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Merck-Preis 2015 an Gabriele Goettle

10. Juli 2015

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zeichnet die Journalistin und Schriftstellerin Gabriele Goettle mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay aus. Der Preis ist mit 20.000,- Euro dotiert und wird zusammen mit dem Georg-Büchner-Preis am 31. Oktober 2015 in Darmstadt verliehen.

Begründung der Jury:
»Gabriele Goettles Texte flanieren zwischen Reportage, Erzählung und Essay. Sie enthalten Berichte von Frauen und Männern aus allen Bereichen der Gesellschaft, deren Berufe und Berufungen, Leiden und Leidenschaften die Autorin mit großem Gespür für die Probleme unserer Zeit, mit scharfer Präzision und Menschenfreundlichkeit zur Sprache bringt. Es sind Feinzeichnungen von Charakteren, die uns daran erinnern, dass die Meisterschaft der literarischen Physiognomik politische und ästhetische Sensibilität miteinander verbindet. Auf diese Weise hat Gabriele Goettle in den vergangenen Jahrzehnten eine Sammlung von Büchern vorgelegt, die sich zu einem eindringlichen physiognomischen Panorama unserer Zeit, unserer Gesellschaft verdichten. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht ihr den Johann-Heinrich-Merck-Preis für Kritik und Essay, weil sie die Zusammengehörigkeit beider Begriffe beispielhaft demonstriert.«

Gabriele Goettle, geboren am 31. Mai 1946 in Aschaffenburg, ist Journalistin und Schriftstellerin. Sie lebt in Berlin, wo sie Bildhauerei, Literaturwissenschaft, Religionswissenschaft und Kunstgeschichte studierte.
Seit den 1980er Jahren schreibt Gabriele Goettle über den deutschen Alltag. Eine Sammlung dieser frühen Geschichten erschien 1991 unter dem Titel »Deutsche Sitten. Erkundungen in Ost und West« und machte sie einem größeren Lesepublikum bekannt. Bis heute liegen neun Bände ihrer Reportagen und Essays vor. Einige ihrer Texte erschienen zuvor in verschiedenen Zeitungen, vor allem in der »taz«.
Gabriele Goettle ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. 1995 wurde sie für ihre Arbeit mit dem Ben-Witter-Preis, 1999 mit dem Schubart-Literaturpreis ausgezeichnet.

Veröffentlichungen:
Haupt- und Nebenwirkungen. Zur Katastrophe des Gesundheits- und Sozialsystems. München: Kunstmann, 2014.
Der Augenblick. Reisen durch den unbekannten Alltag. München: Kunstmann, 2012.
Wer ist Dorothea Ridder? Rekonstruktion einer beschädigten Erinnerung. Berlin: Edition Tiamat, 2009.
Experten. Frankfurt am Main: Eichborn, 2004.
Die Ärmsten! Wahre Geschichten aus dem arbeitslosen Leben. Frankfurt am Main: Eichborn, 2000.
Deutsche Spuren. Erkenntnisse aus Ost und West. Frankfurt am Main: Eichborn, 1997.
Deutsche Bräuche. Ermittlungen in Ost und West. Frankfurt am Main: Eichborn, 1994.
Deutsche Sitten. Erkundungen in Ost und West. Frankfurt am Main: Eichborn, 1991.
Freibank. Kultur minderer Güte amtlich geprüft. Berlin: Edition Tiamat, 1991.

Im Online-Archiv der Tageszeitung »taz« sind zahlreiche ihrer Texte zu finden: www.taz.de/!a=Gabriele+Goettle/

Der Johann-Heinrich-Merck-Preis wird seit 1964 von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehen und von dem Unternehmen Merck finanziert.
Zu den Preisträgern gehören u.a.: Joachim Kaiser (1970), Sebastian Haffner (1980), Peter von Matt (1991), Silvia Bovenschen (2000), Karl-Markus Gauß (2010), Wolfram Schütte (2013), Carolin Emcke (2014).