Georg-Büchner-Preis

Der Georg-Büchner-Preis wurde zum ersten Mal am 11. August 1923 verliehen. Er war vom damaligen Volksstaat Hessen gestiftet und in der Landeshauptstadt Darmstadt übergeben worden. Er wurde an Dichter, Künstler, Schauspieler und Sänger verliehen.

Seit 1951 wird der Georg-Büchner-Preis von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung als Literaturpreis vergeben. Ausgezeichnet werden Schrift­stellerinnen und Schrift­steller, »die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervor­treten und die an der Gestaltung des gegen­wärtigen deutschen Kultur­lebens wesentlichen Anteil haben.« (Satzung)

Der Georg-Büchner-Preis wird jährlich während der Herbsttagung der Deutschen Akademie in Darmstadt verliehen. Die Dotation des Preises beträgt 50.000 Euro.

Preisträger

Josef Winkler

Josef Winkler

Schriftsteller
Geboren 3.3.1953

Georg-Büchner-Preis 2008
Laudatio von Ulrich Weinzierl
Dankrede von Josef Winkler
Urkundentext

... barock-expressive, rhythmische Prosa von dunkler Schönheit...

Jurymitglieder
Juryvorsitz: Klaus Reichert
Friedrich Christian Delius, Peter Hamm, Harald Hartung, Joachim Kalka, Peter von Matt, Uwe Pörksen, Ilma Rakusa, Gustav Seibt, Werner Spies, außerdem Elisabeth Abendroth (Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst), Peter Benz (Stadt Darmstadt)

Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär

1.

Es gab in diesem, im Winter tiefverschneiten, kreuzförmig gebauten Kärntner Dorf Kamering, in dem ich geboren wurde und aufgewachsen bin und das im Jahre 1897 an einem windigen Spätsommertag nach der Heuernte von zündelnden Kindern zur Gänze eingeäschert und danach wieder kreuzförmig aufgebaut worden war, keine Romane zu lesen, keine Bibel, nur Gebetsbücher mit Litaneien. Das Gebetsbuch meiner gläubigen Großmutter väterlicherseits mit dem tief eingepressten goldenen Kreuz auf dem harten schwarzen Umschlagdeckel, einen »Trostreichen Himmelsschlüssel zum Gebrauche im Jammerthale des Lebens, und zum Nutzen an der Pforte der Ewigkeit. Ein katholisches Gebetsbuch für Christen aller Stände«, habe ich aufbewahrt und immer wieder in meinen Büchern daraus zitiert: »Ich eile zur Wunde und fliege hinein, du wirst mir ein Schirmer, ein Tröster mir sein.« Ein Schirmer und Tröster war damals der Engel, von dem uns der Pfarrer im Religionsunterricht erzählte, dass ein Engel über jedes Kind ein Buch führe und alle guten und schlechten Taten, Fantasien, Träume und Gedanken aufzeichne und festhalte, bis zur Todesstunde, bis es so weit ist und der Engel, der Buchhalter unseres Lebens, die Entscheidung trifft, ob wir in den Himmel oder in die Hölle kommen, der Engel, der mir Nacht für Nacht an der mit Efeu bewachsenen Friedhofsmauer im zweiten Gemüsegarten meiner Mutter den Kirchturm mit der Totenglocke in meine Kinderbrust drückte mit den Worten: »Alsdann mach das heilige Kreuzzeichen gegen die Wolken und sprich: O mein Jesus! Wasche ab mit dem Blute deines heiligen rechten Fußes alle meine bösen sündhaften Werke...«, sodass ich mit dem Rücken an die mit Efeu bewachsene Friedhofsmauer gedrängt wurde, mich widerstrebend mit ausgestreckten Händen an den Dolden der schwarzen herunterhängenden Holunderfrüchte festhielt, wobei mir der nach Schweiß und Blut riechende Engel den rauen Kirchturm mit dem Kreuz an der Spitze noch tiefer in die Brust und ins Herz drückte mit den Worten: »O mein Jesus! Wasche ab mit dem Blute deines heiligen Fußes alle Sünden meiner Hartherzigkeit und Zweifelhaftigkeit, womit ich gegen dein Wort so kalt und dagegen den Anfechtungen und Einflüsterungen des bösen Feindes nur allzu oft so zugänglich gewesen bin« Während ich mit dem Rücken an der Friedhofsmauer zwischen hochgewachsenem Maggikraut und Petersilie stand, trieb mir der übermächtige, mit seinen violetten Flügeln schlagende Engel den Kirchturm tiefer und tiefer in die Brust, schließlich durchs Herz, bis die Kirchturmspitze mit dem blutbeschmierten Kreuz neben meiner Wirbelsäule durch den Rücken stach, bis ich angenagelt war an die efeubewachsene Friedhofsmauer zu seinen Worten: »O mein Jesus! Wasche ab mit dem kostbarsten Blute deines barmherzigsten Herzens alle Missetaten, die mein Herz jemals mit bösen Begierden oder durch kleinmütiges Misstrauen auf deine Barmherzigkeit begangen hat...«, sodass mich, Morgen für Morgen, schwarzbeschmiert zwischen Maggikraut und Petersilie mit den Früchten des Holunders, meine Mutter auflas und wir, wenn sie unter dem großen Schutzengelbild an meinem Bett saß, gemeinsam das Morgengebet sprachen: »O Gott, du hast in dieser Nacht so väterlich für mich gewacht; ich lob und preise dich dafür und dank’ für alles Gute dir!«

