Anita Albus
Ausstellung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt vom 24. Oktober bis 7. November 2004.
Vernissage: 24. Oktober um 11.30 Uhr im Hessischen Landesmuseum, Friedensplatz 1, Darmstadt
Anita Albus, 1942 geboren, lebt in München und im Burgund. Sie ist Künstlerin, Forscherin und Schriftstellerin. Für ihr vielseitiges literarisches Schaffen erhielt sie jetzt den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2004 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Doch ist die Autorin auch eine Malerin, deren Bilder mit ihrem schriftstellerischen Werk eng verwoben sind. Die Ausstellung zeigt einen repräsentativen Querschnitt durch das bildnerische Schaffen der Künstlerin, von den frühen Stilleben bis zu den Vogelbildern, die in den letzten Jahren entstanden sind.
Vor über 30 Jahren gestaltete die studierte Grafikerin ihre ersten Bücher. Für die 1978 erschienene Sammlung alter Kinderlieder „Eia Popeia“ malte sie den „Vanitas-Schrank“ und das „Trompe l’oeil mit zersprungener Glasscheibe“. Die beiden Miniaturen gehören damit zu den ganz frühen Werken, doch zeigen sie bereits deutlich, worauf es Anita Albus auch in späteren Bildern ankommen wird: die Welt im Kleinen, die dem flüchtigen Betrachterauge leicht entgeht, realistische Details, Augentäuschungen und breites kunsthistorisches und naturkundliches Fachwissen.
Ein Buch des Kulturanthropologen Claude Lévi-Strauss hat sie mit den Bildern von Faultier und Brüllaffe geschmückt. Rudolf Borchardts Katalog der verkannten, neuen, verlorenen, seltenen, eigenen Gartenpflanzen waren der Anlaß, die Pflanzen selber aus Samen heranzuziehen. In der Tradition der alten Blumenmaler hat sie die Gewächse in mehreren Sommern porträtiert. Ebenso akribisch und mit viel Liebe zum Detail beschäftigt sich Anita Albus mit der Darstellung seltener Vogelarten. Einige Vogelbilder wie der „Waldrapp“ werden ihr im nächsten Jahr erscheinendes Buch „Von seltenen Vögeln“ bereichern.
1980 verhalf ihr Lévi-Strauss zu einer ersten großen Ausstellung in der Stuckvilla in München. Ausstellungen in München, Hannover, Salzburg, Paris und Dijon folgten in den nächsten Jahren.
Anita Albus malt Miniaturen in dem Sinne wie man im Mittelalter und in der Renaissance kostbare kleine Bilder für handgeschriebene Bücher anfertigte - juwelenhaft leuchtende Schmuckstücke für die Schränke, Vitrinen und Mappen der Sammler und Gelehrten. Wissenschaftlich genau und mit einem besonderen Blick für Einzelheiten erforscht sie die Kunst der Natur. Ihre Bilder erinnern daher nicht zufällig an die Illustrationen alter Bücher und an barocke Stilleben. So sind auch Vorbilder für ihre Beschreibungskunst vor allem bei den alten Meistern des 15. bis 17. Jahrhunderts zu suchen. Ihnen hat sie mit dem Buch „Paradies und Paradox“ ein Denkmal gesetzt.
Wie ihre künstlerischen Ahnen malt Anita Albus auf Pergament, Papier, Kupfer oder Leinwand mit Farben, die sie nach alten Rezepten selbst herstellt. Spuren ihrer Arbeit verwischt sie. Hinter ihren Werken scheint sie als Künstlerin zu verschwinden. Dennoch ist die Handschrift unverwechselbar.
In dem Buch „Die Kunst der Künste“ hat Anita Albus den Geheimnissen der alten Farben und den komplexen Systemen ihrer Verwendung als Malerin und Wissenschaftlerin nachgespürt. Sie erzählt von dem Reichtum und den sinnlichen Eigenschaften der alten Pigmente im Unterschied zu den heute künstlich hergestellten Tubenfarben. Wie die Maler vergangener Jahrhunderte, baut auch sie ihre Bilder in vielen Schichten auf, mit traditionellen Pigmenten aus Mineralien, Metallen, Obstkernen und anderen organischen Stoffen.
In ihren Bildern und in ihren Büchern ist der Glanz und die Pracht dieser vergangenen Malerei jetzt neu zu entdecken.