Presseerklärung
Für den
Rechtschreibfrieden
Deutsche Akademie tritt dem Rat
für Rechtschreibung bei
Das Präsidium der Deutschen Akademie für Sprache
und Dichtung hat beschlossen, daß die Akademie künftig nicht nur weiter an der
inhaltlichen Ausarbeitung der „Reform der Reform“ mitwirkt, sondern auch zwei
Vertreter, Peter Eisenberg und Uwe Pörksen, in den Rat für Rechtschreibung
entsendet, der am 3. Juni über die von einer Arbeitsgruppe vorgelegte
Neuformulierung abstimmen wird. Angesichts des ungewissen Ausgangs der
Entscheidungsprozesse im Rat fühlt sie sich, trotz ihrer massiven Einwände gegen
dieses Gremium, dazu verpflichtet, die erfolgreiche Verabschiedung des
Rechtschreibkompromisses, der in den letzten Wochen gemeinsam errungen worden
ist, mit dem Gewicht ihrer Stimmen zu unterstützen.
Es ist keineswegs gesichert, daß
alle Mitglieder des Rates für Rechtschreibung an einem derartigen Erfolg
interessiert sind. Seine Zusammensetzung und die für inhaltliche Entscheidungen
vorgesehene 2/3-Mehrheit bergen das Risiko, daß eine Gruppe unbeirrbarer
Verfechter des Reformwerks diese positive Entwicklung scheitern läßt. Die
Entscheidungssituation ist äußerst knapp.
Auf Ihrer Mitgliederversammlung im Oktober 2004
hatte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung beschlossen, dem neu
gegründeten Rat für Rechtschreibung nicht beizutreten. Die geplante
Zusammensetzung ebenso wie der vorgegebene Arbeitsauftrag dieses neuen Gremiums
waren nicht geeignet, die dringend gebotenen Korrekturen am Reformwerk
vorzunehmen. Die Akademie hatte damals ihre Ablehnung, im Rat mitzuarbeiten, mit
dem Angebot verbunden, kompetente inhaltliche Arbeitsprozesse, die der Sache
dienen, jederzeit unterstützten zu wollen. Ihr Kompromißvorschlag stand und
steht für diesen Versuch, einen überzeugenden Ausweg aus dem
Rechtschreibkonflikt zu weisen, ebenso wie ihre wiederholten Bemühungen um einen
sachlichen Austausch mit den Vertretern des Reformwerks und ihre vielfältigen
Gesprächsangebote an die politisch Verantwortlichen. Deshalb hatte die Deutsche
Akademie für Sprache und Dichtung die Entscheidung des Vorsitzenden des Rates
Hans Zehetmair begrüßt, arbeitsfähige Gremien einzusetzen, um in einem sach- und
ergebnisorientierten Prozeß das Regelwerk neu zu fassen. Auf Einladung des
Vorsitzenden wirkte unser Mitglied Peter Eisenberg in der Arbeitsgruppe mit, die
sich mit dem wohl umstrittensten Teil der Rechtschreibreform, der Getrennt- und
Zusammenschreibung, befaßt hat. Diese Gruppe hat in konstruktiver Zusammenarbeit
vorgeführt, wie eine „Reform der Reform“ gelingen könnte. Die ausgearbeiteten
Neuformulierungen bieten jetzt noch einmal die Chance, den Rechtschreibfrieden
zurückzugewinnen und im Interesse der Einheit der deutschen Sprache zu einem
sachlich begründeten Kompromiß zu finden. Befürworter wie Gegner der Reform
werden daran gemessen werden, ob sie die damit verbundene Verantwortung
wahrnehmen.
3. Juni
2005