Einige Zeit später war ich meinem Schirmer und Tröster hinter die Schliche gekommen. Ich fuhr wieder einmal mit dem Pfarrer Franz Reinthaler in Begleitung seiner Köchin, der Pfarrermarie, wie wir sie nannten, in seinem ständig nach Benzin riechenden weißen Volkswagen, die rotweißen, mit Spitzenwerk versehenen Ministrantenkleider auf meinem Schoß, nach Stockenboi, in seine Pfarrfiliale, ging nach dem feierlichen Gottesdienst, als der Pfarrer im schwarzen Beichtstuhl mit dem violetten Vorhang auf reumütige Sünder wartete, hinter den Hauptaltar und sah, dass die großen, vergoldeten Engel hohl waren, keine Eingeweide, kein Herz und kein Hirn hatten, dass der Engel also, so dachte ich, vom Benzingeruch berauscht, als wir wieder im weißen Volkswagen des Pfarrers in mein Heimatdorf zurückfuhren, dass der hohle Engel ohne Herz und ohne Hirn gar kein Buch über meine guten und schlechten Taten und Gedanken schreiben könne. Bald danach überkam mich abends vor dem Einschlafen unter dem Schutzengelbild der Zwang, immer wieder vor mich hinzumurmeln: »Jesus, du Schwein! Jesus, du Schwein! Jesus, du Schwein!« Als sich im selben Atemzug Angst und Schuldgefühle mischten und wieder der Gedanke an Selbstmord aufkam, flüsterte ich weinend und winselnd und am ganzen Körper zitternd in das Kopfpolster hinein: »Jesus, du bist kein Schwein! Jesus, du bist kein Schwein! Jesus, du bist kein Schwein!«, bis wiederum nach der überschlafenen Nacht am nächsten Morgen die nach gekochten Erdäpfeln riechende Mutter, von der Stallarbeit ins Kinderzimmer kommend, das getrocknete Maggikraut und die Petersilie zu Füßen meines Bettes wegräumte, und hinter dem Rücken der sich zu Boden beugenden Mutter bereits wieder, als undurchdringliches Gespenst und als Schatten in der zerbrochenen Milchglasscheibe meiner kindlichen Seele, der Engel stand mit dem Widerhall seiner Worte aus der vergangenen Nacht, die dann in lautlosen Intervallen bis zum nächsten Finsterwerden zu hören waren.

2.

Als Acht- oder Neunjähriger fragte ich einmal meine in der Küche Brot knetende Mutter, ob ich mir ein Buch kaufen könne. »Für Bücher haben wir kein Geld!« war die knappe und kommentarlose Antwort von ihr, die kein einziges Buch in ihrem Leben gelesen hatte. Ich drehte mich entsetzt und traurig vom großen Teigtrog weg, in dem sie mit ihren Fäusten den von der Milch, die sie dazugoss, glitschigen, quietschenden Brotteig langsam und schwerfällig knetete, verließ die Küche und spürte, dass mir Bauernsohn im Gegensatz zu den Söhnen des Lehrers der Zugang zu einer anderen Welt verschlossen bleiben sollte, aber wenigstens bekam ich vom Pfarrer wöchentlich Geld für meine Ministrantendienste – jeden Sonntag hielten wir uns nach dem Gottesdienst länger in der Sakristei auf, traten ungeduldig hin und her, bis der Pfarrer zu grinsen begann und in seine weite, klimpernde Hosentasche griff –, ich trug die wöchentlichen Kirchenblätter von Haus zu Haus, ging damit bis in die Bergdörfer hinauf und wurde dafür von der Pfarrerköchin entlohnt, zu einer Zeit, als die Karl-May-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker in der österreichischen Provinz anliefen, und mit dem verdienten Geld konnte ich Karl-May-Bücher kaufen. An einem verschneiten Heiligenabend schob mir die Pfarrerköchin nach der mitternächtlichen Christmette vor dem eisernen Friedhofstor die Bücher Im Sudan und Durch die Wüste zwischen Oberarm und Brustkorb mit den Worten: »Stecks schnell weg!« Niemand im Dorf sollte sehen, dass sie mir Bücher schenkte.

