die Übersetzung ins Französische sozusagen rationalisiert, von gewissen deutschen Lastern gesäubert worden. Genazinos Eigentümlichkeit liegt nun bekanntlich bereits im Deutschen darin, dass er das Unwahrscheinlichste in die Sprache des Alltäglichsten kleidet, dass in raren und immer rarer werdenden Glücksmomenten gerade aus diesem Alltäglichsten die Epiphanie des Poetischen entspringt – aber ohne dass Genazino auch nur ein einziges Wort entleiht aus dem gefährlichen Wörterbuch der Mystik oder Mystifizierung. Im dritten Stock eines einfältigen Mietshauses, auf dem Balkon über dem abendlichen Sommerfest der Stadt, das mit Bratwurstgeruch, Laser-Show und drittklassiger Rockmusik die Straßen füllt, baut sich ein Junge aus Wäscheleine, Klammern, Wolldecken eine Höhle. Kein Wort zu viel und keins zu wenig, ohne jede explizite Andeutung, nur durch das in Worten gezeichnete Bild entspringt hier die Idee, es könne doch noch einen Ausweg geben aus unserem ganzen Schlamassel – wie schnell hat das ein Übersetzer ruiniert! Extrakluge Leute erwähnen gern, bei Übersetzungen gehe immer etwas verloren; ich versichere Ihnen, diese profane Mystik, diese poetische Epiphanie leuchtet aus Anne Webers Französisch mit dem gleichen matten Glanz wie in Wilhelm Genazinos Deutsch.

Zum Ende noch die dritte von Anne Webers Unmöglichkeiten. Ich werde auch in Zukunft daran festhalten, dass es ausgeschlossen ist, sich selbst zu übersetzen, und auch dass Anne Weber es kann, ändert nichts an meiner Meinung. Von Anfang an publizierte sie ihre Bücher in zwei Sprachen, und die scholastische Diskussion, ob sie in zwei Sprachen schreibt oder aus der einen in die andere übersetzt, können wir hier nur eben erst beginnen. Aus eigener Erfahrung weiß ich sehr gut, wie die realen und imaginären, mündlichen und schriftlichen Diskussionen, die Frage- und Antwortspiele verlaufen, die ein Übersetzer mit seinem Autor pflegt, erst recht, wenn auch der Autor beide Sprachen beherrscht. Wie soll ich mir den Dialog der beiden Annes vorstellen? Hier habe ich etwas frei übersetzt, geht das noch gut? Das etwas platte Wortspiel da, naja, das lass ich lieber weg! Und schon der Titel: Ahnen, was heißt das überhaupt, les ancêtres, die Vorfahren, oder se douter, pressentir, deviner, also eine Ahnung haben, ein Vorgefühl? Beides! antwortet die höchst anspruchsvolle Autorin ihrer Übersetzerin und schlägt ihr für das französische Buch als Titel etwas vor, was kein Übersetzer sich erlauben dürfte, nämlich das deutsche Wort Vaterland.
Anne Webers jüngstes Buch ist von der Kritik in Deutschland, besonders aber auch in Frankreich hoch gelobt worden, sehr zurecht! Ahnen dreht sich in immer weiteren Kreisen um die Figur ihres Urgroßvaters Florens Christian Rang, um Deutschland und seine Verbrechen am Judentum, um Politik und Religion, Metaphysik, Geschichte und eine Reise nach Polen, es dreht sich aber um all das in einer so eigenen, eigentümlichen, zuweilen eigenbrötlerischen Sprache, die in ihrer assoziativen Metaphorik so dicht dem Gegenstand antwortet, dass erst durch das Wie der Sprache das Was des Erzählten wirklich sichtbar wird. Wenn Anne Weber diesem ganzen monströsen Komplex des deutschen zwanzigsten Jahrhunderts, den sie dort liegen sieht zwischen sich und ihren Vorfahren, den Namen »Riesengebirge« gibt, dann zeigt das nicht nur die quantitativen Dimensionen an – das tut auch das französische »des monts géants« –, sondern nimmt in das Bild noch den ganzen assoziativen Reichtum der deutschen Mythologie hinein. Und das, versteht sich, verwandelt sich auf Französisch in etwas vollkommen anderes.
Anne Weber zitiert natürlich viel aus den Schriften von Florens Christian Rang, und schon hier kann man die Veränderung beobachten, die allein die Sprache an einem Autor vollzieht. Bereits »Deutschtum« ist tatsächlich nicht deckungsgleich mit »germanitude«, und wenn Rangs Furcht, »entblößt zu stehn als einer, der Verbotes Heiligkeit erkannte und dennoch übertrat«, sich verwandelt zu »dévoilé comme un être qui a décelé le caractère sacré de l’interdit et qui, néanmoins, l’a enfreint«, dann filtert die französische Sprache ganz unvermeidlich das hinweg, was für uns am stärksten herausklingt, der leicht manierierte, etwas feierliche Weiheton, der allein durch den preziösen Genitiv einen Bedeutungsüberschuss suggeriert, der – das Französische enthüllt es – gar nicht da ist.
Anne Weber ist ein Phänomen. Ihre Schreib- und Übersetzungsarbeit im Gegenverkehr zweier Sprachen erlaubt es ihr nicht nur, etwas eigentlich Unmögliches zu tun, sondern gerade daraus noch Gewinn zu schlagen. Vaterland (Paris 2015) ist tatsächlich die Übersetzung von Ahnen (Frankfurt am Main 2015), zugleich aber ein ganz anderes Buch. Die deutsche Version geht tief hinein in den deutschen Geschichtskomplex und seinen dunklen Metaphernreichtum; die französische antwortet darauf, indem sie die andere Sprache nutzt, unter den suggestiven Klang vorzudringen und sich damit zugleich der innerdeutschen Suggestion zu entziehen. Um dieses große Buch in seiner Komplexität zu erfassen, muss man es eigentlich – ich sagte schon, die Autorin ist anspruchsvoll – in beiden Versionen lesen.

Anne Weber lebt und schreibt zugleich in der französischen und der deutschen Sprache. Ihr Ideal als Übersetzerin besteht sicher nicht in der Identität eines Buches in beiden, weder bei Pierre Michon noch bei Wilhelm Genazino, und am wenigsten bei sich selbst. Für sie muss ein übersetztes Buch in seiner Sprache ganz aus eigenem Recht existieren. Dafür, dass ihr dies gelingt, hat ihr die deutsche Literatur so zu danken wie die französische.