Gundolf-Preis für Kulturvermittlung

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den diesjährigen »Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland« an den japanischen Germanisten Hiroshi Yamamoto. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Die Verleihung wird am 30. Mai 2026 in Halberstadt im Rahmen der Akademie-Tagung stattfinden. Die Laudatio hält die Literaturwissenschaftlerin Christine Frank.
Hiroshi Yamamoto ist ein herausragender Vermittler deutschsprachiger Literatur in Japan. Als wissenschaftlicher Autor, Herausgeber und literarischer Übersetzer vom Deutschen ins Japanische gilt sein besonderes Interesse der Literatur des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Eine große Anzahl von Autorinnen und Autoren sind durch seine Arbeiten erstmals in Japan vorgestellt worden, darunter Ilse Aichinger, Ingeborg Bachmann, Volker Braun, Rainald Goetz, Durs Grünbein, Christoph Hein, Felicitas Hoppe, Christa Wolf oder Marion Poschmann. Mit seiner Übersetzung des Romans von Herta Müller »Der Fuchs war schon damals Jäger« (1992, jp. 1997) machte er die Autorin schon lange, bevor sie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, der japanischen Leserschaft bekannt. Weitere Übersetzungen ihrer Werke folgten, außerdem von Ilse Aichinger »Unglaubwürdige Reisen« (2007), von Thomas Bernhard »Alte Meister« (2010) und anderes mehr. Wie vielfältig seine Themen sind, zeigen seine zahlreichen wissenschaftlichen Studien etwa über deutsch-japanische literarische Beziehungen, Fragen der Übersetzung, der Transkulturalität oder der aktuellen Ökopoetik. Die Texte zeugen allesamt von seinem genauen, feinsinnigen Blick und originellen Approach, worauf allein schon die Titel verweisen – stellvertretend seien hier genannt: »Schneewüste und Schneeverrat. Zu den Landschaften des Sterbens bei Ilse Aichinger und Herta Müller« (2015), »Wa(t) da! Arno Schmidt und der literarische Kanon in Japan« (2016) oder »Haiku und Waka als Polaroid. Nachleben der japanischen dichterischen Kurzformen bei Delius, Grünbein, Kling« (2017).
Hiroshi Yamamoto, geboren 1964, ist seit 2017 Professor für Germanistik an der Universität Waseda in Tokyo. Gastdozenturen führten ihn an die Universität Salzburg (2005/2006) und an die Humboldt-Universität Berlin (2024/2025). Er ist Mitbegründer und -herausgeber der Zeitschrift DELI (Deutsche Literatur). 2010 erhielt er den Preis der japanischen Gesellschaft für Germanistik.
Der Friedrich-Gundolf-Preis würdigt seit 1964 hervorragende Leistungen bei der Vermittlung deutscher Kultur, insbesondere der deutschen Sprache und Literatur in nichtdeutschsprachigen Ländern.
Seit diesem Jahr wird der Preis finanziert von Ulrike Rainer, Professorin Emerita für German Studies und Comparative Literature am Dartmouth College in New Hampshire.
Der Preis wird jährlich während der Frühjahrstagung der Deutschen Akademie zusammen mit dem Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung verliehen. Nähere Informationen zum Preis und zu den Preisträgerinnen und Preisträgern hier