Meine Großeltern mütterlicherseits hatten im Zweiten Weltkrieg drei Söhne im jugendlichen Alter verloren, der eine war 18, der andere 20, der dritte 22 Jahre alt. Als der Briefträger meinem vor dem Gemüsegarten stehenden Großvater einen Brief mit der Nachricht vom Tod des dritten Sohnes überbrachte, soll er mit zitternden Beinen, den Brief in der Hand, vor dem rostigen Drahtgeflecht des Gartens gestanden haben und langsam mit der Todesnachricht in die Knie gegangen sein. Die Todesnachricht vom dritten gefallenen Bruder überbrachte meiner jugendlichen, gerade von der Haushaltungsschule kommenden Mutter, ebenfalls vor diesem Gemüsegarten, ihre hagere, kleinwüchsige Großmutter mit den Worten: »Der Adam kommt auch heim, aber anders!« Mit einem Heuleiterwagen, auf dem der mit Fichtenästen abgedeckte Sarg stand, wurde der in Jugoslawien gefallene Adam an einem regnerischen Tag von seinem die Pferdezügel haltenden Bruder über den matschigen Feldweg von Villach nach Kamering gefahren. Nach dem Tod der drei Söhne war die Familie vollkommen verstummt, es war ein stilles, wortloses Haus geworden, die Familie hatte die Sprache verloren. Obwohl ich als Kind im großelterlichen Bauernhaus über ein Jahrzehnt lang fast täglich aus- und eingegangen bin, kann ich mich nur an ein einziges, mich als Kind tief beeindruckendes Wort meines Großvaters erinnern, der einmal einen Vertreter abwimmelte und »Auf Nimmerwiedersehen!« zu ihm sagte, als dieser im Hausflur erfolglos kehrtmachte und die Türschwelle überschritt. Meine Schwester konnte ihn einmal an seinem Geburtstag zum Lachen bringen, als sie einen Scherzartikel in den Kaffee warf, ein Stück Zucker, das sich langsam auflöste und, als der Großvater die Tasse heben, zum Mund führen wollte, eine kleine schwarze Plastikspinne freigab, die er an der Oberfläche des braunen Kaffees schwimmen sah, vielleicht war es auch eine schwarze Plastikfliege, ich weiß es nicht mehr genau, aber von Schwarzen Spinnen wird noch die Rede sein.

In einem kleinen Zimmer des großelterlichen Bauernhofes mietete sich eine neu zugezogene Lehrerin ein, die in der achtklassigen Dorfvolksschule die Unterstufe zu unterrichten hatte. Ich besuchte sie täglich, und sie half mir dann und wann bei meinen Hausaufgaben in der Handelsschule. Aus ihrem Bücherregal zog ich eines Tages ein gelbes Taschenbuch, von dessen Buchdeckel ich, damals fünfzehnjährig, buchstabierte: »Albert Camus. Die Pest«. Noch in ihrer Kammer, beim ersten Hineinlesen ins Buch, entdeckte ich die mir aus meinem Elternhaus wohlbekannten Ratten. Die junge Lehrerin riet mir ab und sagte, dass ich dieses Buch nicht verstehen würde. Aber ich durfte es nach meinem Drängen mit nach Hause nehmen und las im Bett unter dem Heiligenbild, auf dem ein Engel ein Kind über die Brücke führte: »Ich hoffe, es ist nicht das Fieber, von dem alle sprechen«, sagte der Arzt Rieux. »Und er hob die Bettdecke und das Hemd an und betrachtete schweigend die roten Flecken auf dem Unterleib und den Schenkeln, die Schwellung der Lymphknoten. Die Mutter schaute zwischen die Beine ihrer Tochter und schrie, ohne sich beherrschen zu können. Jeden Abend heulten Mütter so, mit abstraktem Ausdruck, angesichts von Unterleibern, die sich mit all ihren Todesmalen darboten, jeden Abend klammerten sich Arme an Rieux, überstürzten sich sinnlose Worte, Versprechungen und Tränen...« Tatsächlich hatte ich als Kind eine kleine Lymphknotenoperation. Der vom anderen Ufer der Drau mit seinem weißen Volkswagen kommende Hausarzt hatte mir im Kinderzimmer unter dem Schutzengelbild mit einem Skalpell in der linken Oberschenkelleiste eine Geschwulst aufgeschnitten, erinnerte ich mich dunkel, in der Pest von Camus weiterlesend, die Narbe war deutlich zu sehen. Vor der Operation war ich wochenlang die damals noch unasphaltierte Dorfstraße hinunter gehumpelt, zum täglichen Volksschulunterricht.

