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(c) Isolde
Ohlbaum
Friedrich Christian
Delius erhält den Georg-Büchner-Preis 2011
Die Deutsche Akademie
für Sprache und Dichtung verleiht den
mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2011 an den
Schriftsteller Friedrich Christian Delius. Als kritischer, findiger
und erfinderischer Beobachter hat er in seinen Romanen und
Erzählungen die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen
im 20.
Jahrhundert erzählt – von der Vorgeschichte der NS-Zeit über
die Zeit der Teilung bis in die unmittelbare Gegenwart.
Seine politisch
hellwachen, ideologieresistenten und menschen-
freundlichen Texte loten die historischen Tiefendimensionen der
Gegenwart aus. Seiner souveränen Erzählkunst gelingt es, eine
manchmal satirische Beobachtungsschärfe zu verbinden mit
einer humanen Sensibilität, die seine Figuren oft decouvriert,
aber nie denunziert.
Studenten der
Universität Florida verliehen diesem Nachfahren Seumes (des
aufgeklärten Spaziergängers nach Syrakus) und Wolfgang
Koeppens (an dessen Kunst der rhythmischen Phra-
sierung von Zeit und
Geschichte er in Meistererzählungen wie
Die Birnen von Ribbeck
und Bildnis der Mutter als junge Frau
anknüpft) 1994 einen selbsterfundenen Preis: den „Award for
Opening Minds“. Dieses Wort wäre eine brauchbare Begründung
auch für die Verleihung des Georg-Büchner-Preises.
Die Deutsche Akademie
feiert in diesem Jahr 60 Jahre Georg-Büchner-Preis. Das
Jubiläum ist mit einer Höherdotierung
des Preisgeldes von
ehemals 40.000 auf 50.000 Euro verbunden.
Die Verleihung des
Georg-Büchner-Preises an Friedrich Christian Delius findet am 29.
Oktober 2011 im Staatstheater Darmstadt statt. Beginn ist 16 Uhr.
Karten können ab dem 4. Oktober über das Staatstheater Darmstadt
für einen Betrag von 6,- Euo erworben werden.
Kurzbiographie
Friedrich Christian
Delius wurde am 13. Februar 1943 in Rom
geboren und wuchs in den
hessischen Orten Wehrda und
Korbach auf. Noch als Schüler
veröffentlichte er 1961 erste Gedichte. Im Anschluss an sein
Germanistikstudium an der
FU Berlin, später an der TU Berlin,
promovierte er 1970 bei
Walter Höllerer und arbeitete danach
für die Verlage Klaus Wagenbach und Rotbuch. Zudem nahm F.C.
Delius an mehreren Tagungen der Gruppe 47 teil: erstmals 1964 im
schwedischen Sigtuna, außerdem 1965 in Berlin und in den
folgenden beiden Jahren in Princeton/USA und in der Pulvermühle/
Waischfeld.
Er las auch auf der letzten Tagung der Gruppe 47 in Dobris
bei Prag. Die
Gedichtsammlung Kerbholz war
1965 seine erste
Buchpublikation. Ihr folgten seitdem zahlreiche weitere
Veröffentlichungen, überwiegend Romane und Erzählungen,
in denen F.C. Delius sich häufig politisch-historischen Themen
der
Bundesrepublik Deutschland widmet. Seit 1978 arbeitet der vielfach
ausgezeichnete F.C. Delius als freier Schriftsteller,
heute lebt er in
Rom und Berlin. Seine Texte wurden in
17 Sprachen
übersetzt. F.C. Delius ist seit 1998 Mitglied der Deutschen
Akademie für Sprache und Dichtung, ebenso gehört
er der
Akademie der Künste in Berlin und der Freien Akademie
der Künste Hamburg an.
Weitere Informationen
auf der Homepage des Autors unter: www.fcdelius.de
Auszeichnungen
1967 Kunstpreis Berlin
Junge Generation/Literatur
1974 Jahrespreis der
›Literarischen Hefte‹, München
1984 Preis für
Poesie und Politik der Zeitschrift ›Lesezeichen‹, Frankfurt
1989
Gerrit-Engelke-Preis, Hannover
1994
Writer-in-residence an der University of Florida, Gainesville/USA
1997
Stadtschreiber-Preis Mainz und ZDF/3sat
2000
Writer-in-residence am Dickinson College, Carlisle/USA
2004
Writer-in-residence an der Washington University, St. Louis/USA
2004
Walter-Hasenclever-Preis, Aachen
2004 Fontane Preis,
Neuruppin
2007
Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen
2007 Kritikerpreis
Literatur
2008
Stadtschreiber-Preis Bergen-Enkheim
2009 Evangelischer
Buchpreis
Veröffentlichungen
• Kerbholz. Gedichte.
Berlin: Wagenbach 1965
• Wir Unternehmer.
Über Arbeitgeber, Pinscher und das Volksganze. Eine
Dokumentar-Polemik anhand der Protokolle des Wirtschaftstages der CSU
1965 in Düsseldorf (zusammen mit Karl-Heinz Stanzick). Berlin:
Wagenbach 1966
• Wenn wir, bei Rot. 38
Gedichte. Berlin: Wagenbach 1969
• Der Held und sein
Wetter. Ein Kunstmittel und sein ideologischer Gebrauch im Roman des
bürgerlichen Realismus. Dissertation. München: Hanser 1971
• Unsere Siemens-Welt.
