Stellungnahme zur Verkleinerung des Goethe-Instituts Kopenhagen

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung beobachtet mit großer Besorgnis die geplante Reduzierung der Arbeitsmöglichkeiten des Goethe-Instituts Kopenhagen. Dieses Institut hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen und lebendigen Ort der Vermittlung deutscher Kultur entwickelt. Von der allgemeinen Anerkennung dieser Rolle des Instituts konnte sich die Akademie im Rahmen ihrer Frühjahrstagung in Kopenhagen (11. – 13. Mai) überzeugen.

Die drohende Schließung der Institutsbibliothek, der größten deutschsprachigen Bibliothek des Landes, und die absehbare Einschränkung der Veranstaltungsmöglichkeiten hätten eine empfindliche Störung der erfolgreichen Vermittlungsarbeit zur Folge, der nicht nur eine praktische, sondern auch eine symbolische Bedeutung zukommt. Die Reduzierung des Angebots läuft allen Bemühungen zuwider, der deutschen Sprache und Kultur auch unter den Bedingungen der weltweiten Anglisierung einen angemessenen Platz unter den anderen Sprachen in Europa zu sichern.

Uns ist bewußt, daß die Goethe-Institute gegenwärtig unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen agieren, gleichwohl darf dies nicht zur Folge haben, daß gewachsene und erfolg-reich arbeitende Strukturen des kulturellen Dialogs gefährdet oder gar zerstört werden. Die Notwendigkeit, die Vermittlungsarbeit im arabischen und asiatischen Raum zu stärken, kann nicht auf Kosten der europäischen Goethe-Institute gehen. Dies gilt gerade dann, wenn das einzige existierende Institut eines Landes davon betroffen ist, wie beispielsweise das Kopenhagener Institut in Dänemark.

Die verminderte Präsenz der Goethe-Institute in den europäischen Nachbarländern wird Auswirkungen auf das Ansehen und die Rolle Deutschlands in Europa haben, die sich nicht ausschließlich durch politische und wirtschaftliche Faktoren begründen können. Kultur war und ist ein zentrales Element der Außendarstellung unseres Landes, sie bedarf in gleicher Weise der kontinuierlichen Pflege und Weiterentwicklung wie beispielsweise Wirtschaftsbeziehungen.

Gerade weil das lange problematische Verhältnis zwischen Deutschland und Dänemark sich in den letzten Jahrzehnten so hervorragend entwickelt hat und die wirtschaftlichen Beziehungen sehr eng sind, sollte die gute funktionierende kulturelle Zusammenarbeit ihren Stellenwert behalten. Deshalb müssen die Arbeitsmöglichkeiten des Goethe-Instituts Kopenhagen in vollem Umfang dauerhaft gesichert werden.


Kopenhagen, 13. Mai 2006