In der ersten Klasse der Handelsschule musste ich als »Redeübung«, wie es genannt wurde, im Deutschunterricht Die schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf vorbereiten. Zu dieser Zeit plagte mich mehrmals im Jahr ein fiebriger, eitriger Ausschlag auf meiner linken Wange, über den die Pfarrerköchin zu meinem Schrecken einmal sagte: »Das ist der Krebs!« Ich wusste nicht, was das ist, Krebs und Pest, geschweige denn, dass ich zwischen beiden unterscheiden konnte, und bekam eine diffuse Ahnung von dem Tod, stellte mir dann und wann nach ihrer Schreckensdiagnose einen gepanzerten Flusskrebs mit den hervorstehenden Augen, Beinpaare mit großen Scheren und lange, zitternde Antennen vor, einen Krebs aus unseren Flussauen vielleicht, der mit seinem Schwanzfächer auf meine linke Wange schlägt, jedenfalls war ich stigmatisiert, wie Christine in der schwarzen Spinne von Jeremias Gotthelf, die einen Pakt mit dem Teufel eingegangen war, dem sie ein ungetauftes Kind abzuliefern hatte, und die vom grünen Teufel mit spitzem Mund auf die Wange geküsst wurde, der von hübschen Weibern, wie es heißt, keine Unterschrift brauche, nur einen Kuss auf die Wange verlange. Jeden Abend, wenn es still wurde und nur mehr der Vater und ich alleine in der Küche saßen, er hinter dem Tisch, die Zeitungsflügel des Kärntner Bauern ausgebreitet, ich auf dem Kupferdeckel des Wasserbehälters auf dem Sparherd sitzend und die Pest von Camus lesend, und die anderen längst schlafen gegangen waren, kamen die schwarzen Ratten mit ihren spitzen Schnauzen und gespaltenen Oberlippen vom Dachboden, hopsten über die Dachbodenstiege, am Kinderzimmer mit dem Schutzengelbild vorbei, schleiften ihren langen haarlosen, mit Schuppenringen versehenen Schwanz um die Ecke, den Hausflur entlang, und trippelten in den Keller hinunter zu den Erdäpfeln. Die Küchentür stand einen Spalt offen, wir hörten sie auf dem Steinboden. Ein Blick des Einverständnisses genügte, der Vater legte seine von seinem Erzeuger geerbten Augengläser auf die Bauernzeitung, ich legte das gelbe Buch der Pest von Camus auf den warmen versilberten Herdrand. Mit dem sich vergrößernden Brand auf meiner Wange, dem schwarzen, sich mehr und mehr ausdehnenden Punkt auf dem eitrigen Höcker, aus dem zwei glänzende und giftige Augen aufblitzten, von dem sich lange, hauchdünne Beine streckten, Haare hervorsprossen, mit der giftigen Kreuzspinne auf meiner linken Wange, ging ich mit dem Vater, jeder einen Knüppel in der Hand, vorsichtig über die Kellerstiege, und gemeinsam drückten wir die laut quietschende Ratte, die versuchte, am angenagten, untersten Rand der Kellertür zu den Erdäpfeln einzudringen, an die Mauer, bis die Augen der Ratte aus dem spitzen Rattenschädel hervorquollen, ihre Nagezähne knirschend zerbrachen, Blut auf die weißgekalkte Wand spritzte und wir uns beide anlachten, der Vater und ich, bis der eitrige Brand auf meiner Wange und der Höcker mit den glänzenden und giftigen Augen platzte und unzählige, kleine, schwarze Spinnchen über meine Wange und über mein Kinn liefen, die zerquetschte Ratte an der Kellertür keinen Muckser mehr machte und der Vater und ich einander am liebsten das erste Mal in unserem Leben umarmt hätten, der Teufel mit dem Beelzebub und die Pest mit dem Krebs ausgetrieben war. Am nächsten Morgen, bei Tageslicht, trug ich die Trophäe an der mit dem Papier der Bauernzeitung umwickelten Schwanzspitze – weit standen die schwarzen, glanzlosen Augen aus dem zerquetschten Schädel mit dem verschobenem Unterkiefer – über die Kellerstiege in den Hof hinaus und warf sie auf den Misthaufen.

3.

