PRESSEINFORMATION
Herbsttagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
vom 19. bis 21. Oktober in Darmstadt
Gibt es eine Radikalität, die ausschließlich mit der letzten Lebensphase zusammenhängt? Gibt es „radikale Alte“? Was wäre überhaupt in diesem Zusammenhang unter Radikalität zu verstehen? Der Philosoph Odo Marquard spricht von einer schamlosen Offenheit, von einer zuweilen soliden Schandmaulkompetenz, die den Alten zueigen sei. Die Begründung hierfür klingt einleuchtend: Im Alter muß auf immer weniger Zukunft Rücksicht genommen werden, gerade deshalb können sich die „Alten“ ungehemmt in ihrem Umfeld bewegen und offen aussprechen, was ihnen nicht paßt. Nicht nur „Starrsinn“, sondern auch eine derartige „Furchtlosigkeit“ könne daher, so die Psycho-analytikerin Margarete Mitscherlich, mit dem Alter verbunden sein. Diese Unbekümmertheit, die Freiheit von Zwängen und Rücksichten, mag sogar noch einmal ein kreatives Interesse an Verän-derungen befördern – ganz anders als es uns das Bild eines unbeweglichen, nur auf den engen Umkreis des eigenen Erlebens konzentrierten Alters vermittelt. Die Lebensfreude älterer Menschen, die ihre Lebensplanung noch einmal ganz neu in die Hand nehmen, vermag dies ebenso zu illustrieren wie das Alterswerk mancher Künstler, das einen radikalen Neuanfang in ihrer künstlerischen Biographie setzt. Um derartige Neuanfänge, um eine solche kritische und selbstkritische Radikalität des Alters dreht sich die diesjährige Herbsttagung der Deutschen Akademie. Sie will damit Ansichten des Alters vorstellen, die von den eher düsteren - demographischen oder politischen - Perspektiven abweichen, die das Älterwerden nur noch vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Kosten eines allmählichen Verfallsprozesses verhandeln.
Mitwirkende sind: Bazon Brock (Kunsttheoretiker), Lars Gustafsson (Schriftsteller), Hans Keilson (Schriftsteller und Psychoanalytiker), Stefan Litwin (Komponist und Pianist), Odo Marquard (Philosoph), Margarete Mitscherlich (Psychoanalytikerin), Inka Parei (Schriftstellerin), Erica Pedretti (Schriftstellerin und bildende Künstlerin), Peter Rühmkorf (Schriftsteller), Werner Spies (Kunsthistoriker) und Hans Wollschläger (Schriftsteller und Übersetzer). Die Veranstaltungen finden in der Centralstation (Darmstadt) statt.
Höhe- und Schlußpunkt der Tagung (21.) ist
traditionell die Verleihung des Georg-Büchner-Preises, der in diesem Jahr an
Oskar Pastior verliehen wird, sowie die Vergabe des Sigmund-Freud-Preises an
Johannes Fried und die des Johann-Heinrich-Merck-Preises an Eduard Beaucamp im
Staatstheater Darmstadt. Am Abend zuvor (20.) findet die Lesung des
Georg-Büchner-Preisträgers in der Orangerie statt.
Nähere Informationen unter: www.deutscheakademie.de
Kontakt und Akkreditierung über das Pressebüro:
Corinna Blattmann, Tel:
06151-409216, email: corinna.blattmann@deutscheakademie.de