wissenschaftlich, poetisch und feierlich wird es
auf der Frühjahrstagung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
zugehen, die dieses Jahr vom 28. April bis 1. Mai in Salzburg stattfindet.
Ein Thema der Tagung wird der Sprachwechsel in den
Wissenschaften sein. Der Übergang der wissenschaftlichen Kommunikation zum
Englischen ist ein einschneidender, fast lautloser Vorgang, der noch viel zu
selten Gegenstand der öffentlichen Diskussion ist – in Deutschland oder
Österreich betrifft er die künftige Bedeutung der deutschen Sprache, eine
vergleichbare Situation findet sich aber auch in vielen anderen Ländern. Die
Vorzüge des Englischen als Lingua franca liegen zwar auf der Hand, doch gibt es
gegen die sprachliche »Hegemonisierung« einiges einzuwenden. Vor allem:
Wissenschaft ist kein neutrales Erkenntnisinstrument, sondern auch ein
Kulturphänomen mit besonderen Normen und Denkformen, die sich in der jeweils
ausgearbeiteten Wissenschaftssprache äußern. Eine »Vielstimmigkeit« ist für
eine internationale Verständigung der Wissenschaften unerläßlich. Was aber
könnte die Perspektive der Sprachenwirklichkeit in der Wissenschaft sein?
An der Diskussion unter dem Titel
»Die Wissenschaft spricht Englisch – und die Gelehrsamkeit viele Sprachen?«
beteiligen sich: Florian Coulmas (Japanologe, Kultur- und
Sprachwissenschaftler, Direktor des Deutschen Instituts für Japanstudien
Tokyo), Regine Kollek (Prof. für
Technologie-folgenabschätzung der modernen Biolotechnologie in der Medizin,
Nationaler Ethikrat, Internationales Bioethik-Komitee der UNESCO), Volker ter Meulen (Prof. für Virologie,
Präsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina), Ulrich Raulff (Historiker und
Kulturwissenschaftler, Direktor des Schiller Nationalmuseums und des Deutschen
Literaturarchivs), Hans-Jörg Rheinberger
(Molekularbiologe, Wissenschaftshistoriker, Übersetzer, Direktor am Max-Planck-Institut
für Wissenschaftsgeschichte). Uwe
Pörksen (Prof. em. für deutsche Sprache und ältere Literatur, Vizepräsident
der Akademie) wird moderieren.
Ausgesprochen poetisch wird es
bei der Veranstaltung »Wenn auch die Namen nicht mehr sind«. Österreichische
Autoren, darunter auch Mitglieder der Akademie, werden vergessene
Schriftsteller ihres Landes vorstellen, u.a. mit Robert Menasse, Alfred
Kolleritsch, Kathrin Röggla, Robert
Schindel und Gert Jonke. Durch
den Abend führt Peter Hamm.
Die Verbindung
zwischen Wissenschaft und Poesie schaffen der Hirnforscher Wolf Singer und Raoul
Schrott in ihrem Gespräch zum Auftakt der Tagung. Feierlich beschlossen
wird sie mit der Verleihung des Johann-Heinrich-Voß-Preises für Übersetzung an
Elisabeth Edl und des Friedrich-Gundolf-Preises für die Vermittlung deutscher
Kultur im Ausland an László Földényi.
28. März
2005
Corinna Blattmann