Vergangenen Sommer an der holländischen Nordsee, in Callantsoog am Meeresstrand sitzend, als ich von Georg Büchner die Jugendschrift Über den Selbstmord las und die Büchner-Preis-Rede zu simulieren begann, bemerkte ich, vom Buch aufblickend, ein halbwüchsiges Mädchen, das einen weißen Badeanzug trug, auf dem unzählige kleine schwarze Totenköpfe aufgedruckt waren, und neben ihrer Freundin stehend und aufs Meer hinausschauend, einen Spielball als durchsichtige Plastikweltkugel unter ihren Arm geklemmt hatte, den sie zwischen Oberarm und Brustkorb immer wieder knetete, während die fünfjährige Siri mit einem erst vor ein paar Stunden in der Dorfmitte auf dem Flohmarkt erworbenen Steckenpferd im heißen Sand hin- und herhopste, immer wieder die Ohren des braunen Plüschkopfes zog und ein Tonband aktivierte, woraufhin das Steckenpferd zu wiehern begann und Siri immer wieder dazwischenrief: »Das kann nur die Nachtigall lesen! Das kann nur die Nachtigall lesen!« Ein mit seinen Kindern spielender und beim Wiehern des Steckenpferdes den Kopf verdrehender Vater, den ich, vom Buch aufblickend, immer wieder fixierte, hatte auf seinem Rücken in großlettriger gotischer Schrift die Worte »Glaube, Liebe, Hoffnung« schwarz eintätowiert. An seinen dicken Oberarmen, links und rechts, hatte er sich mit schwarzer Tinte ein Marienbildnis einstechen lassen, und seinen breiten Nacken füllten die Nadelstiche der Schriftzeichen »Viva Maria« aus, ebenfalls in gotischer Schrift. Während ich weiter »Über den Selbstmord« von Georg Büchner las und beim Aufblicken und Hinausschauen aufs Meer und auf die Badenden immer wieder überlegte, wie ich denn die Büchner-Preis-Rede schreiben solle, wann denn endlich der erste Satz zustande kommen werde, tauchte der zwölfjährige Kasimir mit einem Freund auf, den er beim Krebsefischen kennengelernt hatte, unterbrach meine Lektüre und sagte: »Gib mir fünf Euro, ich muss Würmer kaufen, wir wollen in den Grachten angeln gehen!« Beim Weiterlesen in Georg Büchners Über den Selbstmord und beim Wiederaufblicken und Hinausschauen aufs Meer fragte ich mich, was denn wohl mein Vater, der Bauer, mir geantwortet hätte, wenn ich ihn einmal um Geld gebeten hätte, um Regenwürmer kaufen zu können.

4.

Als ich im Alter von fünfzehn Jahren in die Handelsschule kam, damals, als noch Schulgeld zu zahlen war und ich täglich mit dem Omnibus von meinem Geburtsort Kamering in die zwanzig Kilometer weit entfernte Stadt Villach fahren musste, verlor ich einmal, bereits an einem Montag, meine Wochenkarte für den Omnibus. Ich hatte nicht den Mut, dem Vater von meiner Ungeschicklichkeit zu erzählen und ihn zu fragen, ob er mir noch einmal 50 Schilling geben könne, denn ich hatte ohnehin Woche für Woche, jeden Sonntag, einen Spießrutenlauf vor mir, ich ging dem Vater lange nach, starrte ihn lange an, wartete einen günstig gestimmten Augenblick ab, bevor ich es wagte, ihn ums Geld für die Omnibusfahrkarte zu bitten, damit ich in die Schule fahren konnte. An einem Nachmittag, als die Mutter in ihrem zweiten, an die Friedhofsmauer angrenzenden Gemüsegarten arbeitete, Maggikraut und Petersilie schnitt und der Vater mit Traktor und Pflug auf dem Acker unterwegs war, nahm ich aus der Küche den Schlüssel zum elterlichen Schlafzimmer, ging über die sechzehnstufige Stiege, öffnete die Schublade seines Nachttisches und nahm einen Fünfzigschillingschein aus seiner weichen, ledernen schwarzen Brieftasche. Zur Tür gehend, wurde mir schwarz vor Augen, ich wäre beinahe unter dem großen Heiligenbild mit der eine weiße Lilie und das Jesukind haltenden Muttergottes vor den Betten der Eltern zu Boden gefallen. Da ich in der Taschenbuchausgabe der Pest von Camus auf den letzten Seiten Hinweise auf andere, im selben Verlag erschienene Bücher bekam, von denen ich mir vorstellte, dass sie mich auch interessieren könnten, und da ich oft in Villach vor dem Schaufenster der Buchhandlung Pfanzelt stand und weiterhin niemand meinen Diebstahl für die Omnibusfahrkarte bemerkt hatte, versuchte ich es wieder, und ohne dass mir diesmals schwarz wurde vor Augen unter der Muttergottes, nahm ich einen Schein aus seiner Brieftasche und begann, mir Bücher zu kaufen: Der alte Mann und das Meer, Das Spiel ist aus, Der Fremde, Die Hornissen, Der Schatten des Körpers des Kutschers. Jahrelang konnte ich unbemerkt dem Vater Geld stehlen, weit über hundert Bücher standen schließlich auf dem selbstgebastelten Bücherregal im Zimmer, in das ich mich einquartiert hatte und aus dem die Großeltern längst herausgestorben waren, es muss wohl im Laufe dieser drei Jahre so viel Geld gewesen sein, dass sich der Vater mindestens den Stier davon hätte kaufen können, den er allzu gerne vorführte im Hof, besonders zu Allerheiligen und Allerseelen, wenn seine Geschwister zu Besuch kamen, mit klumpigen Wachskerzen zur Messe gingen und sich nach der Gräberbesprengung in ihrem Elternhaus trafen und miteinander Kriegsabenteuer austauschten – von den Geschwistern väterlicherseits war keiner im Krieg gefallen –, wenn sie schließlich außer Haus gingen, ein prämierter, achthundert Kilo schwerer Stier aus der Zucht der Pinzgauer mit vergoldeter Plakette auf der Stirn vorgeführt wurde und wir, mein jüngerer Bruder und ich, in der Küche neben der Schweinsschnitzel klopfenden, stillen, vollkommen verstummten bleichen Mutter, die im Zweiten Weltkrieg drei Brüder im jugendlichen Alter verloren hatte, uns einen Suppentopf auf den Kopf setzten, uns auf den Boden warfen, lauthals das Vorbeipfeifen der Kugeln nachahmten und schnell wieder aufstanden und die Suppentöpfe neben den Beinen der Wienerschnitzel im heiß brutzelnden Schweinsfett ausbratenden Mutter in die Küchenanrichte schoben, sobald wir im Flur wieder ihre Stimmen und Schritte hörten, der zweite Teil der Gespräche der Kriegsveteranen begann und wir immer wieder, besonders aus dem Mund des Onkels, der bei der SS gewesen war, die Worte hörten: »An die Wand! An die Wand damit! Die gehören alle an die Wand!«, während die Mutter mit einer Gabel die panierten Schnitzel aus dem kochenden und Blasen schlagenden Fett hob und auf einem Teller übereinanderstapelte.

