Einladung zur Pressekonferenz
zur aktuellen Diskussion um die Rechtschreibung
am Montag, den 30. August 2004 um 11.30 Uhr
im Clubraum der Akademie der Künste, Hanseatenweg
10, 10557 Berlin
Es wird Zeit, nach Auswegen aus der verfahrenen Debatte um die Rechtschreibreform
zu suchen. Der Kompromißvorschlag der Akademie wird im Rahmen dieser
Veranstaltung ausführlich erläutert. Für die Beantwortung aller Arten von
Fragen stehen zur Verfügung: Klaus Reichert (Präsident der Deutschen Akademie),
Peter Eisenberg, Uwe Pörksen, Hartmut von Hentig, Hans-Martin Gauger und
Friedrich Dieckmann (für die adk)
Seit sieben Jahren leben
wir mit einer gespaltenen Orthographie. Die meisten Älteren schreiben anders
als die Jüngeren, und was die Jugendlichen außerhalb der Schule lesen, ist
häufig nicht so geschrieben wie ihre Schulbücher. Trotz großer Bemühung von
unter-schiedlicher Seite konnte die Gespaltenheit nicht überwunden werden. Sie
droht sich jetzt zu verfestigen und zu vertiefen. Die Kultusminister halten an
der Neuregelung fest, während ein sehr wichtiger Teil der Presse die auch
bisher schon bedeutende Opposition gegen die Neuregelung in naher Zukunft
verstärken wird.
Die
Folgen der gesamten Entwicklung sind zumindest mittelfristig bedrohlich. Der
Schrift-spracherwerb wird erschwert, die Einheitlichkeit des Schreibgebrauchs
preisgegeben, die Attraktivität des Deutschen als Lernersprache beeinträchtigt.
Vor allem aber wird die deutsche Sprache selbst in Mitleidenschaft gezogen. Es
ist deshalb nicht die Zeit für Schuldzuweisungen, sondern allein für die Suche
der einflußreich Beteiligten nach einem für möglichst viele Seiten gangbaren
Weg aus der verfahrenen Situation.
Die
Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sieht den wichtigsten Grund für die
fehlende Akzeptanz der Neuregelung bei ihren inhaltlichen Mängeln. Man kann
eine hoch-literalisierte Sprachgemeinschaft nicht zur Verwendung einer
Orthographie zwingen, die gegen das Sprachwissen und gegen das Sprachgefühl des
normalen Sprachteilhabers verstößt. Man kann sie auch nicht zur Verwendung
Hunderter von Wortschreibungen zwingen, die sich nicht aus dem allgemeinen
Schreibgebrauch ergeben, sondern will-kürlich gesetzt sind. Deshalb wird sich
der Widerstand weder durch Kommissionen, noch durch Beiräte, Verordnungen oder
Hochglanzbroschüren, sondern nur durch eine sach-gerechte Veränderung des
Regelwerks mit den zugehörigen Schreibweisen beenden lassen. Die Zeit bis zum
Ende der Übergangsfrist im Juli 2005 oder einer etwas darüber hinausgehenden
Frist muß zu konstruktiver Arbeit an einer Lösung genutzt werden. Als eine
Grundlage dafür hat die Akademie ihren Kompromißvorschlag ausgearbeitet, der
sowohl die sprachlichen als auch die pädagogischen und ökonomischen Probleme
einer künftigen Regelung ins Auge faßt.
Der
Kompromißvorschlag der Akademie läßt besonders sichtbare Züge der Neuregelung
bestehen, soweit sie sprachlich verantwortbar sind, allem voran die Ersetzung
des ß nach Kurzvokalbuchstaben durch ss, aber auch anderes. Dadurch wird
vermieden, daß bei-spielsweise Schulbücher neu gedruckt werden müssen.
Andererseits verfolgt der Vor-schlag dort einen konsequenten Rückbau, wo die
Neuregelung gegen die Sprachstruktur verstößt, wo sie die Ausdruckskraft und
Ausdrucksvielfalt des Deutschen beschädigt, wo sie zu falschen Schreibweisen
verleitet und wo sie sogar zur Beseitigung von Wörtern führt oder beiträgt.
Betroffen ist in erster Linie die Getrennt- und Zusammenschreibung, danach die
Groß- und Kleinschreibung, die Silbentrennung, die Schreibung der Fremd-wörter
und eine Reihe von Einzelfällen.
24.August 2004