Eine Festschrift zum 125jährigen Bestehen des Hauses S. Berlin:
Wagenbach 1972
• Ein Bankier auf der
Flucht. Gedichte und Reisebilder. Berlin: Rotbuch 1975
• Ein Held der inneren
Sicherheit. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981
• Die unsichtbaren
Blitze. Gedichte. Berlin: Rotbuch 1981
• Adenauerplatz. Roman.
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1984
• Einige Argumente zur
Verteidigung der Gemüseesser. Eine Denkschrift. Berlin: Rotbuch
1985
• Mogadischu
Fensterplatz. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987
• Waschtag. Textbuch.
Mit einer Einführung von Dieter Kirsch. Utrecht: L.O.K.V.
Dramatische
Bibliothek 1988
• Konservativ in 30
Tagen. Ein Hand- und Wörterbuch Frankfurter Allgemeinplätze.
Reinbek: Rowohlt 1988
• Japanische
Rolltreppen. Tanka-Gedichte. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1989
• Die Birnen von
Ribbeck. Erzählung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1991
• Himmelfahrt eines
Staatsfeindes. Roman. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1992
• Selbstporträt
mit Luftbrücke. Ausgewählte Gedichte 1962–1992. Reinbek bei
Hamburg: Rowohlt 1993
• Der Sonntag, an dem
ich Weltmeister wurde. Erzählung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt
1994
• Der Spaziergang von
Rostock nach Syrakus. Erzählung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1995
• Die Verlockungen der
Wörter oder: Warum ich immer noch kein Zyniker bin. Transit 1996
• Amerikahaus und der
Tanz um die Frauen. Erzählung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1997
• Die Flatterzunge.
Erzählung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1999
• Transit Westberlin.
Erlebnisse im Zwischenraum (mit Peter Joachim Lapp). Berlin: Ch. Links
1999
• Der
Königsmacher. Roman. Berlin: Rowohlt Berlin 2001
• Warum ich schon immer
Recht hatte – und andere Irrtümer. Ein Leitfaden für
deutsches Denken. Berlin: Rowohlt Berlin 2003
• Mein Jahr als
Mörder. Roman. Berlin: Rowohlt Berlin 2004
• Die Minute mit Paul
McCartney. Memo-Arien. Berlin: Transit 2005
• Bildnis der Mutter
als junge Frau. Berlin: Rowohlt Berlin 2006
• Die Frau, für
die ich den Computer erfand. Berlin: Rowohlt Berlin 2009
Der
Georg-Büchner-Preis
Die Deutsche Akademie
für Sprache und Dichtung verleiht seit 1951 den
Georg-Büchner-Preis an herausragende Schriftsteller. Zuvor, von
1923 bis 1933, wurde er als Preis des Volkstaates Hessens an
Künstler in allen Bereichen vergeben. In den Jahren 1933 bis 1944
wurde der Preis nicht verliehen.
Bisherige
Preisträger
1951 Gottfried Benn |
1952 nicht verliehen | 1953 Ernst Kreuder | 1954 Martin Kessel | 1955
Marie Luise Kaschnitz | 1956 Karl Krolow | 1957 Erich Kästner |
1958 Max Frisch | 1959 Günter Eich | 1960 Paul Celan | 1961 Hans
Erich Nossack | 1962 Wolfgang Koeppen | 1963 Hans Magnus Enzensberger |
1964 Ingeborg Bachmann | 1965 Günter Grass | 1966 Wolfgang
Hildesheimer | 1967 Heinrich Böll | 1968 Golo Mann | 1969 Helmut
Heißenbüttel | 1970 Thomas Bernhard | 1971 Uwe Johnson |
1972 Elias Canetti | 1973 Peter Handke | 1974 Hermann Kesten | 1975
Manès Sperber | 1976 Heinz Piontek | 1977 Reiner Kunze | 1978
Hermann Lenz | 1979 Ernst Meister | 1980 Christa Wolf | 1981 Martin
Walser | 1982 Peter Weiss | 1983 Wolfdietrich Schnurre | 1984 Ernst
Jandl | 1985 Heiner Müller | 1986 Friedrich Dürrenmatt | 1987
Erich Fried | 1988 Albert Drach | 1989 Botho Strauß | 1990
Tankred Dorst | 1991 Wolf Biermann | 1992 George Tabori | 1993 Peter
Rühmkorf | 1994 Adolf Muschg | 1995 Durs Grünbein | 1996
Sarah Kirsch | 1997 H.C. Artmann | 1998 Elfriede Jelinek | 1999 Arnold
Stadler | 2000 Volker Braun | 2001 Friederike Mayröcker | 2002
Wolfgang Hilbig | 2003 Alexander Kluge | 2004 Wilhelm Genazino | 2005 Brigitte Kronauer | 2006 Oskar
Pastior | 2007 Martin Mosebach | 2008 Josef Winkler | 2009 Walter
Kappacher | 2010 Reinhard Jirgl
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18.
Mai 2011
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