Mit meinem Schulfreund, mit dem ich täglich im Omnibus zur Handelsschule nach Villach fuhr, heftete ich damals zwischen die Kirchtagsplakate, auf denen um ein großes Lebkuchenherz tanzende Paare abgebildet waren, ein Werbeplakat des Luchterhand Verlags auf die Heustadelwand meines väterlichen Bauernhofes, auf dem in großen Lettern ein Satz von Alexander Solschenizyn stand, der mir nie mehr aus dem Kopf gegangen ist: »Eine Literatur, die nicht den Schmerz und die Unrast der Gesellschaft wiedergeben kann, die nicht rechtzeitig vor den moralischen und sozialen Gefahren warnen kann, verdient den Namen Literatur nicht.« Kein Mensch im Dorf entfernte dieses Plakat, über ein Jahr lang blieb es dort hängen, ich sah es täglich, wenn ich mit dem Omnibus ins Dorf zurückkam und am Heustadel vorbei, auf mein Elternhaus zuging. Erst später wurde es von einem großen Zirkusplakat überklebt, unter dem, solange das frischaufgeklebte Plakat mit den durch Feuerringe springenden Löwen, Feuer schluckenden, muskulösen Männern, noch nass war, verschwommen der Satz von Solschenizyn durchleuchtete. Patzenweise lag der farblose, flüssige Klebstoff auf dem Schuhwerk der ihre langstieligen Besen immer wieder in den Eimer eintauchenden Arbeiter, die uns schließlich fürs Plakatieren auf unserer Heustadelwand mehrere Freikarten für den Zirkus gaben.

Ab der dritten Klasse ließ ich mich nur mehr selten in der Handelsschule in Villach blicken, ich war im Leserausch, der Schulfreund las im Omnibus den Archipel Gulag, mich interessierten vor allem die französischen Existentialisten. Den Umschlag jedes Buches beklebte ich mit einer durchsichtigen Plastikfolie, den Schnee am Kilimandscharo genauso wie Licht im August, öffnete vorsichtig die Bücher, hatte immer Angst, dass sie beim Aufschlagen knacken und zerbrechen würden, ich Scherben in den Händen hätte. Ich saß vormittags in Villach, anstatt in die Schule zu gehen, in einem Kaffeehaus, las diszipliniert von acht bis zehn Uhr, ging danach mit einem gefälschten Schülerausweis ins Kino – mit Tintentod hatte ich mein Geburtsdatum geändert – und schaute mir als Sechzehnjähriger die Jugendverbotfilme an, die ersten Django-Filme mit Franco Nero, Hängt ihn höher mit Clint Eastwood, Leichen pflastern seinen Weg mit Klaus Kinski und Jean-Louis Trintignant und die todessüchtige Mundharmonika in Spiel mir das Lied vom Tod. Als ich dann einmal den Mut hatte, nicht am Vormittag, sondern am frühen Nachmittag ins Kino zu gehen, und erst am frühen Abend nach Hause kam und ich die aufgewärmte Suppe löffelte, die mir wortlos die Mutter auf den Tisch gestellt hatte, trat der Vater in die Küche ein – ich spürte an meinem Rücken den Wind der aufgehenden Tür –, hielt mir einen kotbeschmierten Kälberstrick unter die Nase und sagte: »Schau ihn dir an! Schau ihn dir genau an! Wenn du noch einmal so spät heimkommst!«

5.

Wiederum ein paar Jahre später – ich wohnte bereits in Klagenfurt und arbeitete im Büro der damals neu gegründeten Hochschule für Bildungswissenschaften –, als zwei Jugendliche das kreuzförmig gebaute Dorf mit einem drei Meter langen Hanfstrick, mit dem Kälber auf die Welt gezogen wurden, aus der Angel hoben und die Füße der beiden Buben wenige Zentimeter über dem Boden des Pfarrhofstadels pendelten, sodass der Aufschrei der Grabsteine und der manns- und frauengroßen Eisenkruzifixe am anderen Ufer der Drau zu hören war und der Wider- und Gegenhall hinter dem Dorf in das Gehölz des Fichtenwaldes schlug, stieß ich auf die Romane Notre-Dame-des-Fleurs und auf Pompes Funèbres von Jean Genet, auf Jeden ereilt es und auf Die Nacht aus Blei von Hans Henny Jahnn, Bücher, in denen mir Himmel und Hölle auf zwei nummerierten, nach Druckerschwärze riechenden Seiten zusammengepappt schienen, in denen sich die Engel und Teufel meiner Kindheit aneinanderrieben, und ich schrieb, immer wieder die im Heustadel pendelnden Füße der beiden leblosen Buben vor Augen, Nacht für Nacht ein tausend Seiten langes Tagebuch. Es war noch kein literarischer Ehrgeiz, es waren Wortanfälle, ich wollte mich schreibend dazuhängen zu den beiden Buben, ich war eifersüchtig und hätte am liebsten den einen Toten erschlagen, weil er mich betrogen hatte und nicht mit mir gegangen war, ich konnte nicht leben und nicht sterben, ich musste und konnte nur lesen und schreiben, um nicht von einem tintenbeklecksten Löschpapier aufgesaugt zu werden und hinter meinem eigenen Rücken zu verschwinden für alle Zeiten. Ich las den Brief an den Vater von Kafka, die Briefe von Flaubert, die Tagebücher von Friedrich Hebbel und die Tagebücher von Albert Camus: »Die Kraft haben, das zu wählen, was einem am wichtigsten ist, und dabei zu bleiben. Andernfalls ist es besser, man stirbt.« Ich trug immer eines dieser Bücher bei mir in der ledernen Umhängetasche – Leder ist Haut – und schrieb Sätze aus diesen Büchern, die mich besonders berührten, zwischen meine Tagebuchaufzeichnungen: »Ich trage einen Schlachthof in mir, auf den die Poesie wird antworten müssen«, so Jean Genet. »... jeder Satz ein Menschengesicht«, so Friedrich Hebbel. »Vom Zufall des Gelesenen hängt es ab, was man ist«, so Elias Canetti. »Das einzige Mittel, dem Entsetzen zu entgehen, besteht darin, sich dem Entsetzen zu überlassen«, so Jean Genet. »Der Tod ist gar nichts! Kinder! Schaut, wie man stirbt!«, sagte Italo Svevo zu seinen um sein Totenbett stehenden Kindern. »Um ein besserer Schriftsteller werden zu können, muss ich erst ein besserer Mensch werden«, so Cesare Pavese. Den Abschied von den Eltern von Peter Weiss las ich mehrmals und langsam und mit besonderer Eitelkeit und besonderem Stolz, als ob ich dieses mir auf Leib und Seele maßgeschneiderte Buch selber geschrieben hätte. Später las ich in einem Interview, das Hubert Fichte mit Jean Genet geführt hatte, dass er, Genet, um Die Brüder Karamasow lesen zu können, bei jeder Seite zwei Stunden lang habe nachdenken müssen: »Wenn ich beim Lesen nicht mitschreibe«, sagte Genet, »dann passiert nichts!« Genauso, wie er mit seinen »bescheidenen Mitteln«, um seine Worte zu gebrauchen, Monteverdis Marienvesper beim Hören mitkomponieren musste, um die Messe hören zu können. »Wenn du ein Buch lesen willst, dann schreib es erst!«, sagt Lepic in einer Erzählung von Jules Renard zu Poil de Carotte.

In dieser Zeit – und ich komme zum Schluss –, als in meinem tausend Seiten langen Tagebuch die ersten Sätze zu meinem ersten Romanmanuskript entstanden, die es wert waren umformuliert oder zerstört zu werden, klebte ich die aus einer Kärntner Tageszeitung herausgeschnittenen und mit einer durchsichtigen Plastikfolie überklebten Bilder – wie ich damals den Umschlag des Schnees am Kilimandscharo überklebt hatte – der beiden erhängten siebzehnjährigen Buben aus meinem Heimatdorf, deren gemeinsamer Tod das ganze Land in Aufruhr versetzt hatte, auf meine Brust und schrieb, zwischen Klagenfurt und Venedig hin- und herpendelnd, mein erstes Romanmanuskript. Morgens, bevor ich ins Bad ging, löste ich die roten Gazestreifen mit den Bildnissen der beiden Erhängten von meiner Haut und klebte sie später wieder, wenn beim Dunkelwerden das Lesen und Schreiben begann, über meinem Herzschlag auf die Brust. In dieser Zeit, in der ich Nacht für Nacht mit eigenen und fremden Sätzen Zeile für Zeile meinen Selbstmord aufschob, las ich vor allem Bücher von Dichtern, die früh gestorben waren oder die sich das Leben genommen hatten. Dichten heißt, sich ermorden, so Friedrich Hebbel. »Um dem Entsetzen zu entgehen, haben wir gesagt, ergib dich ihm mit Haut und Haar«, so Jean Genet. Ich las und trug die Die Gesänge des Maldoror, Das Handwerk des Lebens, Der Kopf des Vitus Bering, Der Teufel im Leib, wie meine eigenen Eingeweide in mir herum. Und ich las Thomas Chatterton, Unica Zürn, Sylvia Plath, Georg Heym und Georg Büchner. Wenn ich beim Lesen nicht spürte, dass die Sprache ununterbrochen, Satz für Satz, auf die goldene Waage gelegt, Leben und Tod auspendelt, interessierte mich das Buch nicht. Es langweilte mich, so kann ich es sagen, buchstäblich zu Tode. Ich schmökerte dann und wann, las aber nie Unterhaltungsliteratur, ich konnte mich nicht unterhalten lassen, ich musste mich Tag für Tag, eingeklemmt zwischen Himmel und Hölle, mit Sätzen über Wasser halten und hatte im Pulsschlag meiner Schläfen damit zu kämpfen, die mich immer wieder schräg anschauende, aufdringlich einschneidende Rasierklinge aus dem Augenwinkel zu verlieren, um nicht eines Tages mit dem Besteck von Gilette in den Augenwinkeln durch die Welt zu gehen, zehn Zentimeter über dem Erdboden vielleicht. Früh schon hatte ich von Julien Green erfahren, dass der erbauliche Roman vom Teufel geschrieben wird und dass man, so Julien Green, nie erfahren wird, welches Unheil diese Literaturgattung möglicherweise angerichtet hat. Immer wieder, seit zehn Jahren schon, auch während der Niederschrift dieses Textes, besuche ich den in der Stadtpfarrkirche in Klagenfurt begrabenen Julien Green. Vom Turm dieser Kirche sprangen vor einiger Zeit gemeinsam zwei Studentinnen, sie lagen, um es so auszudrücken, dem auf dem Rücken ausgestreckten, mit gefalteten Händen in der Gruft liegenden Julien Green außerhalb der Kirchenmauer tot zu Kopf und zu Füßen. Wiederum eine Zeitlang später stürzten sich zwei junge Frauen, die ein paar Stunden Freigang aus der Psychiatrie erhalten hatten, ebenfalls gemeinsam vom inzwischen mit einem Fangnetz versehenen Stadtpfarrkirchturm von Klagenfurt und sollen – Monsignore Mairitsch, der gerade auf dem Weg zu seiner Kirche war, sah zwei sich in Turmhöhe aufblähende, bunte Frauenröcke – mit ihren Füßen im Dach zweier parkender Autos steckengeblieben sein, die eine ist mit dem Oberkörper nach vorne, die andere ist, ebenfalls schwer verletzt, ohnmächtig nach hinten gefallen.

»Wenn ich ein Buch lese«, schreibt Emily Dickinson, »und es macht meinen Körper so kalt, dass kein Feuer mich je wärmen könnte, weiß ich, das ist Dichtung. Wenn ich mich fühle, als würde meine Schädeldecke abgenommen, weiß ich, das ist Dichtung. Nur auf diese Art weiß ich es. Gibt es denn eine andere?« Und später, da schrieb ich, nachdem ich lange Zeit nicht nur hypnotisiert, sondern bereits süchtig gewesen war nach dem täglichen Gedanken an den Selbstmord – er war mein täglich Brot, das mir, nachdem der Tag abgelaufen und die Mitternacht auch schon vorbei war, gestern schon wieder nicht gegeben wurde, das mir aber wahrscheinlich heute bekommen wird –, da schrieb ich also, dass ich in letzter Zeit nicht einmal mehr ein schlechtes Gewissen habe, weil ich nur mehr ganz selten an Selbstmord denke, aber es werden diese guten, alten Zeiten auch nicht wiederkommen können, die mich veranlassten in mein Tagebuch zu schreiben am Lido in Venedig, dass ich dann und wann richtig traurig bin, weil ich seit einiger Zeit keine Selbstmordgedanken mehr habe.